Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 12. August 2013

Keine langfristige Lösung

9. August: „Pflegenotstand: Hamburg holt Fachkräfte aus China“

Die Abwerbung von Personal aus dem Ausland ist keine langfristige Lösung für zunehmende Engpässe in der Pflege von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen in Deutschland. Im Durchschnitt hat China eine ausgebildete Pflegekraft pro 1000 Einwohner, in Deutschland sind es etwa zehnmal so viele. Die Erwartung, dass ein Großteil der pflegebedürftigen Menschen in China künftig durch ihre Kinder gepflegt wird, lässt sich im Hinblick auf die restriktive Familienplanungspolitik in der Vergangenheit bezweifeln. Langfristig werden wir nicht darum herumkommen, Möglichkeiten zu nutzen, den Beginn von gesundheitlichen Einschränkungen hinauszuzögern, bessere Hilfsmittel für einen möglichst selbstbestimmten Alltag zu entwerfen und pflegerische Aufgaben im häuslichen Umfeld stärker zu delegieren. Leider fällt es uns in unserem Arzt-, Krankheits- und Institutions-zentrierten Gesundheitswesen oft schwer, gemeinsam Lösungen auf weite Sicht zu entwickeln, die sich an den Alltagsbedürfnissen der Menschen orientieren.

Dr. Elke Jakubowski

Hilft überhaupt nicht

9. August: „Scharner will nicht zur U23“

Wenn ein gestandener Spieler beim HSV mal die Meinung sagt, wie jetzt Paul Scharner und 2012 Slobodan Rajkovic, dann habe ich den Eindruck, dass man anscheinend immer gleich beleidigt ist. Es werden Konsequenzen gefordert: Strafversetzung ...mit dem arbeite ich nicht mehr...er soll sich einen neuen Verein suchen. Wo sind wir hier eigentlich? Paul Scharner wurde geholt, weil er ein guter Verteidiger und Nationalspieler ist. Das hat er auch in England gezeigt. Und diesen Spieler jetzt zur U23 abzugeben? Das ist Verschwendung von bestem Material und hilft überhaupt nicht, einen der vorderen Plätze in der Bundesliga zu erreichen.

Jürgen von der Heyde

Gefährliches Spiel

8. August: „Retter-Monopol für die Feuerwehr?“

Die Feuerwehr Hamburg hat nach dem Feuerwehrgesetz § 3 die Aufgabe, den Rettungsdienst in Hamburg durchzuführen, also den gesetzlichen Auftrag. Als Fachbehörde arbeitet die Feuerwehr Hamburg nicht gewinnorientiert. Somit ist die Feuerwehr Hamburg kein marktbeherrschendes Unternehmen, sprich kein Monopol. Die Einbindung der Hilfsorganisationen durch öffentlich-rechtlichen Vertrag in die Notfallrettung ist aktuell möglich und wird praktiziert. Eine Nichteinbindung der Hilfsorganisationen durch Änderung des Rettungsdienstgesetzes kann nicht das Ziel der Feuerwehr sein. Die Hilfsorganisationen sind ein wichtiger Teil der Notfallrettung und umso wichtiger in der Hilfe bei Katastrophen.

Thorsten Kraatz

Ignoranz ohne Beispiel

6. August: „30.000 Air-Berlin-Kunden warten auf Antworten“

Ich kann das als Bestandskunde dieser Fluggesellschaft nur bestätigen. Es ist eine Ignoranz ohne Beispiel. Ich hatte im April letzten Jahres eine Reklamation, die ich per Fax an den Kunden-Service gerichtet habe. Man bekommt auch bald darauf eine Bearbeitungsnummer. Dabei bleibt es denn auch. Ich habe nicht lockergelassen. Verschiedene Erinnerungen per E-Mail und Schreiben an die Leitung Kunden-Service brachten keine Reaktion. Daraufhin habe ich an die Geschäftsleitung per Einschreiben geschrieben. Und siehe da, im Januar 2013 habe ich tatsächlich nach neun Monaten eine Antwort bekommen. Es war eine schwere Geburt. Ich weiß immer noch nicht, was Air Berlin unter „Kunden-Service“ eigentlich versteht. Geht so etwas auf Sicht gut?

Hans-Dieter Fink

System mit Fehlern

10. August: „Kammer und Gewerkschaft gegen Netzekauf“

Das Beispiel Rader Hochbrücke zeigt, wie staatliche Stellen mit ihrer Verantwortung umgehen: Eine Million kostet nur die verschleppte Reparatur, und wochenlang bilden sich nun in der Hochsaison Schlangen. Das System Staat funktioniert oft nicht, weil veraltete Kameralistik gilt und nicht moderne Betriebswirtschaft. Natürlich kann man mit dem Kauf der Netze viel Geld verdienen oder den Strompreis senken. Aber bei Investition und Reparatur wird nicht wirklich wirtschaftlich gehandelt, da der Verantwortliche verbeamtet ist und ihm bei Fehlern keine Konsequenzen drohen. Er profitiert auch selbst nicht, wenn er günstig einkauft. An der Spitze der Staatsunternehmen sitzt jeweils ein Politiker, der seine (Partei)Freunde und Verwandte (kürzlich Bayern!) bedienen möchte und weder leidet noch profitiert, wenn der Laden gut oder schlecht läuft.

Dr. Fred Anton