Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 9. August 2013

Überqualifiziert

8. August: „Hamburgs neue Gastarbeiter. 17 Azubis wagen jetzt in Hotels einen Neuanfang“

Diese Menschen werden unter ihrer Qualifikation eingesetzt. Warum wird die junge Frau nicht als Grundschullehrerin, zum Beispiel an einer bilingualen Schule, eingesetzt? Dazu gibt es in Hamburg ein vorbildliches Berufsanerkennungsgesetz. Wohlgemerkt, es geht nicht um solidarische Hilfe. Aber bitte nicht aus der unverschuldeten Not Kapital schlagen! Wer garantiert diesen Menschen denn nach der erfolgreichen Ausbildung einen entsprechenden Arbeitsplatz?

Dieter Hölterhoff

Notlügen erlauben?

7. August: „Müssen Politiker immer die Wahrheit sagen?“

Ich meine ja. Denn gerade vor einer Wahl dienen die Unwahrheiten nur dem Ziel der Amtserschleichung. Dieses ist normalerweise ein Strafdelikt. Tritt so ein Fall ein, sollte man anschließend die gesamte Partei wieder aus dem Parlament jagen. Bei den Notlügen, wie bei den angeblich gesicherten Spareinlagen im Herbst 2008 um die Märkte zu beruhigen, kann man geteilter Meinung sein. Aber auch in so einem Fall sollte man sich auf die Politik und deren Aussagen verlassen können.

Klaus-Peter Retzlaff

Unerträgliche Debatte

Die Diskussion um die Lüge in der Politik ist eine in Teilen unerträgliche Tugend-Debatte. In politischen Fragen gibt es häufig keine eindeutige Wahrheit oder aber mehrere Wahrheiten. In vielen Fällen wäre es eine Katastrophe, geradeheraus ehrlich und undiplomatisch alles Negative zu äußern. Auch in Freundschaft und Familie wird häufig gelogen. Man würde wahrscheinlich mehr Freunde verlieren, wenn man immer die Wahrheit sagen würde. Die Medien als Gralshüter der „Wahrheit“ stellen mit ihrem Bedürfnis nach Überspitzungen und griffigen Halbsätzen die Politik immer infantiler dar und befördern dadurch enorm die Politiker-Verdrossenheit.

Hans-Jürgen Stellbrink

Ausverkauf der Pressefreiheit

7. August: „Amazon-Chef kauft ,Washington Post‘“

Die letzten Runden zum Ausverkauf der Pressefreiheit werden eingeläutet. Wir alle schauen zu. Wie es mit ihr endet, sehen wir ohnmächtig in Italien, Russland und China, wo die Manipulation zur Tagesordnung von Presse und Politik gehört. Gibt es demnächst die „FAZ“ von Aldi und den „Spiegel“ von Shell?

Christian Enger

Hohe Strömung

7. August: „Schwimmende Badeanstalt in der Elbe“

Die Mischung aus Erholung und industriellem Charakter des Hafens ist doch an den Haaren herbeigeholt. Industrieromantik wächst durch Arbeit und Zeit. Ein Containerhafen braucht keine Inszenierung aus Containern, um einem Touristen oder dem Hamburger zu zeigen: Hafen. Und die Gefahr eines Schwimmdocks direkt an der Elbe ist nicht vertretbar. Die Strömung ist hoch, und ein über die Kante gesprungener Badegast, der unter die Anlage gespült wird oder abtreibt, den rettet wer?

Stefan Bánk

Kostengünstiger

7. August: „In Niedersachsen startet die erste ‚Rollende Arztpraxis‘“

Eine rollende Arztpraxis ist nicht nur für ländliche Regionen eine gute Lösung. Auch in der Großstadt gibt es viele Menschen, die eine Arztpraxis nicht aufsuchen können. Oft müssen sie dann in eine Einrichtung. Es wäre menschlicher und auch kostengünstiger, wenn diese Personen in ihrem Zuhause bleiben und dort ärztlich betreut werden könnten. Damit wird niedergelassenen Ärzten nichts genommen.

Irene Köster

Von der Kette gelassen

6. August: „Handball: Erste Spuren von Rost. Neuer Geschäftsführer des HSV entlässt Pressesprecher“

Was ist nur beim HSV-Handball los? Nach dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte hat Herr Rudolph den Rost von der Kette gelassen. Man bekommt den Eindruck, der Verein habe neuerdings Probleme. Das vor allem deshalb, weil langjährige loyale Mitarbeiter ohne Gründe entlassen werden. Ob Rost als Lautsprecher auch in der Lage ist, ein Team zu motivieren und zu führen, ist mehr als fraglich.

Ernst-Otto Biehl

Echte Schwachstellen

2. August: „Den meisten Deutschen sind Kinder zu teuer“

Die Zurückhaltung beim Kinderkriegen ist laut Umfrage auch der berechtigten Angst davor geschuldet, mit Kind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr mithalten zu können und abhängig zu sein von einem Betreuungssystem, das trotz aller Fortschritte echte Schwachstellen hat. Die schwarz-gelbe Bundesregierung ignoriert den Spagat der Eltern zwischen Kindern und Arbeitsplatz und belohnt stattdessen mit dem Betreuungsgeld das Familienmodell. Wenn wir Kinder und Eltern wirklich unterstützen wollen, müssen Betreuungssystem und Berufsalltag sich mehr an den Familienbedürfnissen orientieren. Die Situation im Krankheitsfall des Kindes ist vielfach mit Gehaltseinbußen, immer aber mit Verwaltungsaufwand verbunden. Auch das oft miserable Schulessen ist immer noch nur ein Nebenthema. Und starre Bring- und Abholzeiten bei der Betreuung sind für viele Eltern eine Zumutung. Diese Probleme können überwunden werden, wenn die Politik sich zusammen mit Kitas, Schulen und Arbeitgebern ein anderes Bewusstsein für die Kinder und Eltern schafft.

Christian Carstensen