Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 07. August 2013

Illoyales Verhalten

6. August: „Interview mit dem SPD-Fraktionschef. Steinmeier fordert sofortiges Ende des Ausspionierens“

Das Interview von Frank-Walter Steinmeier lässt schon ein wenig aufhorchen. Ein Mann, der Kanzleramtsminister war, also über die Geheimdienste Bescheid wusste, erklärt jetzt, dass ein Herr Snowden dazu beigetragen habe, eine Debatte über Geheimdienste in Gang zu setzen, die es sonst nie gegeben hätte. Kein Wort über das illoyale Verhalten des Herrn Snowden seinem Land gegenüber. Es verwundert schon, dass Politiker in den vordersten Reihen kein Wort darüber verlieren. Es muss doch auch in Deutschland einen Verhaltenskodex für Angestellte geben, die über Informationen verfügen, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehören. Hat Snowden wirklich nur die Geheimnisse verraten, weil er die Welt verbessern will?

Fritz Timm

Nicht genug Werbung

5. August: „Rabattaktionen und verbilligte Dauerkarten. Senatorin senkt Preise für Gartenschau“

Die Gartenschau in Wilhelmsburg hat zu wenig Besucher. Vor allem die Hamburgerinnen und Hamburger zeigen sich spärlich. Ein Defizit in Millionenhöhe ist unvermeidlich. Doch wie wirbt der Senat selbst für die spannende Veranstaltung? Spärlich. Klar, der Bürgermeister war zusammen mit dem Bundespräsidenten bei der Eröffnung. Seitdem wurde er auf der Gartenschau aber nicht mehr gesehen. Auch werbende Fotos von Frau Blankau oder von anderen ihrer Senatskollegen vor Rosenbeeten sind mir nicht aufgefallen. Und Werbung auf hamburg.de, der offiziellen Website der Freien und Hansestadt Hamburg? Auch spärlich. Riesenteaser für die igs ganz oben auf der Homepage von hamburg.de? Nie gesehen in den letzten Wochen. Und auf der behördlichen Gartenschau-Seite versteckt, kündigt man den Auftritt von Ulrich Tukur und seinen Rhythmus Boys an. Soll gut gewesen sein, das Konzert vor gut drei Wochen auf der großen Bühne der igs.

Dieter Obele

Nicht zu Ende gedacht

Das ist ja mal wieder ein Witz – und wieder nicht zu Ende gedacht. Die Preise fürs Tagesticket werden nicht gesenkt, weil es ungerecht jenen gegenüber wäre, die in den vergangenen Monaten bereits die igs besucht haben. Die Preise für die Dauerkarte werden jedoch halbiert. Und was ist mit denen, die ihre Dauerkarte schon vorher gekauft haben? Ist das nicht ungerecht? Warum senkt man nicht die Tageskarte auf 15 Euro? Das würde mit Sicherheit nicht nur mehr Hamburger, sondern auch die Tagestouristen anziehen. Das Defizit wird ja sowieso wieder von uns Steuerzahlern bezahlt.

Ingrid Biester

Berechtigte Frage

5. August: „Hamburger KRITiken: Soll am deutschen Wesen die Welt genesen? Ticken wir anders – oder aus?“

Die Frage scheint mir sehr aktuell und berechtigt. Die Deutschen galten schon immer als Besserwisser, und dieser Ruf hat sich in letzter Zeit erhärtet. Dazu kommt noch, dass sie im europäischen Rahmen gerne aus der Reihe tanzen. Eines der markantesten Beispiele ist die allgemeine Beschränkung der Geschwindigkeit auf Autobahnen, die es nur in Deutschland nicht gibt. Dass höhere Geschwindigkeit den Verbrauch und damit den CO2-Ausstoß vergrößert, ist allgemein bekannt; auch ist klar, dass das Unfallrisiko und die Verletzungsgefahr damit steigen. Trotzdem wird in diesem angeblich so ökologisch gesinnten Land diese Ausnahme beibehalten, weil die Autolobby befürchtet, sonst ein paar PS-starke Pkw weniger zu verkaufen. Die Deutschen riskieren dabei, dass sie nicht nur als Besserwisser, sondern auch noch als Heuchler angesehen werden.

Gernot Körber

Sehr vernünftig

Herrlich, selten etwas derart Vernünftiges gelesen. Hinsichtlich der Besserwisser und Weltverbesserer galt früher: „Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Entscheidungen der Obrigkeit anzulegen.“ Jedenfalls wenn die Obrigkeit ihren Ruf gelegentlich wieder aufpolieren würde.

Uwe Marschner

Gutes Signal

5. August: „Faire Mieten in St. Georg: Ein Schutzschirm für die Lange Reihe“

Ein gutes Signal. Es gibt also Immobilieneigentümer, die verstanden haben, dass es nicht nur darauf ankommt, möglichst viel „abzusahnen“. Im Interesse von Vermietern kann es, wie man hier sieht, auch liegen, langjährige, solide und zuverlässige Mieter zu haben. Sehr erfreulich.

Birgit Ramm

Zahl steigt von allein

3./4. August: „Hagenbeck streitet vor Gericht um Pinguine“

Ich finde das neue Eismeer super gelungen. Ich war schon mehrmals dort und habe natürlich auch die Pinguine besucht. Ich finde das Gehege nicht zu leer. Die Eselspinguine sorgen bei mir mit ihrer munteren Art immer für gute Laune. Und da sie jetzt sogar ein Küken haben und im nächsten Jahr vermutlich weitere dazukommen werden, steigt die Zahl der Tiere doch ganz von allein. Da müssen nicht Hunderttausende für Pinguine aus dem fernen Japan ausgegeben werden.

Magdalena Holland

Nicht ausreichend

2. August: „Den meisten Deutschen sind Kinder zu teuer. Umfrage: Viele fürchten auch einen Karriereknick“

Mein Mann und ich haben uns für drei Kinder entschieden und dafür, dass ich überwiegend für die Kinderbetreuung da bin. Also mach ich „nur“ einen Minijob, neben meinen gesamten Aufgaben rund um die Familie. Deswegen reicht das Geld auch nicht, um angemessen fürs Alter vorzusorgen. Also werden meine Kinder später nicht nur fleißige Rentenbeitragszahler sein, sondern vermutlich noch durch die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern belastet werden. Und ich werde mir vorwerfen lassen müssen, ich hätte nicht genug für meine Rente getan. Stimmt. Für meine nicht, aber für die Allgemeinheit.

Angelique Sachse