Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 27. Juni 2013

| Lesedauer: 5 Minuten

Kein Mitleid

26. Juni: „Hamburgs Gartenschau braucht täglich 15.000 Besucher mehr“

Die Gartenschau benötigt täglich 15.000 Besucher mehr, damit Gewinn gemacht wird? Und wer trägt das Restrisiko, wenn die Gartenschau pleite macht? Die Manager doch sicherlich nicht. Ich benötige eigentlich täglich 15 Euro mehr, um mir weiterhin Hamburg leisten zu können. Klappt das nicht, trage ich das volle Risiko selbst und muss unter Umständen die Stadt verlassen. Nein. Die Gartenschau tut mir nicht leid.

Rolf Tonner

Zu kleinteilig

Bei meinem dortigen Besuch fühlte ich mich zwischen Bahn-, Rasenmäher- und Fluggeräuschen nicht wohl. Die das Gelände zerschneidende Straße lässt ein Gefühl der Enge entstehen. Viele kleinteilige Anlagen für Kenner, wenig blühende Landschaften für Genießer. Kein Vergleich mit der Pracht der BUGA in Koblenz, wo im Eintritt von 20 Euro sogar der Sprung per Seilbahn über den Rhein mit drin war. Also: zu teuer für das Gebotene. Ich wünsche den Wilhelmsburgern, dass der Senat sie nach igs und IBA weiterhin fördert. Aber mit meinem Eintritt möchte ich das nicht finanzieren.

Richard Kolling

Finanzdebakel

25. Juni: „Hamburg will säumige Bürger härter verfolgen“

Natürlich ist es keine Frage, dass säumige Bürger zur Verantwortung gezogen werden müssen und dass sich die Stadt Hamburg nicht erlauben kann, auf ihre Forderungen zu verzichten. Aber wer sorgt dafür, dass die Stadt Hamburg ihren Pflichten und Zahlungen termingerecht nachkommt? Als Beamtin erlebe ich gerade das völlige Finanzdebakel, was die Beihilfezahlungen angeht. Es dauert mittlerweile über zwei Monate bis ein Beihilfe-Antrag bearbeitet und die Erstattung der Arztrechnung auf meinem Konto ist. In der Zwischenzeit häufen sich die Rechnungen, und so gewähre ich der Stadt Hamburg permanent einen zinslosen Kredit. Die Überbelastung und der Personalnotstand in der Beihilfestelle führt dazu, dass die telefonischen Sprechstunden extrem eingeschränkt wurden und man noch weniger Möglichkeiten hat, den Bearbeitungsstand zu erfragen. Da ich schwanger bin, muss ich momentan viele medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, und mir graut es jetzt schon vor den Krankenhauskosten der Entbindung. Leider ist es mir als Bürgerin nicht möglich, zu den im Artikel geschilderten Vollstreckungsmaßnahmen zu greifen – mir bleibt lediglich eine hoffnungslos überlastete Hotline zur Abfrage des Bearbeitungsstatus und mein banger Blick aufs Konto.

Sandra Carstensen

Akzeptanz fehlt

25. Juni: „Kommen in Hamburg zu viele Kinder aufs Gymnasium?“

Was sind das bitte für Eltern, die ihre Kinder unbedingt auf einem Gymnasium sehen? Wie halten diese Kinder den Druck aus? Worin begründet sich die Sorge, dass eine Stadtteilschule die schlechtere Wahl ist? Auch hier werden die Kinder lernen, und auch hier herrscht durchaus ein Leistungsgedanke. Was muss in Hamburg geschehen, dass endlich die Akzeptanz größer wird? Es gibt sicher sehr viele Kinder, die geeignet fürs Gymnasium sind und die dort ihren Weg gehen werden. Aber leider wird es auch viele Kinder geben, bei denen dieser Weg nicht einfach werden wird und die dann ihren Rückschlag erleben, wenn sie nach dem sechsten Schuljahr abgeschult werden. Hoffentlich mit Eltern an ihrer Seite, die sie begleiten und auffangen.

Ute Vogelsang und Familie

Ausgebucht

Es ist nicht immer der „Elternwille“ oder die Empfehlung der Lehrer, die einen Schüler aufs Gymnasium bringen. Ich habe im vergangenen Schuljahr als ehrenamtlicher Lese-Mentor mit einem Viertklässler zusammengearbeitet, der nach dem Willen aller ab der fünften Klasse die Stadtteilschule besuchen sollte. Aber diese Schulen in seinem Wohnbezirk waren bereits ausgebucht. Um ihm einen künftigen weiteren Schulweg zu ersparen, erhielt er von der Schule die Gymnasialempfehlung, dort wären noch Plätze frei. So wird er also voller Angst und zum Verdruss seiner Eltern, die ihm hierbei nicht weiterhelfen können, demnächst diese Schulform, die seinem Bildungsstand absolut nicht entspricht, ausprobieren müssen.

Gundolf Matz

Für alle gewinnbringend

24. Juni: „Mütterrente statt Steuersenkungen. Union präsentiert Wahlprogramm“

Mit welcher Begründung sollen künftig nur Mütter, deren Kinder nach 1992 geboren sind, eine Erhöhung der Rente erhalten? Stattdessen sollte die Regierung besser über Steuersenkungen nachdenken. Diese würden auch Familien zugutekommen, deren Kinder vor dieser willkürlich festgelegten Grenze geboren wurden.

Martin Wucherpfennig

Ignorante Haltung

24. Juni: „Tausendfaches Harleyluja am Großmarkt. 550.000 Besucher feiern drei Tage lang die Harley Days“

Hätte nicht auch die Frage gestellt werden müssen, mit welchem Recht eine Freizeitgestaltung zelebriert und erlaubt wird, die Zehntausenden Menschen die Ruhe raubt? Diese ignorante Haltung manifestiert sich eindringlich in dem lächerlichen Machogehabe einer Männergruppe, die mit einer martialischen Symbolik ihr defektes Selbstbild zu kitten versucht. Und „die Polizei beobachtet das Verkehrschaos“, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, offensichtlich regelwidrige Auspuffgeräusche zu überprüfen. Da lassen sich doch problemloser Parksünder zur Kasse bitten oder Radfahrer, die im Sommer ohne Licht unterwegs sind.

Rainer Müller-Broders

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