Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 28. Mai 2013

| Lesedauer: 5 Minuten

Leseförderung ist wichtig

27. Mai: "Deutsch ist der Schlüssel zur Integration. Die Sprachdefizite bei Migrantenkindern sind hoch"

Die Frage ist doch nicht nur, was passieren soll - Migranten sollen Deutsch lernen -, sondern auch, wie dies gelingen kann. Sprachkurse sind natürlich richtig und wichtig. Aber ich möchte darüber hinausgehen und eine ganz wesentliche und zentrale Maßnahme nennen: Leseförderung. Damit meine ich die Lust am Lesen und am Buch wecken und Mut machen, Wörter zu erfragen, selber zu lesen und vorzulesen und ins Gespräch über das Gelesene zu kommen. Denn das Lesen ist der wesentliche Schlüssel zum Text- und Spracherwerb. Leseförderung ist in Hamburg von sehr großem ehrenamtlichem Engagement getragen. Die Chance: eine enorme Wirksamkeit bei sehr geringen Kosten und hohem Engagement. Das Problem: Die Finanzierung ist so problematisch, dass diese enorm wichtigen Initiativen ums Überleben kämpfen. Dabei muss auf dieses Potenzial gebaut werden, denn hier finden an der Basis die Erfolge statt, die die Gesellschaft braucht: lesende und verstehende Kinder und Jugendliche.

Verena von Bieberstein

Kein Vertrauen

27. Mai: "Patienten ärgert, wenn der Arzt zum Verkäufer wird"

Wenn es doch "nur" Ärger wäre. Nein, es ist sehr viel schlimmer. Das Vertrauen ist dahin. Wie kann ich denn als Patient beurteilen, was für mich sinnvoll oder sogar lebensnotwendig ist oder nicht. Ich bin darauf angewiesen, meinem Arzt zu vertrauen. Das fängt bei der Glaukomuntersuchung an und hört bei der Abwägung, ob eine Operation wirklich notwendig ist, noch nicht auf. Wohlgemerkt: notwendig für mich, nicht für die Bilanz des Krankenhausbetreibers.

Dörte Lauerbach

Im Fluss halten

25./26. Mai: "Pilotprojekt Harburger Chaussee. Erste Hauptverkehrsstraße wird nachts zur Tempo-30-Zone"

Der Hamburger Senat sollte wissen: Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist ein entscheidender Standortfaktor. Dazu muss vor allem auch der Straßenverkehr im Fluss gehalten werden, anstatt ihn durch weitere Tempo-30-Zonen, durch mangelnde Instandhaltung der Straßen und durch übermäßig viele, dazu noch schlecht abgestimmte Ampeln immer weiter abzuwürgen. Schleichverkehr, Staus und Schlangen von Kraftfahrzeugen, die immer wieder anhalten und anfahren oder sich durch Schlaglochstraßen quälen müssen, dienen weder dem Lärmschutz noch dem Umweltschutz. Im Gegenteil.

Dr. Hans Kaufmann

Wehret den Anfängen

Wie bitte? Wehret den Anfängen. Tempo 30 bedeutet hochtouriges Fahren in niedrigen Gängen, besonders Busse und Lkw sind dann noch lauter und vor allem länger wahrnehmbar. Warum soll jetzt eine Millionenstadt zum Schneckentempo verurteilt werden, nur weil bauliche Maßnahmen bisher sträflich unterblieben sind?

Michael Björnson

Schutzlos ausgeliefert

Es ist sehr zu begrüßen, wenn der Senat Maßnahmen ergreift, die Lärmemissionen in Hamburg zu begrenzen. Dies sollte sich aber nicht ausschließlich an den Nachtzeiten orientieren. Zwar ist ein ruhiger und erholsamer Schlaf sehr wichtig. Zu diesen Zeiten kann man sich jedoch auch passiv, wie zum Beispiel durch das Verwenden von Ohrstöpseln, schützen. Dies ist aber zu den Tageszeiten kaum möglich, wenn man berufstätig ist und am öffentlichen Leben teilhaben möchte. Tagsüber ist man dem Lärm meistens schutzlos ausgeliefert, zumal das Verkehrsaufkommen am Tage sehr viel höher ist als zu Nachtzeiten. Viel wäre auch bereits gewonnen, wenn man endlich die Verwendung der sogenannten Sportauspuffanlagen einschränken oder verbieten würde.

Udo Möller

Neue Chance

25./26. Mai: "Besondere Behandlung von Rückenleiden. Streit um Spritze gegen Schmerz"

Für Patienten, denen eine PRT helfen würde oder schon geholfen hat, ist es bedauerlich, dass sie nur noch mit Mühe an eine Überweisung für eine solche invasive Maßnahme gelangen können. Die Mehrheit der Rückenschmerzpatienten bekommt nun aber die Chance, preiswertere und weniger invasive Maßnahmen zu erhalten, nämlich zum Beispiel eine Behandlung der verspannten Rückenmuskulatur, die in den meisten Fällen die eigentliche Ursache von Rückenschmerzen ist. Und auch für den ins Bein ausstrahlenden Schmerz ist nicht unbedingt der Bandscheibenvorfall verantwortlich, den man im Kernspin sieht, sondern Muskeltriggerpunkte. Diese wiederum können preiswert und ohne technischen Aufwand von Spezialisten behandelt werden.

Dr. med. Jolanda Treidler, Schmerztherapeutin

Extreme Missachtung

24. Mai: "1:0 gegen Lyon - Wolfsburgs Frauen holen dritten Titel"

Was macht eigentlich den sportlichen Unterschied aus? Tagelang werden Seiten gefüllt mit dem Champions-League-Finale der Männer. Derweil haben die Frauen des VfL Wolfsburg ihr Titel-Triple bereits und die Spitzenmannschaft von Olympic Lyon 1:0 besiegt. Ist das nur 25 Zeilen wert? Darüber quer über die Seite ein Porträt zur individuellen Raffinesse und Eleganz von Ribéry und Reus, zusammen mit einem Foto der beiden nicht besonders ansehenswerten Männer. Man kann nur feststellen: Dies ist eine extreme Missachtung, Ungleichbehandlung, Überheblichkeit und mangelnde Fairness.

Klaus Püschel

Die Zuschriften geben die Meinung der Einsender wieder. Kürzungen vorbehalten. Weitere Briefe auf www.abendblatt.de

Schreiben Sie an briefe@abendblatt.de oder per Post an das Brieffach 2110, 20350 Hamburg

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe