Briefe an die Redaktion

Briefe an die Redaktion: 21. Februar 2013

| Lesedauer: 5 Minuten

Scheinheiliges Getue

20. Februar: "Heute wieder Streik am Hamburger Flughafen. 181 Flüge und 18 000 Passagiere betroffen"

Dieses scheinheilige Getue von Ver.di, nicht die Passagiere treffen zu wollen, kann ich nicht mehr hören. Eine verschwindend geringe Minderheit von angelernten Hilfskräften fordert eine Lohnerhöhung um 18 Prozent, wer hätte das nicht gern, und versucht das durch Erpressung zu erreichen. Dass hoheitliche Aufgaben eigentlich auch von dafür ausgebildeten Personen ausgeführt werden sollten, steht auf einem anderen Blatt und macht diese Erpressungsversuche erst möglich. Warum interveniert die Bundesregierung nicht?

Peter Lau

Eindeutig Betrug

19. Februar: "Pferdefleischskandal: Betrug mit System. Härtere Strafen für Lebensmittelhersteller"

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auf was kann sich der Verbraucher heute noch verlassen? In den letzten Jahrzehnten gab es bereits zahlreiche Lebensmittelskandale. Ob gepantschte Weine, verunreinigte Öle, Teigwaren, Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Babynahrung, Gemüse oder Tierfutter, eine Kette ohne Ende. Die Verantwortung liegt immer beim Hersteller, und dort darf die Kontrolle nicht vernachlässigt werden. Die Handelsketten sind zwar Dienstleister, tragen aber auch eine gewisse Verantwortung. Wenn Waren aber falsch deklariert werden, dann ist das eindeutig Betrug. Denn jeder von uns möchte auch künftig sein Fleischsalatbrötchen bedenkenlos essen können.

Rita Humpke

Profunder Blick

19. Februar: "Kirche wird Moschee, Moschee wird Kirche. Kein Einzelfall, wie ein Blick in die Geschichte zeigt"

Endlich ein profunder Blick in die Geschichte, um die Diskussion über die Umwandlung der Kapernaum-Kirche zur Moschee zu versachlichen. Das hat es also schon immer gegeben, und alle Welt bestaunt die dadurch erhaltenen Kunstwerke und Baudenkmale. Die Einstellung, der Abbruch einer Kirche sei besser als ihre Umnutzung zur Moschee, wird durch den Rückblick ad absurdum geführt. Und zum Glück bleibt die Kapernaum-Kirche als Wahrzeichen für Horn und als großartiges Raum-Kunstwerk eines bedeutenden Hamburger Nachkriegsarchitekten erhalten.

Professor Friedhelm Grundmann

Geht doch!

19. Februar: "Kindergarten im Gewerbegebiet. Arbeitgeber wollen auf diesem Weg Fachpersonal binden"

Na bitte, es geht doch. In Zukunft wird Unternehmern gar nichts anderes übrig bleiben, als familienfreundliche Einrichtungen zu schaffen. Ich hätte da noch ein paar Ideen: Die Möglichkeit, dass Mütter oder Väter gemeinsam mit den Kindern Mahlzeiten einnehmen können, die Möglichkeit, kranke Kinder betreuen zu lassen. Da ist der gute Wille und die Fantasie der Unternehmer und Eltern gefragt. Von Befürwortern der Tagesbetreuung hört man oft das Argument, eine zufriedene, weil für Bezahlung arbeitende Mutter ist auch eine gute Mutter. Umgekehrt gilt aber genauso, eine zufriedene Mitarbeiterin, die sich nicht um ihre Kinder sorgen muss, ist auch eine gute Mitarbeiterin.

Dörte Lauerbach

Schlechtes Gewissen

19. Februar: "Immer mehr steigen aufs Rad um. Verbände fordern höhere Investitionen in Infrastruktur"

Man fängt an zu glauben, dass es außer Autos nur noch Fahrräder als Transportmittel in der Stadt gibt. Werden etwa Bahn und Bus abgeschafft, und ist es womöglich nicht erlaubt, sich auch zu Fuß zu bewegen? Fast schleicht sich so etwas wie schlechtes Gewissen ein, wenn man - so wie ich - seit Jahren das Radfahren aus Sicherheitsgründen aufgegeben hat und in die Innenstadt grundsätzlich nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Der Fußgänger ist der schwächste Verkehrsteilnehmer, hat aber praktisch keine Lobby.

Dr. Gertraude Sdun

Einkaufsfahrten entfallen

Zum erfreulichen Rückgang des Autoverkehrs in der Hamburger City hat auch eine andere Entwicklung beigetragen. Immer mehr Verbraucher fahren nicht mehr per Pkw in die Stadt zum Einkaufen, sondern bestellen im Internet. Die Auslieferung der Pakete erfolgt dann durch die bekannten Dienste wie zum Beispiel DPD, UPS oder Hermes. Damit entfallen viele einzelne Einkaufsfahrten, an ihre Stelle tritt die gesammelte Auslieferung durch ein einziges Paketfahrzeug. Welchen Einfluss die Paketdienste auf den Stadtverkehr haben, zeigt eine Untersuchung für die Stadt Köln: Die Belieferung der privaten Haushalte durch die Zustelldienste führt zu einer Verringerung des Stadtverkehrs in Köln um sieben Millionen Fahrzeugkilometer pro Jahr. Der Beitrag der Paketdienste zum Rückgang des Autoverkehrs in Hamburg dürfte eine ähnliche Größenordnung erreichen.

Gunnar Uldall, Senator, a. D.

Stadttheaterniveau

19. Februar: "Strippenzieher im zweiten Rang. Kommentar zur Premiere von 'La Traviata'"

Auch wenn ich die neue Inszenierung von "La Traviata" noch nicht gesehen und gehört habe, ich werte die Buhrufe aus den Rängen als Ausdruck des Protests gegen die Konzept- und Profillosigkeit der Hamburgischen Staatsoper und eindeutig gegen die Leitung des Hauses gerichtet. Das wird den Künstlern sicher nicht gerecht. Man schlägt den Sack und meint den Esel. Berufenere Kritiker als ich haben der Staatsoper bereits Stadttheaterniveau bescheinigt. Das Haus muss aufpassen, dass den Politikern, die das Budget bewilligen, nicht der berühmte Satz von Rolf Liebermann in den Sinn kommt: "Stadttheater mach ich Ihnen für die Hälfte."

Helgo Klatt

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