Briefe an die Redaktion: 28. Juni 2012

Lesedauer: 6 Minuten

Leben ohne Werbung

27. Juni: "Facebook zwingt Betreiber deutscher Städteseiten, sich im Netzwerk umzubenennen"

So, wie werbefinanziertes Fernsehen und Radio keine Unterhaltung ist, so ist Facebook kein soziales Netzwerk. All diese Einrichtungen, die natürlich ihre Existenzberechtigung schon durch die millionenfache Nutzung ihrer Besucher, Zuschauer und Hörer haben, sind schlicht und einfach Werbeplattformen. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen. Und wer meint, ohne diese Werbung nicht auskommen zu können, der muss sich an die Regeln der Plattformen halten. Das hat nichts mit "kuschen" zu tun. Die Alternative wäre, genügend Selbstbewusstsein an den Tag zu legen und zu sagen, ohne mich. Denn es gibt tatsächlich ein Leben abseits der Werbung. Man muss es nur leben.

Andreas Kaluzny

Nicht zu verstehen

26. Juni: "Feuerwehrmann nach Unfall angeklagt. Prozess wegen fahrlässiger Tötung"

Wie kann man einen Feuerwehrmann mit dem Auftrag, schnellstens Hilfe zu leisten, dafür haftbar machen, dass er bei Rotlicht angeblich einen Unfall mit einem Linienbus verursachte, leider mit Toten und Verletzten? Vorsätzliche Mörder, die aber aus welchen Gründen auch immer angeblich nicht zurechnungsfähig sind, werden freigesprochen. Anderen, die ohne Vorsatz, nur aus nachzuvollziehendem Verantwortungsbewusstsein gehandelt haben, wird, wie im vorliegendem Fall, eine Gefängnisstrafe von drei Jahren ausgesprochen? Dafür ist man lebenslang vorbestraft und verliert jegliche Berufsmöglichkeiten. Eine derartige Urteilsfindung kann ich als einfacher Bürger nicht verstehen. Genügt nicht in erster Instanz ein befristetes Fahrverbot oder eine ernste Verwarnung?

Egbert Wuthenow

Hohe Anforderungen

26. Juni: "Zwei Männer in einer Frauendomäne. Hamburgs Kita-Männer"

Männer gehören wie Frauen in die Kitas. Aber welcher Mann will und kann diese Arbeit machen? Die Anforderungen an pädagogisches Fachpersonal in Zeiten Hamburger Bildungsempfehlungen, Einrichtung von Krippen, Umbau von Einrichtungen im laufenden Betrieb, Einführung von Ganztagsschulen, Verlust der Hortkinder und Qualitätsentwicklung geben kaum Raum zum Luft holen. Druck und Anforderungen wachsen stetig. Männer, wie im Artikel beschrieben, werden immer sehr beachtet in dieser Arbeit, und häufig höre ich in diesem Zusammenhang den Ruf nach einem besseren Gehalt. Als Frau in diesem Beruf hätte ich gerne mehr Beachtung und auch eine bessere Bezahlung. Wir brauchen die Auseinandersetzung in der Gesellschaft, aber besonders deren Anerkennung.

Angelika Kramer-Westphal

Endlich losgehen

26. Juni: "SPD kontra SPD. Widerstand gegen die Sparpläne in der offenen Jugendarbeit wächst"

Niemand möchte für Kinder und Jugendliche in Hamburg schlechtere Bedingungen als in der Vergangenheit schaffen, sicherlich auch Senator Scheele nicht. Die Umsteuerung im Schulbereich erfordert Kraft und vor allen Dingen viel Geld. Die Menschen in der Stadt wollen eine Schulreform, die natürlich auch eine Reform der Kinder- und Jugendarbeit nach sich zieht. Nachbesserungen und Kritik sind wichtig, nur keine grundsätzliche Infragestellung der zukünftigen Ausrichtung einer Bildungsreform in unserer Stadt. Die Wege in eine moderne Zukunft für unsere Kinder können nur holprig sein nach den Experimenten der vergangenen Jahre. Lasst uns trotzdem endlich losgehen.

Anke Stegemann

Persönlich haftbar

26. Juni: "Zypern braucht Finanzhilfen der EU zur Rettung von Banken"

Wer in der letzten Zeit auf Zypern war, weiß warum: der Baumboom für Ferienhäuser. Unglaublich viele angefangene und leerstehende, fast oder ganz fertige Ferienhäuser zum halben Preis, die küstennahen Gebiete der Insel sind unverantwortlich zersiedelt worden. Dafür muss doch jemand verantwortlich sein. Bauerlaubnisse waren nötig, Kredite mussten bewilligt werden. Die Internationalen sollen für diese Misswirtschaft mal wieder aufkommen. Warum werden die Verursacher, vom Präsidenten angefangen, nicht persönlich haftbar gemacht? Der deutsche Steuerzahler hat diese Gier nach fremden Geld allmählich satt.

Dr. Gunter Alfke

Richtiger Weg

25. Juni: "Woran Europa scheitert. Der Alte Kontinent muss seine globale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen"

Die Analyse erfasst den traurigen Kern der Entwicklung. Doch dürfen wir auch nicht vergessen, dass Europa sich durch viele Kriege erst zu der Gemeinschaft entwickelt hat, die heute wieder ins Wanken gerät. Trotzdem halte ich den Weg unserer Regierung, einen Gegenpol zu den sich wirtschaftlich entwickelnden Großmächten wie China und Indien anzustreben, für richtig. Und dabei sollte ein Gleichgewicht zwischen Bewahren und Erneuerung, Sparkurs und Wachstum geschaffen werden. Dass aber gerade Einschränkungen im Wohlstand vielen missfällt, ist logisch. Am wichtigsten ist es daher, der Bevölkerung neuen Mut zum Wagnis zu geben und den moralischen Stellenwert von Arbeit gegenüber dem Müßiggang deutlich zu erhöhen. Dann klappt's auch mit den Nachbarn.

Christiane Mielck-Retzdorff

Keine Prinzipien

25. Juni: "Merkel aus dem Häuschen. Jubel-Fotos sollen Bild von der Kanzlerin korrigieren"

Da wird vor der EM über alle Medien in aller Breite darüber diskutiert, dass man das diktatorische Regime in der Ukraine nicht auch noch durch die Präsenz von hochrangigen Politikern aus dem Ausland aufwerten darf. Von Boykott wurde gesprochen. Und jetzt meint unsere Frau Bundeskanzlerin plötzlich, dass sie im Fall des Falles zum Finale nach Kiew reisen werde. Für ihre populistische Publicity gelten natürlich keine Prinzipien bezüglich der Einhaltung von Menschenrechten.

Manfred W.H. Kuhlmann

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