Briefe an die Redaktion: 24. April 2012

Lesedauer: 6 Minuten

Deutlich lukrativer

23. April: "Weniger Haushaltsmüll - Hamburger denken um. Abfallmenge sinkt um 12 000 Tonnen"

Den Hamburger Bürgern wird vorgehalten, dass sie größere Anstrengungen unternehmen sollten, um Müll zu vermeiden. Ich vermute hier eher den Hintergrund, dass es für die Stadtreinigung deutlich lukrativer ist, den Müll über Tausende Kilometer hinweg aus Süditalien zu importieren. Auch mit der Annahme von Giftmüll hat man in der Vergangenheit keine Probleme gehabt. Hier werden offensichtlich Kapazitäten benötigt. Allerdings hat der Umweltgedanke beim Geschäftemachen noch nie einen Platz gehabt.

Christiane Dornecker

Erstrebenswertes Ziel?

21./22. April: "Kinder in der Kita: Je früher, desto schlauer"

Plötzlich sollen Kinder so früh wie möglich in eine Kita. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der Nutzen der Wirtschaft im Vordergrund steht. Außerdem ist Erfolg im Beruf nicht das einzig erstrebenswerte Ziel. Warmherzigkeit, Bindungsfähigkeit und ausreichend Ruhe und Zeit für die eigene Entwicklung dürfen keinesfalls vernachlässigt werden.

Arnhild Weber

Öfter straffällig

Es ist entlarvend: "Schulische Karriere und Verdienstchancen" sind für die ein- bis zweijährigen Krippenanwärter das Maß aller Dinge, so die wirtschaftsnahe Bertelsmann-Stiftung. US-amerikanische Studien belegen seit Jahren etwas anderes: je mehr Krippenzeit, desto mehr unsoziales Verhalten und Rückgang sozioemotionaler Kompetenzen. Als Jugendliche sind Krippenkinder signifikant auffälliger, aggressiver und öfter straffällig. Krippenkinder leiden unter chronischem Stress und hohem Cortisol-Spiegel, sie erleben Bindungsentzug und Verlustängste. Hier geht es doch wohl eher um Karriere und Verdienst von Mama und Papa.

Johannes Zink

Fehlendes Verständnis

21./22. April: "Kurdische Kaperer sind wieder frei"

Kurden bringen eine Hafenfähre mit über 60 Personen an Bord in ihre Gewalt. Das Schiff treibt in einem fließenden Gewässer unsteuerbar. Die Menschen sind natürlich in Lebensgefahr. Der Oberstaatsanwalt sagt, es bestehe keine konkrete Gefährdung. Es bestehen keine Haftgründe, also werden sie auf freien Fuß gesetzt. Eine afghanische Familie, ein Kind steht kurz vor dem Abitur, das andere ist in Hamburg geboren, soll abgeschoben werden, obwohl gut integriert. Klassenkameraden und weitere Schüler demonstrieren für den Verbleib der Familie in Hamburg. Da frage ich mich, in welchem Land lebe ich eigentlich? Mir fehlt einfach das Verständnis, wie man mit den zwei Beispielen umgeht.

Peter Gaedke

Teuer und überflüssig

21./22. April: "Eine Woche im Leben des Abgeordneten Kahrs"

Ich bin dem Abendblatt sehr dankbar, dieses einmal dargestellt zu haben. Ich denke, dass man gut auf mindestens 300 Abgeordnete dieser Art verzichten könnte. Keinerlei Verantwortung bei blendender Versorgung, jetzt und im Alter. Kaffeefahrten, Small Talk, Netzwerke knüpfen. Ein prall gefüllter Kalender mit Terminen, die ach so wichtig sind? Alles natürlich verbunden mit dem hehren Ziel, etwas für die Menschen zu tun. Ist fantastisch, aber für uns alle reichlich teuer und überflüssig. Und wenn ich dann an Brüssel/Straßburg denke und die Heerschar an Abgeordneten, wird mir richtig schlecht. Da erklärt sich mancher Gesetzesentwurf, um die eigene Daseinsberechtigung zu untermauern.

Uwe Schlösser

Zeichen verschlafen

21./22. April: "Otto-Betriebsrat wirft Vorstand Konzeptlosigkeit vor"

Zu dem Artikel fällt einem nichts weiter ein, als an den Fähigkeiten des Vorstands zu zweifeln, der es sich in seinem Nest jahrelang gemütlich gemacht hat und dabei die Zeichen der Zeit verschlafen hat. Da üblicherweise in den Köpfen dieser Leute nichts anderes drinsteckt, als ihre Unfähigkeit mit Arbeitsplatzabbau zu überdecken, fragt man sich, wo diese Leute ihre Führungsqualitäten erworben haben. Von Strategie, Vorsorgeplanung und Mitarbeiterverantwortung sind diese Leute so weit weg wie der HSV von der Meisterschale. Solche Leute lernen erst, wenn das Unternehmen abgestraft wird und wenn die arbeitende Bevölkerung sich mit den entlassenen Arbeitskräften solidarisch erklärt. Dann wird der Otto-Katalog zum Ladenhüter, und die Vorstände können ihre eigene Kündigung schreiben.

Peter B. Sanden

Einfach geschmacklos

21./22. April: "Frisches Fleisch für Hunde und Katzen"/"Dürren verschärfen Konflikte in Kenia"

Die beiden Berichte auf einer Seite (Wissen) sind einfach geschmacklos. Einerseits wird die Verwöhnung von Tieren angepriesen; genau darunter steht der sehr interessante Bericht über den Dürrekonflikt in Kenia. Ironisch könnte man sagen, wenn die Bevölkerung in Kenia das Essen zur Verfügung hätte, was wir hier an Tiere verfüttern, könnten viele Menschen überleben.

Klaus Pein

Kaum Zeit

19. April: "Die Klinik, der Prominente vertrauen"

Der Artikel zeigt einmal mehr, in welcher Zwei-Klassen-Gesellschaft wir leben. Für den "normalen" Patienten bleibt nämlich kaum Zeit. Das Pflegepersonal wechselt ständig, sodass der Patient unbekannt bleibt, Medikamente vergessen werden, Dekubitus nur von Familienangehörigen gesehen wird. Der Arzt muss am Wochenende oder nachts drei Stationen versorgen und hat somit keine Zeit für die Erkenntnisse der Angehörigen. Physiotherapeuten sind so überlastet, dass die Behandlung endet, bevor sie begonnen hat, wenn der Patient nicht schnell genug ist. Patienten, die zu schwach sind, um ihre Brote selbst zu streichen, brauchen ihre Angehörigen, denn dafür bleibt keine Zeit. Die Liste ließe sich immer weiter fortsetzen.

Ruth Marion Lubisch

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