Briefe an die Redaktion, 03. Februar 2012

Lesedauer: 5 Minuten

Allgemeinwohl im Blick?

2. Februar: "Aufbegehren gegen Wohnungsbau. Massive Proteste gegen Baupläne in Othmarschen"

Bürgerbeteiligung kann eine sinnvolle Komponente in der Demokratie sein, aber auch ein Transportmittel für Egoismus. Oft finden sich unter den Bürgerbewegten solche mit ausgewiesenen Eigeninteressen. Ob es nun elitäre Standesdünkler wie beim Schulstreit sind oder Laubenpieper, die ihr vermeintliches Recht auf die eigene Parzelle verteidigen: Das Allgemeinwohl hat dabei wohl kaum einer der Bewegten im Blick.

Jörg Ökonomou

Angst vor Radikalisierung

Bis zum letzten Blutstropfen möchte eine Kleingärtnerin für ihren Garten kämpfen. Während die ganze Stadt die Sorge der Kleingärtner verstehen wird, macht diese Radikalisierung Angst. Besser wäre, bis zum letzten Mittel der Rechtsstaatlichkeit um die Gärten zu kämpfen. Die Kleingärtner sollten sich von ihren uneinsichtigen Mitstreitern distanzieren. Sonst droht eine Eskalation, bei der es nur Verlierer geben wird.

Dr. Albrecht Gundermann

Perfektes Bauernopfer

1. Februar: "Der Fall Chantal: Endlich erste Konsequenzen"

Da hat die hohe Politik ja mal wieder ein perfektes Bäuerinnenopfer gefunden. Diejenigen, die eine klare gesetzliche Grundlage für die erforderlichen Überprüfungen hätten schaffen müssen, tauchen weg. Ausbaden müssen es nun ihre Mitarbeiter an der Basis, denen sie zugleich immer mehr Mittel und Personal entziehen.

Wolfgang Malota

Zu wenig Zivilcourage

Prima, die Schuldfrage zu Chantals Tod ist geklärt, die Leute vom Jugendamt sind schuld. Sie werden dem Moloch in sozialen Brennpunkten nicht mehr Herr. Aber was ist mit den Eltern, die ihr Kind durch falschen Lebenswandel ins Abseits katapultieren? Was ist mit dem Umfeld, die Leute, die alles schon haben kommen sehen? Sie hätten einschreiten können. Was ist mit den Gesetzgebern, die das Auslagern staatlicher Aufgaben auf private Träger legitimieren, um Personal und Kosten zu sparen? Was machen die Journalisten mit den Mitarbeitern der Jugendämter, wenn sie sich für die besseren kriminalistischen Ermittler halten? Nicht einem von ihnen würde ich so viel Zivilcourage zutrauen, selbst ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Helft lieber den Kindern. Sie haben alles verloren. Ihr Zuhause, ihre Familie, ihr Vertrauen in die Erwachsenen.

Olaf Scheffler

Mehr Ressourcen

Nun rasen sie wieder: Presse, Politik und Öffentlichkeit. Alles und alle sollen überprüft, zukünftig strengste Maßstäbe angelegt werden. Schnell werden ein paar weltfremde Maßnahmen ergriffen und Regelungen getroffen. Für die lange Strecke danach reichen Kraft oder Interesse nicht. Pflegeeltern können nicht besser sein als die Gesellschaft, die wir schaffen. Wahrscheinlich sind im Jugendamt Mitte Fehler gemacht worden. Es widerspricht jedoch der Logik von Qualitätsverbesserung, die Verantwortlichen jetzt zu suspendieren, zu versetzen oder gar zu entlassen. Denn niemand kennt inzwischen die Fallstricke besser als sie. Niemand wird so motiviert sein wie sie, Fehler zukünftig zu vermeiden. Dazu brauchen sie aber angemessene Ressourcen. Hamburg steckt sein Geld aber lieber in eine Elbphilharmonie oder Ähnliches.

Christian Lorentz

Gewaltig geirrt

1. Februar: "Die neue Strom-Rechnung im Norden"

Es stimmt schon, dass die Leistung der Windkraftanlagen in Niedersachsen mit zusammen 6800 Megawatt (MW) so groß ist wie die Leistung von fünf Kernkraftwerken. Wer aber glaubt, sie würden deshalb auch genauso viel Strom produzieren, der irrt sich gewaltig: Sie erzeugen zusammen so viel Strom wie nur 1,5 Kernkraftwerke, weil diese praktisch kontinuierlich durchlaufen, Windkraftanlagen jedoch nicht. Die 6800 MW Windkraftleistung entsprechen also nicht fünf Kernkraftwerken.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold

Deutliche Warnung

1. Februar: "Russland bremst Syrien-Resolution im Sicherheitsrat aus"

Das brutale Vorgehen der Terrorgruppen in Syrien, zum Teil gegen schutzlose Frauen und Kinder, wird vom russischen Außenminister vor dem Uno-Sicherheitsrat politisch hingenommen. Diese Haltung darf als deutliche Warnung verstanden werden, Demokratiebewegungen auch in anderen Staaten von außen zu unterstützen. Dementsprechend gilt dieses natürlich für Staaten mit einer lupenreinen Demokratie.

Wilhelm Rhauderwiek

Autos abgeschleppt

30. Januar: "Touristen finden HafenCity toll. Während die Fachwelt über neue Architektur streitet, sind auswärtige Besucher beeindruckt"

Am Sonntag waren wir nach zwei Jahren Pause mal wieder in der HafenCity, um festzustellen, dass sich wieder eine Menge getan hat. Uns fiel gleich auf, dass pausenlos Abschleppwagen über Stunden hinweg jeden Wagen abschleppten, der nicht genau den Vorschriften entsprechend geparkt war. Wer stört sich am Sonntag daran, wenn kein Geschäftsverkehr stattfindet, wenn jemand auf dem kleinen Bürgersteigabschnitt vor einem Bauzaun noch weit vor dem Cruise Terminal parkt? Es waren auch Besucher aus anderen Bundesländern betroffen. So schafft sich die für uns nach wie vor schönste Stadt keine Freunde.

Rolf Krause

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