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Spitting Image: Ihr Auftritt, Frau Baerbock ...

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Volker Behrens
Die Arbeit im Puppenatelier. Man sieht sofort: Das wird einmal Annalena Baerbock.

Die Arbeit im Puppenatelier. Man sieht sofort: Das wird einmal Annalena Baerbock.

Foto: © Sky Deutschland/Mark Harrison

Keine Sorge: Auch die Polit-Konkurrenz kommt als Puppe groß heraus. Die Satireshow „Spitting Image“ startet auf Sky.

Hamburg.  Man stelle sich vor: Angela Merkel, Armin Laschet, Annalena Baer­bock, Ursula von der Leyen, Markus Söder, Barbara Schöneberger, Heidi Klum, Thomas Müller und Jürgen Klopp sowie Joe Biden, Boris Johnson, Wladimir Putin, Donald Trump, Harry und Meghan, Kate Middleton und Oprah Winfrey – in einer Sendung. Das schafft nur Satire. „Spitting Image“ ist ein Comedy-Format, das in den 80er-Jahren entstand. Prominente werden darin von nach Karikaturen gefertigten Latexpuppen verkörpert, die ätzend über das Tagesgeschehen ablästern. Heute startet auf Sky eine neue deutsche Staffel „Spitting Image: The Kraut’s Edition“.

Johannes Plenk, Executive Producer bei Sky, erläutert, welche Überlegungen zum Relaunch der Knautschgesichter geführt haben. „Vielleicht sind sie ein bisschen aus der Zeit gefallen, vielleicht ist die Zeit aber auch reif.“ Die Macher aus Großbritannien hatten beim Sender angefragt, ob sie nicht Lust hätten, mal eine Version zu machen, die nicht auf der Insel spielt. Hatten sie. „Mit den Bundestagswahlen im Rücken passte uns das wunderbar.“

Spitting Image: Ein Prinzip der Sendung ist die Wiedererkennung

Also suchten sie sich 21 Prominente aus Deutschland und Österreich aus, die sie gern mal durch den Kakao ziehen wollten. Die Auswahl war nicht einfach. Als im Frühjahr erste Gespräche zu dem Thema abgehalten wurden, hieß es beispielsweise bei Olaf Scholz: Brauchen wir den? Aber dann kam Markus Söder mit seiner Bemerkung, der Hamburger solle „aufhören zu grinsen wie ein Schlumpf“. Eine Steilvorlage für die Filmemacher, die den Finanzminister prompt mit Zipfelmütze in ihre Sendung einbauten. „Jetzt ist er mega-relevant. Außerdem konnten wir auch einen kleinen Farbtupfer gut gebrauchen. Mal sehen, ob wir jetzt auch einen Schlumpf als Kanzler bekommen“, so Plenk, dessen Lieblingspuppe Markus Söder ist.

Zunächst wurden von den Prominenten Karikaturen angefertigt, die den Puppenmachern dann wieder als Vorlage für ihre Puppen dienten. Jede von ihnen wird von zwei Menschen bedient. „Es muss sich schon lohnen, über eine Figur etwas Spott zu ergießen. Leider haben wir nur wenige Frauen.“ Ein Prinzip der Sendung ist die Wiedererkennung. „Wenn man schon die Figur nicht kennt, versteht man auch die Pointe nicht“, sagt Plenk. Aber das reicht nicht. Die Dialoge, eine Mischung aus Ironie und Frechheit, müssen sitzen. Mehrere bekannte deutsche Comedy-Autorinnen und -Autoren arbeiten dafür zusammen. Produziert wird nach einem präzisen Wochenrhythmus. Aktualität ist Trumpf.

Spitting Image: In Großbritannien werden die Puppen hergestellt

Deshalb werden montags die Themen für die nächste Folge besprochen. Bis zum Mittwoch müssen die Drehbücher fertig sein. Am Donnerstag erfolgen die Sprachaufnahmen – in fünf deutschen Städten. Danach werden sie nach Großbritannien geschickt, wo die Puppenspieler sie „bebildern“. Ein spezieller Fall war Adolf Hitler. Seine Puppe wähnten die Briten im Fundus, aber er war gestohlen worden. Und nun? „Wir machen keine Puppen von Toten“, sagten die Briten. Zunächst. „Aber dann ging es los. Jeder hatte ein paar Gags auf Lager“, so Plenk.

Sie stießen die Entscheidung um. Der Nationalsozialist ist nun Politberater in Berlin im Büro mit Blick auf den Reichstag und berät alle Kanzlerkandidaten. „Man braucht ihn als Sinnbild und Spiegel unserer jetzigen Gesellschaft. Er war ja auch nie weg und gehört leider zur deutschen Geschichte dazu“, so Plenk, der sich mit dem Gedanken tröstet: „Er bietet immer noch genug Comedy-Potenzial.“

„Spitting Image: The Kraut’s Edition”: jederzeit abrufbar via Sky Q und Sky Ticket

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