Dokumentation auf Arte

Hannelore Elsner: „Fotografiere mich, so oft du kannst“

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Zander

Vor zwei Jahren starb Hannelore Elsner – in einer bewegenden Doku auf Arte erinnern sich am Sonntag Freunde an sie.

Hamburg. Sie sitzen in einem Garten an einer festlichen Tafel, um sich gemeinsam an ihre Freundin Hannelore Elsner zu erinnern: Henry Hübchen, mit dem sie in „Alles auf Zucker!“ gespielt hat, Dani Levy, der dabei Regie führte, Adriana Altaras sowie Iris Berben, die schon 1974 das erste Mal mit der Elsner gedreht hat und bei deren letzten Film „Lang lebe die Königin“, den sie nicht mehr vollenden konnte, eine der noch fehlenden Szenen an ihrer statt gedreht hat.

Levy erinnert sich, wie sie 2016 in seinem Film „Die Welt der Wunderlichs“ den Tod geprobt und gespielt hat. Altaras meint, das Spiel habe ihr Halt gegeben. Sonst hätte sie auch nicht bis zum Schluss gespielt. Und Iris Berben fällt als Erstes ein, „dass sie fehlt. Hier am Tisch.“ Und später wird sie ergänzen, „auch für unsere Filme“.

Vielschichtiges Dokument

2019 ist Hannelore Elsner, für die Öffentlichkeit völlig überraschend, im Alter von 76 Jahren gestorben. Und war dann trotzdem noch lange präsent: weil sie noch so viele Filme gedreht hatte, die erst postum fertig wurden. Am 21. April war ihr zweiter Todestag. Aus diesem Anlass zeigt Arte am Sonntag einen sehr besonderen Dokumentarfilm von Sabine Lidl: „Hannelore Elsner: Ohne Spiel ist mir das Leben zu ernst“.

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Es ist ein vielschichtiges Dokument, das auf drei Ebenen erzählt. Lidl hat nicht nur vier Freunde an der Tafel versammelt, sondern auch viele andere Weggefährten aufgesucht. Dazwischen ist immer wieder Hannelore Elsner selbst zu sehen, in ihren großen Filmen, die in Erinnerung bleiben, aber auch in ganz frühen, die man vielleicht noch nicht kennt. Und dann wendet Elsner sich scheinbar direkt an den Zuschauer: Man hört ihre Stimme, wie sie aus ihrer Autobiografie „Im Überschwang“ liest.

Auch Freundinnen aus der Schulzeit kommen zu Wort

Es kommen nicht nur berühmte Kollegen wie Mario Adorf oder Regisseure wie Oskar Roehler zu Wort, sondern auch Freundinnen aus der Schulzeit. Vor allem aber erzählt auch ihr jüngerer Bruder Bernd von ihr. Und der Sohn Dominik Elstner, der sich bislang wenig über die Mutter geäußert hat und dies nun doch und auch sehr offen tut.

Etwa wenn der Fotograf die letzten Porträts zeigt, die er von seiner Mutter gemacht hat, und gesteht, wie sie ihn dazu aufgefordert hat: „Dominik, fotografiere mich so oft du kannst, solange ich noch da bin.“ Er liest auch Einträge aus ihrem als Tagebuch geführten Terminkalender: „Alles abgesagt. Krank.“ „Die neuen Werte sind sehr schlecht, wie noch nie.“ „Ganz kaputt.“ Das ist schon fast zu persönlich. Da muss nicht nur der Sohn schlucken.

Hannelore Elsner war lange krank

Klar wird aber auch, dass die Elsner lange krank war. Und auch wenn das nie an die Öffentlichkeit gelangte: Die Freunde haben es gewusst. Doris Dörrie etwa schon, als sie 2008 „Kirschblüten - Hanami“ drehten. Sie müsse schreckliche Schmerzen gehabt haben, meint die Regisseurin, habe sich das aber nie anmerken lassen. Den Film wird man danach mit anderen Augen sehen.

Hübchen verrät ihr Geheimnis, dass sie im Kampf mit dem Krebs eine Brust verloren hatte. Und Sohn Dominik findet ihren letzten Film noch immer makaber: weil sie sich für eine Szene in den Sarg legte. Und zehn Tage später selbst im Sarg lag. Es ist eine sehr berührende Hommage auf die große Ausnahmeschauspielerin. Eine bessere Würdigung hätte man sich für ihren zweiten Todestag gar nicht wünschen können.

Hannelore Elsner Sonntag, 21.50 Uhr, Arte

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