Neue Serie

„Para – Wir sind King“: Wenn das Leben noch wild ist

| Lesedauer: 5 Minuten
Holger True
„Einmal im Leben Para machen“: das ist das Ziel von Fanta, Hayra, Rasaq und Jazz.

„Einmal im Leben Para machen“: das ist das Ziel von Fanta, Hayra, Rasaq und Jazz.

Foto: Pascal Bünning

Party machen, den Traummann treffen, eine Lehrstelle finden – in der Serie „Para – Wir sind King“ suchen vier junge Frauen das Glück.

Hamburg. „Ich versau mir mein Leben nicht, ich leb mein Leben!“ Hayra (Soma Pysall), gerade aus der Jugendhaft entlassen, macht eine klare Ansage, als ihre besorgte Mutter fragt, ob sie „wieder was genommen“ habe. Hayra ist kein Junkie, aber gerne voll druff – auch ohne Drogen, aber immer mit ihren Freundinnen Jazz (Jeanne Goursaud), Fanta (Jobel Mokonzi) und Rasaq (Roxana Samadi). Sie alle wollen mehr vom Leben, als ihr Kiez, der Berliner Wedding, ihnen bietet.

„Einmal im Leben Para machen!“ ist das Ziel, dem die vier sich ganz nah fühlen, als ihnen unversehens ein Plastikbeutel mit Kokain-Kapseln in die Hände fällt. Allerdings stellen sie sich beim Verkauf der Drogen nicht allzu geschickt an, der bestohlene Dealer (fabelhaft: Florian Renner als hyperaktiver Schnellsprecher) kommt ihnen auf die Schliche – und hinter ihm stehen Mitglieder der Russenmafia, von denen Schlimmeres als ein schneller Tod droht.

„Einmal im Leben die Scheine durch die Luft schleudern“

„Die Mädels sehnen sich nach dem Geschmack von Luxus“ sagt Regisseur Özgür Yıldırım. „Sie wollen einmal im Leben die Scheine durch die Luft schleudern.“ Yıldırım ist durch harte Kinofilme im Gangstermilieu wie „Chiko“ oder „Nur Gott kann mich richten“ bekannt geworden, er hat „Tatorte“ mit Wotan Wilke Möhring gedreht – und anderthalb Staffeln der hochgelobten Erfolgsserie „4 Blocks“ über Clan-Kriminalität in Berlin.

Männergeschichten allesamt, aber nun stehen Frauen im Mittelpunkt. „Genau das war es, was mich an dem Stoff interessiert hat, sagt der 1979 geborene Hamburger. „Ich schlage damit ein neues Kapitel in meiner Filmografie auf.“ Zu sehen ist „Para – Wir sind King“ ab heute zunächst auf TNT Serie, etwa über den Streaming-Dienst Sky, bei dem auch schon „4 Blocks“ Premiere feierte.

Serie hat einen positiven Grundton

Die Vermutung liegt nahe, dass „Para“ eine Fortschreibung dieser teilweise ultrabrutalen Gangstergeschichte ist, doch die Serie hat einen ganz anderen, viel positiveren Grundton. Hier geht es nicht um skrupellose Schwerstkriminelle, sondern um junge Frauen, die ihren Weg ins Leben suchen.

Die einerseits auf endlose Partynächte und ein Gucci-Baseballcap für 250 Euro aus sind, andererseits aber vom eher bürgerlichen Glück träumen, etwa Rasaq, die gerne heiraten möchte und den Mann fürs Leben gefunden zu haben scheint. Oder Hayra, die sich riesig freut, als sie einen Ausbildungsplatz als Installateurin bekommt.

Beziehung der vier Frauen wirkt authentisch

Zu den großen Stärken der Serie gehört es, dass die Beziehung der vier Frauen zueinander ebenso authentisch wirkt wie ihr sonstiges soziales Umfeld inklusive zumeist fürsorglicher Eltern. Befördert haben das wohl auch die ganz besonders intensiven Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen: Um Ansteckungsrisiken zu minimieren, wurden Crew und Darsteller nicht nur regelmäßig getestet, sondern zudem in „Haushaltsgruppen“ aufgeteilt, die keinen Kontakt zueinander hatten.

Für die Hauptdarstellerinnen bedeutete das, dass sie drei Monate lang in einer WG zusammenwohnten. „Das hätte natürlich knallen können, die Befürchtung gab es schon, aber die vier sind in dieser Zeit gute Freundinnen geworden.“ Mehr als das: Die Frauen probten auch nach Drehschluss weiter, entwickelten eigene Ideen, die teilweise Eingang in die Serie fanden.

Langer Atem

Yıldırım ist voll des Lobes für die Fähigkeit der vier, sich vollkommen fallen zu lassen, sich in einer Szene zu verlieren, die Kameras zu vergessen. Dass sie bisher keine omnipräsenten Fernsehgesichter sind (lediglich Jeanne Goursaud ist gerade durch die Netflix-Serie „Barbaren“ bekannt geworden), zahlt zusätzlich auf das Authentizitätskonto ein.

Natürlich braucht eine Serie mit sechs etwa 50-minütigen Folgen gerade in der Corona-Zeit mit ihren zusätzlichen Herausforderungen einen langen Atem, doch Özgür Yıldırım schätzt die grundsätzlichen Rahmenbedingungen, die ein solches Projekt bietet.

Mehrere Zielgruppen im Blick

Beim „Tatort“, so erzählt er, spiele in der Sonntags-Primetime nicht nur die Quote eine entscheidende Rolle, auch eventuelle Zuschauerbeschwerden beim Sender etwa wegen einer vermeintlich zu rauen Sprache haben große Bedeutung. Ein Streaming-Portal wie Sky mit seinem ganz anderen Geschäftsmodell müsse darauf keine Rücksicht nehmen. „Das befreit natürlich von Zwängen und wirkt sich auch inhaltlich aus.“

Im Blick jedenfalls hat er bei „Para“ gleich mehrere Zielgruppen: die Jungen, die das Lebensgefühl der Protagonistinnen teilen „und sie vielleicht gern als Freundinnen hätten“. Und die Älteren, denen die Serie schöne Erinnerungen an eine schon länger zurückliegende Zeit vor Job und Familie bescheren könnte, als alles noch vergleichsweise wild und unvorhersehbar war.

Gibt es eine zweite Staffel?

Auserzählt, das lässt sich nach den sechs Folgen sagen, ist die Geschichte von Hayra, Jazz, Fanta und Rasaq auf jeden Fall noch nicht. Ob es also eine zweite Staffel geben wird? Özgür Yıldırım lächelt. Er habe da „so ein Gefühl“, sagt er. Aber das behält er vorerst noch für sich.

„Para – Wir sind King“ Ab heute auf TNT Serie (u.a. zu sehen bei Sky); tnt-tv.de/tnt-serie/sendungen/para-wir-sind-king

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