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"Gluten, der Feind in deinem Brot" - kritische Doku

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dpa
Glutenfreies Brot aus Buchweizen.

Glutenfreies Brot aus Buchweizen.

Foto: dpa

Immer mehr Menschen leiden an einer Gluten-Unverträglichkeit. Doch ist das Kleber-Eiweiß wirklich so ungesund? Eine Arte-Doku bemüht sich, die wahren Gründe herauszufinden.

Berlin. Glutenfreie Ernährung liegt im Trend. Die Supermarktregale füllen sich zunehmend mit entsprechenden Produkten. Der Hype hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Menschen Gluten nicht mehr vertragen.

Das Stoffgemisch aus Proteinen, das im Samen einiger Getreidearten vorkommt, ist zu einem Volksfeind geworden.

Betroffene leiden an der Autoimmunerkrankung Zöliakie, deren Symptome sich in Magenproblemen, Blähungen und Unterleibsschmerzen zeigen. Aber ist es wirklich Gluten, das sie krank macht - oder vielleicht doch etwas anderes? Dieser Frage geht Patrizia Marani in einem Dokumentarfilm nach, den Arte am Dienstag um 20.15 Uhr ausstrahlt. Für ihn hat die Regisseurin weltweit in der Lebensmittelindustrie recherchiert und diverse Statistiken ausgewertet, sie hat mit Experten gesprochen und wissenschaftliche Studien unter die Lupe genommen.

Der Film lässt sich grob in drei Teile gliedern. Im ersten beschäftigt sich Marani intensiv mit Gluten und erklärt sowohl die Entstehung als auch die Funktionsweise des Proteingemisches. Die Ausführungen dringen tief in die Bereiche der Biologie und Chemie ein, weshalb es Laien zeitweise nicht leicht fallen dürfte, den Erläuterungen zu folgen. Allerdings bedient sich die Regisseurin hilfreicher Animationen, um die Informationen so verdaulich wie möglich zu machen.

Schnell wird klar, dass neue Weizensorten weitaus weniger Gluten enthalten als noch in den 1950er Jahren, obwohl heute vier Mal mehr Menschen an der Autoimmunkrankheit leiden. Könnte die Ursache dafür nicht eher in der Industrialisierung der Landwirtschaft liegen, die zu jenem Zeitpunkt damit begann, Chemikalien einzusetzen? Um diesen Komplex geht es im zweiten Teil des Films. Der Akzent liegt auf dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, mit dem mittlerweile nahezu alle Felder besprüht werden.

Spuren des giftigen Chemieproduktes finden sich heute in vielen Bieren und Getreideprodukten, weshalb der Verdacht im Raum steht, dass dies der Grund für die Zunahme chronischer Krankheiten sein könnte. Um diese These zu belegen, erweitert Marani ihren Untersuchungsgegenstand, stößt aber auf einen undurchsichtigen Regulierungsapparat, der von zahlreichen Lobbyisten beeinflusst wird.

Diese Verstrickungen von Industrie, Politik und Wissenschaft stehen am Ende des Films. Letztendliche Antworten liefert er nicht. Doch er wirft einen kritischen Blick auf die Welt der Ernährung, die immer unübersichtlicher zu werden scheint.

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( dpa )