Hörspiele

„Wir erleben eine Sternstunde der Radiokunst“

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Behrens
Der Kinoklassiker aus dem Jahr 1955: James Dean als  Farmersohn Caleb in „Jenseits von Eden“

Der Kinoklassiker aus dem Jahr 1955: James Dean als Farmersohn Caleb in „Jenseits von Eden“

Foto: imago stock&people

Hörspiele sind in der Corona-Zeit gefragter denn je. Heute startet der NDR ein monumentales Projekt: 550 Minuten „Jenseits von Eden“.

Hamburg.  1952 erschien ein Roman, der mit den Worten beginnt: „Das Salinas Valley liegt in Nordkalifornien. Es ist eine lange, schmale Rinne zwischen zwei Gebirgszügen, und der Salinasfluss krümmt und windet sich durch es hindurch, bis er sich schließlich in die Bucht von Monterey ergießt.“

Das ist der Anfang von John Steinbecks Buch „Jenseits von Eden“. Der Autor, der 1962 den Literaturnobelpreis gewann, wurde in Salinas geboren. „Jenseits von Eden“ wurde neben „Früchte des Zorns“ und „Von Mäusen und Menschen“ zu einem seiner größten Erfolge und ebenso ein Klassiker wie der gleichnamige Film von Elia Kazan, der 1955 entstand.

Erste große Hauptrolle von James Dean

James Dean spielte hier seine erste große Hauptrolle und nervte seine Kollegen durch seine mangelnden Dialogkenntnisse. Im selben Jahr dreht er auch noch „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ von Nicholas Ray und starb bei einem Verkehrsunfall.

Der Roman „Jenseits von Eden“ erzählt die große Saga der Familien Trask und Hamilton vom Amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Es geht um eine Kain-und-Abel-Geschichte, die sich über drei Generationen erstreckt. Im Zentrum stehen die Zwillinge Adam und Caleb sowie deren Mutter, die gewissenlose Cathy.

Achtteilige Hörspielserie

Obwohl man Steinbeck vorwarf, keine klar zu verfolgende Handlungslinie zu schildern und die „Übersicht und Kon­trolle über das allzu üppige Material verloren“ zu haben, wurde der Roman ein großer Erfolg. Gleiches galt für den Film, auch wenn Kazan sich wegen der üppigen Materialfülle lediglich auf den Schluss des Buches konzentrierte.

Der NDR hat nun den gesamten Roman für eine achtteilige Hörspielserie adaptiert. Es sprechen Ulrich Noethen, Thomas Loibl, Sebastian Blomberg, Marina Galic, Jonas Nay, Gabriela Maria Schmiede, Felix von Manteuffel, Hedi Kriegeskotte, Siemen Rühaak, Rosa Thormeyer, Matthias Bundschuh und viele andere.

Der Stoff hat Dramaturg Michael Becker sehr bewegt

„Das ist ein Stoff, der mich sehr bewegt hat“, sagt Dramaturg Michael Becker nachdenklich. Zusammen mit Regisseurin Christiane Ohaus hat er die Geschichte radiotauglich gemacht und in Form gebracht. Die manchmal ein wenig vorlaut wirkende Musik zur Serie stammt von der US-Pianistin Stephanie Nilles.

„Die Geschichte ist eine Folie, um familiäre Konflikte zu verstehen“, so Becker über Steinbecks Themen. „Ist das Gute oder das Böse übertragbar, und wie ähnlich bin ich eigentlich meinen Eltern?“ Beckers kulturelles Spektrum beim NDR reicht vom Literaturklassiker über politische Themenstücke bis hin zu Klangexperimenten.

Corona hat die Aufnahmen erschwert

„Ich kann es bis heute nicht fassen, dass das Hörspiel überhaupt produziert werden konnte“, sagt Ulrike Toma, Leiterin der NDR Radiokunst. Es sei sehr schwer gewesen, die Aufnahmen unter Corona-Schutzmaßnahmen zu organisieren. Es waren insgesamt 43 Schauspielerinnen und Schauspieler beteiligt, die Studioproduktion dauerte 17 Wochen – ein Mammutprojekt, aber auch ein prestigeträchtiges.

„Es war sehr anspruchsvoll, aber es hat alles geklappt“, erinnert sie sich an die Aufnahmen im vergangenen Jahr. „Die Geschichte hat uns heute noch viel zu erzählen, weil die Motive darin so grundlegend sind. Es ist ein opulentes Audioereignis, das einen wirklich fesselt. Es ist für diese Zeit genau das Richtige. Es geht um Gut und Böse und darum, was den Menschen zu dem macht, was er ist.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Zusätzlich habe es zum Sendetermin auf NDR Kultur Absprachen mit den Kollegen aus der Redaktion Religion und Gesellschaft über die starken biblischen Motive gegeben. Charles, Cathy und Adam stehen im Zentrum der Ereignisse. Die gesamte Dauer der Hörspielserie beträgt etwa 550 Minuten.

James Dean wurde durch die Verfilmung des Steinbeck-Romans zur Ikone

„Hörspiele und Features sind zurzeit gefragter denn je, wir erleben eine Sternstunde der Radiokunst, weil die Menschen mehr Interesse an diesen Angeboten haben. Wir haben einige Klassiker in unseren Podcast, die NDR Hörspiel Box, aufgenommen: ,Maria Stuart‘, ,Die Verwandlung‘. Wir bekommen darauf sehr positive Resonanz von unseren Hörerinnen und Hörern“, so Toma.

James Dean wurde durch die Verfilmung des Steinbeck-Romans zur Ikone. Sowohl für „Jenseits von Eden“ als auch für „Giganten“ wurde er posthum für die Oscars als bester Schauspieler nominiert. Nach seinem frühen Tod mit nur 24 Jahren erdachte ein zynischer US-Kritiker für ihn das Motto: „Lebe schnell, stirb jung und hinterlasse eine gut aussehende Leiche!“

„Jenseits von Eden“ (1/8) 20 Uhr, NDR Kultur

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