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„Tatort“ aus Köln: Ermittlungen im Obdachlosenmilieu

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander
Regine Weigand (Hildegard Schroedter) leitet ein Café für Obdachlose. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben sie gerade informiert, dass Monika Keller – ein Stammgast – tot aufgefunden wurde.

Regine Weigand (Hildegard Schroedter) leitet ein Café für Obdachlose. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben sie gerade informiert, dass Monika Keller – ein Stammgast – tot aufgefunden wurde.

Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Die ARD lässt die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk am Sonntag im Obdachlosenmilieu ermitteln – mit einer fragwürdigen Dramaturgie.

Hamburg. Ella (Ricard Seifried) rappelt sich auf, packt eilig ein paar Sachen und haut ab. Ob ihr Mann noch lebt, ist ihr egal. Sie mag sich aber auch niemandem anvertrauen. Und versteckt sich lieber auf der Straße. Dort nimmt sie die ältere Monika (Rike Eckermann) unter ihre Fittiche, die immer ein Herz hat für Menschen, die noch nicht lange obdachlos sind. Doch dann wird Moni in ihrem Schlafsack verbrannt. Gleich hinterm Dom.

Es ist viel Leid und Elend, das uns der neue Kölner „Tatort“ an diesem Sonntag erzählt. Die Folge von Nina Wolfrum (Regie) und Jürgen Werner (Buch) lenkt den Blick auf jene Menschen, bei denen die meisten so gern wegschauen: Obdachlose, die alles verloren haben und auf der Straße leben müssen. Daneben werden auch viele weitere unangenehme Themen angerissen: die oft fehlende Solidarität untereinander, Gewalt und auch Vergewaltigungen von obdachlosen Frauen. Es wird auch eine Frau gezeigt, die tagsüber als Altenpflegerin arbeitet und nachts in ihrem Auto schlafen muss, weil sie die Miete in Köln nicht mehr zahlen kann.

Tatort: Das sind die bekanntesten Ermittler-Teams
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Mitten in den Ermittlungen ruft Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) einmal erbost: „Eine Billion Euro steckt unser Staat jedes Jahr in unser Sozialsystem, und trotzdem müssen manche Rentner im Müll nach einer Flasche suchen!“ Damit auch wirklich klar ist, für wessen Seite sein Herz schlägt. Aber genau das nimmt man diesem „Tatort“ nicht ab: weil er sich des Dilemmas doch nur halbherzig annimmt. Und als Kulisse missbraucht.

Neuer Kölner "Tatort": Viel Leid und Elend

In diesem Krimi sind es mal keine gelangweilten Jugendlichen, die „Penner klatschen“ oder im Schlaf anzünden. Das tun die schon selber untereinander. Auch der arme Tellerwäscher, der selbst in prekären Verhältnissen lebt, nimmt Ella nicht aus Mitleid auf, sondern um ihre Not sexuell auszunutzen. Selbst die Sozialarbeiterin Regine Weigand (Hildegard Schroedter), die sich aufopferungsvoll und für wenig Gehalt um Menschen ohne Dach überm Kopf kümmert, hat am Ende Dreck am Stecken.

Als Ballauf und sein Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) eine gebeutelte Obdachlose, die unter Verdacht steht, zur Sicherheit erst mal einsperren wollen, entfährt dem gutmütigen Assistenten Jütte (Roland Riebeling) ein konsterniertes „Echt jetzt?“.

Der Blick bleibt oberflächlich

Echt jetzt? Das mag man auch den Machern dieses „Tatorts“ zurufen. Es ist wichtig und begrüßenswert, die Verlierer unserer Ellbogengesellschaft einmal in den Fokus zu nehmen, die doch nur – der Titel dieser Folge sagt es schon – „Wie alle anderen auch“ sein wollen.

Doch der Blick bleibt oberflächlich, streift das Elend auf der Straße nur, um daraus eine Dramaturgie zu spinnen. Das ist eigentlich zynisch: Damit beuten die Fernsehmacher die Betroffenen gleich noch einmal aus und bringen sie um das Letzte, was sie noch zu verlieren haben: um ihre Würde. Ganz am Ende hält die Kamera auf echte Obdachlose in Köln. Um ihnen ein Gesicht zu geben. Doch diese Geste kommt zu spät und wirkt nur noch berechnend und ebenfalls zynisch. Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

„Tatort“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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