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Neue TVnow-Serie: Wie langweilig ist das denn?

Lesedauer: 5 Minuten
Ein wenig wie „Warten auf Godot“: In „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ sollen die Polizisten Samuel (Serkan
Kaya, l.) und Gilles (Jürgen Vogel) in ihrem Auto zwei Gangster observieren. Und reden. Und reden.

Ein wenig wie „Warten auf Godot“: In „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ sollen die Polizisten Samuel (Serkan Kaya, l.) und Gilles (Jürgen Vogel) in ihrem Auto zwei Gangster observieren. Und reden. Und reden.

Foto: TVNOW / Frank Dicks

In „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ passiert nichts. Soll auch nicht. Spaß gibt’s trotzdem. Ein Gespräch mit Jürgen VogeI.

Hamburg.  Das ist doch mal eine PR-Strategie! TVnow, der Streaming-Ableger von RTL, zeigt zurzeit die Serie „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“, und der Name ist Programm.

Der dem Superlativ sehr zugeneigte Kölner Sender bezeichnet die sechs Folgen in der Ankündigung als „unsere langweiligste Serie“. Da ist durchaus etwas dran. Die Hamburger Kommissare Gilles (Jürgen Vogel) und Samuel (Serkan Kaya) sitzen in einem alten BMW und observieren, das heißt, sie warten, ob etwas passiert. In einer Halle harren derweil zwei Gangster, gespielt von Rocko Schamoni und Denis Moschitto auch auf so etwas – aber nada.

Es passiert: NICHTS.

Komplettiert wird dieses Team durch die Disponentinnen der Polizeileitstelle (Annette Frier, Maike Jüttendonk). Weil alles so übersichtlich ist, reden sie über Gott und die Welt und blödeln rum. Der Humor ist eher rustikal als filigran. Es ist eine Mischung aus „Warten auf Godot“ und „Warten aufn Bus“. Die Handlung spielt in Hamburg, gedreht wurde aber überwiegend in Köln. Das Abendblatt sprach mit Jürgen Vogel.

Hamburger Abendblatt: Was ist denn das für eine Serie ...?

Jürgen Vogel: Wir hatten ein krasses Pensum und haben für die langen Monologe sehr viel Text lernen müssen. Aber es hat großen Spaß gemacht. Ich liebe diese Charaktere Samuel und Gilles. Serkan Kaya ist ein fantastischer Schauspielkollege, ganz feiner Mensch und fleißiger Arbeiter. Wir haben uns gegenseitig sehr beflügelt.

Kannten Sie Ihre Kollegen vorher schon?

Vogel: Mit Annette Frier hatte ich schon in „Schillerstraße“ gearbeitet, die anderen Schauspieler kannte ich vorher nicht. Ich gucke den allen aber wahnsinnig gern zu.

Der Sender verkauft „KBV“ als langweilig. Hatten Sie einfach Lust auf Blödsinn?

Vogel: Oh ja. Die Vorlage ist sehr stark. Wir haben zwar teilweise auch noch improvisiert, haben die Struktur und den Text des Films gelernt und nur einzelne Blöcke ausgetauscht. Komödien leben ja auch von ihrer Präzision.

Die Serie ist gerade erst auf dem Markt, aber man weiß schon, dass es eine zweite Staffel geben soll. Das ist ungewöhnlich, oder?

Vogel: Die Streaming-Dienste brauchen ja auch Programm, und dies ist wirklich ungewöhnlich. Ich habe so etwas wie „KBV“ vorher noch nicht gesehen. Das ist doch ein Super-Format und produktionstechnisch auch nicht besonders aufwendig. Wir haben ganz viel in Köln im Studio gedreht, dazu ein paar Außenszenen in Hamburg.

Sie sind in Schnelsen aufgewachsen, leben aber schon lange in Berlin. Bedeutet Ihnen die alte Heimat noch etwas?

Vogel: Hamburg ist natürlich geil. Hafen, Speicherstadt, Elbe – das mag ich alles gern.

Wie gefällt Ihnen, dass durch die Streaming-Dienste auch die etwas kürzeren Formate wieder eine neue Chance bekommen?

Vogel: Ich mag die 30-Minüter gern. Zu uns passt das ganz gut.

Demnächst sind Sie auch in dem TV-Krimi „Broll – Für immer tot“ zu sehen?

Vogel: Das habe ich im vergangenen Jahr im Spätsommer gemacht. Hat mir gut gefallen. Harald Sicheritz hat Regie geführt. Es geht um zwei Jungs, die ermitteln müssen, obwohl sie gar keine Polizisten sind. Ich hoffe, dass wir da auch jedes Jahr oder alle zwei Jahre einen Film machen können.

Und dann kommt Florian Gallenbergers Kinokomödie „Es ist nur eine Phase, Hase“.

Vogel: Da habe ich aber nur einen Gastauftritt.

Wie hat sich die Pandemie auf die Angebote an Sie ausgewirkt?

Vogel: Ich habe im vergangenen Jahr zehn Monate lang nicht gedreht. Vieles wurde nach hinten verschoben. Dadurch war der Herbst relativ voll.

Sehr ambitioniert war auch die „Blochin“-Serie mit Matthias Glasner. Sollte die nicht noch weitergehen?

Vogel: Ja, aber wir haben bei unserer letzten Folge eine Altersfreigabe ab 16 Jahren reingedrückt bekommen. Da hat das ZDF dann natürlich überlegt: Wann sendet man das jetzt? Aber es ist so anders als vieles, was man im Fernsehen sieht. Ich finde es immer noch großartig. Wir haben aber auch echt lange daran gesessen und Matthias hat wieder einmal bewiesen, wie gut er Geschichten und Figuren erzählen kann.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Vogel: Ich freue mich schon auf die zweite Staffel von „KBV“. Ich finde es gut, wenn so ein Streaming-Dienst sagt, wir machen gleich mal zwei oder drei Staffeln, damit man nicht eineinhalb Jahre warten muss. Es geht auch darum, die Sicherheit zu haben, die Leute wiederzubekommen und die Zuschauer zu binden. Vorher mache ich noch einen Krimi-Vierteiler für das ZDF.

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