DS Produkte

Besuch im Unternehmen von Star-Investor Ralf Dümmel

Kreativchefin Kristin Seifert bespricht mit Fotograf Felix Krija, wie ein Produkt optimal in Szene gesetzt wird.

Kreativchefin Kristin Seifert bespricht mit Fotograf Felix Krija, wie ein Produkt optimal in Szene gesetzt wird.

Foto: Marcelo Hernandez

Sechster und letzter Teil der großen Abendblatt-Serie über die „Höhle der Löwen“ und den bekannten Investor.

Hamburg. Inspiration weckt ihn. So heißt der Klingelton auf seinem Handy. Es ist 6 Uhr. Mit einem Sprung steht Ralf Dümmel auf. Er reckt sich einmal, dann geht er direkt ins Badezimmer, direkt unter die Dusche. Er frühstückt morgens nicht, trinkt keinen Kaffee. Noch nicht einmal Cola Zero. Wenn er aufgestanden ist, will er nur noch ins Büro. Frisch rasiert und mit einer Flasche Wasser ohne Kohlensäure steigt er ins Auto und fährt los. Er hat einen langen Tag vor sich.

Es ist kurz vor halb acht, als er mit schnellen Schritten durch die Eingangshalle von DS Produkte geht und die 40 Stufen in den zweiten Stock hochläuft, immer zwei auf einmal nehmend. Im Büro von Hanno Hagemann brennt schon Licht. Er ist gemeinsam mit Dümmel geschäftsführender Gesellschafter von der Unternehmensgruppe DS Holding. Ihre Büros liegen direkt nebeneinander. Sie kennen sich schon lange, ergänzen sich perfekt. Im Unternehmen gilt Ralf Dümmel als Außenminister und Hanno Hagemann als Innenminister. Er ist für die strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich.

Noch bevor Ralf Dümmel in sein eigenes Büro geht, stoppt er an der Tür von Hanno Hagemann. Die beiden haben gestern Abend noch lange über ein Thema gesprochen, zu dem Ralf in der Nacht eine Idee gekommen ist. Die will er Hagemann schnell erzählen. Viel Zeit haben sie nicht, Hagemann hat gleich einen Termin. Sie verabreden, im Laufe des Tages noch mal zu sprechen. Dümmel hebt zum Abschied die Hand, geht weiter in sein Büro. Auf dem Schreibtisch liegen Unterlagen zur Durchsicht, Abstimmung und Unterschrift. Sein Tisch und das dahinter stehende Regal haben die Form eines Bumerangs.

Dümmel und Stegelmann kennen sich seit Jahren

In der Ecke steht ein Kühlschrank, gefüllt mit Cola Zero und Schokolade, Sorte Kaffee Sahne. Noch im Stehen schaltet er den Computer an. Während er seine E-Mails überfliegt, nippt er einmal an seinem Ingwertee mit Zitrone, dann greift er zum Telefon. „Kommste mal kurz hoch?“ Es ist 7.45 Uhr. Ein Stockwerk tiefer schnappt sich Lars Stegelmann, Bereichsleiter Vertrieb, einen Stapel Papiere und läuft die Treppe hoch. Er braucht gerade mal 13 Sekunden, bis er oben ist. Sie haben viel zu besprechen. Es geht um das neue Deko-Kaminfeuer.

Dümmel und Stegelmann kennen sich seit Jahren, schätzen sich. Lars Stegelmann macht heute den Job, mit dem Dümmel bei DS Produkte angefangen hat – vor 32 Jahren. Sie ticken gleich. Beide sind sicher, dass der Deko-Kamin ein großes Ding wird.

Worum es in der Sendung "Die Höhle der Löwen" geht:

  • Es ist eine der erfolgreichsten Sendungen im deutschen Fernsehen. Seit „Die Höhle der Löwen“ 2014 erstmals ausgestrahlt wurde, erreicht die Gründershow auf VOX regelmäßig die Quotenmarktführerschaft in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen.
  • „Die Höhle der Löwen“ basiert auf dem britischen TV-Format „Dragons‘ Den“.In der Show haben Gründer die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell oder ihre Erfindung erfolgreichen Unternehmern (den „Löwen“) zu präsentieren und bei ihnen um eine Investition zu werben. Es war die erste Gründershow im deutschen Fernsehen und ist bis heute die erfolgreichste. Dabei wollte das Format zunächst niemand haben.
  • Als Astrid Quentell, die Chefin der Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH, hierzulande eine Adaption des britischen Erfolgsformats „Dragons‘ Den“ produzieren wollte, glaubte zunächst niemand an den Erfolg der Wirtschaftssendung. Fünf Jahre lang präsentierte sie das Konzept verschiedenen Fernsehsendern – bis VOX schließlich zusagte.
  • Im Herbst 2014 ging „Die Höhle der Löwen“ erstmals auf Sendung. Inzwischen läuft bereits die achte Staffel des Erfolgsformats – montags um 20.15 Uhr auf VOX.
  • Neu im Löwenrudel ist in diesem Jahr der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg, der den Platz des IT-Experten Frank Thelen eingenommen hat.
  • Ralf Dümmel gehört seit 2016 zu den Investoren. Bei seinem Einstieg war er nahezu unbekannt. Im Internet existierte zu dieser Zeit nur ein einziges Foto von ihm – zusammen mit Vitali und Wladimir Klitschko.
  • Als Dümmel zusammen mit Carsten Maschmeyer als Investor vorgestellt wurde, sprachen manche nur von „Maschmeyer und dem anderen“. Inzwischen ist Ralf Dümmel zum Publikumsliebling avanciert – und für viele der„Der König der Löwen“. (nik)

Die Entwicklung hat Monate gedauert, die Ansprüche waren hoch. Bereits vor mehr als einem Jahr ist die Idee dazu entstanden. Die Idee, eine Kaminoptik zu konzipieren, die verblüffend echt aussieht – und gleichzeitig ohne das gefährliche Ethanol funktioniert. Ein Kamin, der nicht wie bisher aufwendig an die Wand installiert wird, groß und klobig ist. Ein Kamin, den es so bisher noch nicht gibt. Eine Herausforderung für die Produktentwickler! Immer wieder haben die Ingenieure neue Muster gebaut, mit Stromstärken sowie Lichtquellen experimentiert und die Funktion des Ultraschallneblers getestet.

Der Prototyp ist fertig

Jetzt sind sie am Ziel! Der Prototyp ist fertig. Das Büro von Joakim Trumpler, Abteilungsleiter Produktentwicklung, liegt im Erdgeschoss neben der Kantine. In der Ecke steht ein 3-D-Drucker, an einem Whiteboard hängen Entwürfe. Auf dem Werktisch, wo sie sonst an neuen Modellen basteln, steht ein schwarzes Gehäuse, aus dem Flammen lodern. Sie wirken täuschend echt. Joakim Trumpler geht mal auf die eine Seite, mal auf die andere, betrachtet den Deko-Kamin. Das Ergebnis ist verblüffend.

Trumpler ist Wirtschaftsingenieur und seit 15 Jahren bei DS Produkte, hat mit seinem Team unzählige Artikel konzipiert. Allein aktuell sind 700 Patente und Schutzrechte eingetragen. Doch dieses Gefühl, wenn ein Prototyp aus Asien eintrifft und so funktioniert wie geplant – das ist jedes Mal wieder überwältigend.

Als Ralf Dümmel und Lars Stegelmann ins Büro kommen, können sie es kaum glauben. Das Modell ist besser, als sie es sich vorstellen konnten. Es wurde direkt nach den Vorgaben der Hamburger Produktentwickler in Asien gebaut. Einen Moment lang betrachten die drei das Werk ehrfürchtig, dann reden alle auf einmal los. Zu welchem Preis kann die Fabrik in Asien das Kaminfeuer bauen? Wie groß ist der Verhandlungsspielraum? Wie lange dauert die Produktion? Und wie viel Stück sollen sie ordern? Die Aufregung ist groß. Sie sprechen über das Gütesiegel, das beantragt werden muss, und über den Flammeneffekt. Könnte man die Flammen größer hinbekommen? Noch intensiver? Joakim Trumpler nickt, macht sich Notizen.

Lesen Sie hier den fünften Teil der Serie

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Alle sind sich einig, dass sie schnellstmöglich das Werkzeug in Auftrag geben müssen. Für die Serienproduktion braucht man speziell angefertigte Metallblöcke, die in den Fabriken auf die bestehenden Produktionsmaschinen montiert werden und in die der Kunststoff eingespritzt wird. Das kostet! Je größer das Werkzeug ist, umso teurer wird es. Manchmal kommt man auf eine sechsstellige Zahl.

Doch Ralf Dümmel ist sich sicher, dass sich die Investition lohnt. Bereits vor zehn oder elf Jahren hatten sie ein ähnliches Produkt, den Kaminmaxx, der sich mega verkauft hat – obwohl die Technik längst nicht so ausgereift war.

Dümmel bittet Arne Carstensen, zu ihnen zu kommen. Er ist Bereichsleiter Einkauf und Import, verantwortet mit seinem Team das gesamte Produkt­sortiment. Dümmel und er kennen sich schon lange, sie haben zusammen bei Möbel Kraft gelernt. Gemeinsam überschlagen die Männer die Zahlen, kalkulieren mit verschiedenen Preisen und Stückzahlen. Dann steht die Entscheidung fest. Sie ordern eine fünfstellige Zahl der Deko-Kaminfeuer – für den Anfang. Je nachdem, wie der Verkauf anläuft, wollen sie nachbestellen.

Jede Verzögerung bedeutet Umsatzeinbußen

Jetzt muss es schnell gehen. Der Kamin ist ein Saisonprodukt. Spätestens in ein paar Monaten muss er im Handel erhältlich sein. Jede Verzögerung bedeutet Umsatzeinbußen. Etwa acht Wochen dauert die Herstellung des Werkzeugs. Sobald die Maschine läuft, können 500 bis 1000 Exemplare­ hergestellt werden – pro Tag. Zwei Wochen sind für die erste Produktion der ersten 10.000 Stück angesetzt, weitere fünf bis sechs Wochen dauert die Verschiffung inklusive Zoll. Die Zeit ist knapp.

Ralf Dümmel klopft Joakim Trumpler auf die Schulter. Manchmal nennt Dümmel ihn auch „Daniel Düsentrieb“. „Wirklich mega!“, sagt Dümmel. Dann verabschiedet er sich. Er muss die anderen informieren. In den letzten Wochen, während des Entwicklungsprozesses, hat es unter Leitung des Produktmanagements immer wieder Produktrunden mit allen beteiligten Abteilungen gegeben. Dem Ein- und Verkauf, der Rechtsabteilung, dem hausinternen Qualitätsmanagement und dem Marketing. Jetzt muss mit Hochdruck an der Markteinführung gearbeitet werden.

DS Marketing ist eine eigene Tochterfirma mit mehr als 30 Angestellten

Lars Stegelmann und sein Team machen sich sofort an die Strategie für die Kunden-Akquise. Kurzes Brainstorming. Wie lässt sich das Produkt verkaufen? Was ist die Besonderheit, was macht es einmalig? Welche Geschichte können wir erzählen – und vor allem wie, auf welche Weise? „Storytelling“ nennen sie das. Für sie hat jedes Produkt eine eigene Geschichte, die es herauszuarbeiten gilt.

Schnell steht fest, dass es nicht reicht, das Produkt auf dem Papier zu erklären. Man braucht ein Video, nur ein paar Sekunden lang. Mit dem Handy filmen sie das Kaminfeuer und eine Hand, die über die Flammen gehalten wird – ohne sich zu verbrennen. Perfekt. Die Szene wirkt, zieht rein. Kurze Zeit später schicken sie das Material bereits an die ersten Kunden. Danach hängen sich die Mitarbeiter ans Telefon.

Sie telefonieren den ganzen Tag. Zur gleichen Zeit macht sich Kreativchefin Kristin Seifert mit ihrem Team an die Entwicklung einer Werbestrategie. DS Marketing ist eine eigene Tochterfirma mit mehr als 30 Angestellten. Die Mitarbeiter designen Verpackungen, gestalten Aufstell-Displays für den Handel und kümmern sich um die gesamte Werbung sowie Film- und Fotoaufnahmen im hauseigenen Studio. Schnell werden die ersten prägnanten Sätze für die Werbung formuliert und Material zusammengestellt – für die sogenannte PI, Produktinformation, die der Vertrieb an seine Kunden schicken kann.

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Immer wieder bekommt Ralf Dümmel E-Mails, Anrufe. Er führt Interviews, spricht heute allein mit fünf Gründern. Früher war er zu 100 Prozent in die Abläufe eingebunden, hat jeden Schritt, jede Entscheidung mitverfolgt. Seit er vor fünf Jahren Investor in „Die Höhle der Löwen“ wurde, muss er Abstriche machen, kann nicht jedes Projekt begleiten. Manchmal fehlt ihm das. Am späten Nachmittag gehen die ersten Bestellungen von Kunden ein. Noch bevor die erste Lieferung drei Monate später eintrifft, sind die ersten 10.000 Exemplare verkauft. Es muss nachbestellt werden. Es ist eine große fünfstellige Zahl.

Es ist schon spät am Abend, als Ralf Dümmel die letzte E-Mail schreibt und das iPad wegpackt. An manchen Tagen schafft er es, früh das Büro zu verlassen. „Früh“ heißt für ihn gegen 19 Uhr. Heute ist es spät geworden, 21 Uhr gleich. Feierabend hat er trotzdem noch nicht – egal wann er nach Hause fährt. Die To-do-Liste ist noch lang. Er macht zu Hause weiter. Als Erstes ruft er Hanno Hagemann an. Die beiden hatten tagsüber keine Zeit mehr zum Sprechen. Das holen sie jetzt nach.

Das Magazin

Pünktlich zur neuen Staffel hat das Abendblatt ein Magazin über Ralf Dümmel in den Handel gebracht. Es kostet 9 Euro und ist auch im Abendblatt-Shop am Großen Burstah 18–32 sowie unter shop.abendblatt.de erhältlich. (Treuepreis für Abonnenten bei Kauf übers Abendblatt: 8 Euro).

Ende der Serie