Medien

Ohrenbär und Co.: Sendeschluss für das NDR-Kinderradio?

Adrian Feuerbacher, Leiter des Radioprogramms NDR Info und Chefredakteur des NDR Hörfunks

Adrian Feuerbacher, Leiter des Radioprogramms NDR Info und Chefredakteur des NDR Hörfunks

Foto: NDR/Thomas Pritschet

Der Sender kürzt die Ausgaben – und Kinder-Funk hat keine Lobby: „Mikado“ und „Ohrenbär“ auf NDR Info sollen eingespart werden.

Hamburg. Es gibt in der Medienbranche einige ungeschriebene Gesetze. Eines lautet: Alle müssen sparen. Ein weiteres: Kinder haben keine Lobby – zumindest keine wahrnehmbare. Der NDR soll in den kommenden vier Jahren seine Ausgaben bekanntlich um 300 Millionen Euro reduzieren.

Im Hörfunk möchte der NDR laut eigener Aussage die Information stärken und gleichzeitig Kosten senken. Auf NDR Info sollen außer Klassikern wie „Echo des Tages“, „Zeitzeichen“ oder „Berichte von heute“ zum Jahresende nun auch die einzigen beiden Kindersendungen des Senders aus dem Programm fallen: die beiden „Mikado“-Sendungen am Sonntag sowie der allabendliche „Ohrenbär“ (19.50 Uhr), eine Co-Produktion mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), in der auch Hannelore Hoger oder Katharina Thalbach „Radiogeschichten für kleine Leute“ lesen.

Aus für Mikado und NDR-Ohrenbär?

Das ist beschlossen, nur noch nicht verkündet. Und: Im Gegensatz zu den Hörspielen für Erwachsene, die 2021 bei NDR Kultur gesendet werden, sollen die „Mikado“-Hörspiele für Sechs- bis Zwölfjährige auch dort nicht mehr auftauchen.

Vorbei damit auch die Zeiten, da Kinder wie jüngst am Sonntag ab 8.05 Uhr in der „Mikado-Mitredezeit“ live und ungefiltert von ihren Erfahrungen im Corona-Schulalltag berichten? Oder dass Kinder, aber auch deren Eltern und Großeltern ab 14.05 Uhr von Katharina Mahrenholtz, einer Kinderbuch-Expertin, Empfehlungen (inklusive Leseproben) erhalten, die man in den Weiten des Internets lange suchen muss?

"Können nicht jeden Sendeplatz im heutigen Umfang erhalten"

Die Begegnung von Kindern mit Literatur und Hörspielen ist ihr und „Mikado“-Redaktionsleiter Jörgpeter von Clarenau, der das Format seit 1989 moderiert (damals noch im Wechsel mit Rolf Zuckowski), von jeher ein Anliegen. Die neuen NDR-Hörfunk-Verantwortlichen, Programmdirektorin Katja Marx und Chefredakteur Adrian Feuerbacher, setzen indes auf neue Kanäle.

Feuerbacher sagte auf Abendblatt-Anfrage, die Kinderredaktionen seien in einem geringeren Maß als andere Bereiche von Kürzungen betroffen, räumte aber ein: „Das bedeutet, dass wir nicht jeden Sendeplatz im heutigen Umfang erhalten können.“

Sein Ansatz: „Wenn wir mit unseren hochwertigen und unter großem Aufwand entstehenden Audioproduktionen für Kinder ein größeres Publikum erreichen wollen, müssen wir mehr Inhalte konsequenter digital anbieten. Wir müssen dorthin, wo Eltern und Kinder aktiv nach Kinderinhalten suchen und sie gezielt nutzen.“

Manche Familien haben Kinderradio während der Corona-Krise entdeckt

Doch sollen Kinder im Grundschulalter, an das sich „Mikado“ primär richtet, überhaupt schon ein Smartphone oder Tablet haben? Und können ihnen Eltern diese immer bezahlen? Manche Familien haben das Kinderradio zu festen Zeiten erst während der Corona-Krise (neu) entdeckt.

Stephan von Löwis, Vorstand von KinderKinder e.V., sagte zu den geplanten Sendungsstreichungen: „Ich war fast mein gesamtes Arbeitsleben dafür tätig, Kindern den kulturellen Reichtum dieser Welt zu erklären. Dafür ist Rundfunk noch immer ein sehr gutes Medium, auch zu festen Zeiten.“ Sein Verein ist Teil des Netzwerkes der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur.

Nicht nur er weiß: WDR 5 leistet sich wie bisher 2021 weiter eine Sendung für Kinder – fast eine Stunde täglich. Darauf hat der WDR-Rundfunkrat im November Wert gelegt. Der NDR-Rundfunkrat stimmt im Spätsommer über die Sparbeschlüsse ab, auch über das NDR-Kinderprogramm – Sendeschluss hin oder her.