The Masked Singer

"Chamäleon" Hallervorden setzte auf Körperlichkeit

Dieter Hallervorden ist von Geburt an Optimist.

Dieter Hallervorden ist von Geburt an Optimist.

Foto: dpa

Dieter Hallervorden hat in der ProSieben-Show "The Masked Singer" mit seinen tänzelnden Auftritten alle überrascht. Nun spricht er über die Gründe für seine Leichtfüßigkeit, den drohenden Ärger mit der Verwandtschaft und warum er trotz Corona weitersingen wollte.

Köln. Als Dieter "Didi" Hallervordens ebenso charakteristisches wie zerknautschtes Gesicht aus dem glitzernden Chamäleon-Kostüm hervorlugte, war das Hallo bei "The Masked Singer" groß. Viele Zuschauer hatten den Entertainer bei seinen Auftritten zuvor an der Stimme erkannt - und es trotzdem nicht für möglich gehalten.

Mit der Deutschen Presse-Agentur sprach die "Legende" (Zitat Jurorin Ruth Moschner) über seine Lust an Unterhaltung, sein Training für die Gehirnzellen und warum er nicht abbrechen wollte, obwohl er zur Corona-Risikogruppe zählt.

Frage: Herr Hallervorden, Sie haben schon viele Rollen gespielt. Wie ordnen Sie das Chamäleon in Ihre Vita ein?

Antwort: Naja, die Herausforderung für mich bestand ja darin, dass sich der Wettbewerb auf einem Gebiet bewegte, das nicht mein Hauptgebiet ist: Ich bin kein Sänger. Ich bin Schauspieler, Komiker, Komödiant. Insofern dachte ich, dass das für mich etwas ganz Neues ist. Ich sah natürlich die Gefahr, dass meine Stimme ziemlich unverwechselbar ist. Zudem gehe ich auf viele Events, man hätte mich auch am Tanzen erkennen können. Es ist sicherlich nicht reif genug für "Let's Dance", aber es entspringt meiner Lebenslust. Deswegen habe ich auch sofort zugesagt. Ich wusste: Solche Sachen passieren dir vielleicht einmal im Leben, das ist nicht wiederholbar.

Frage: Hatten sie irgendwelche Vorbilder? Das Chamäleon war eine Art Grandseigneur des Entertainments. Man dachte an Harald Juhnke oder Frank Sinatra.

Antwort: Nein, ich habe keine Vorbilder. Vorbildern würde man ja nacheifern. Und wer in fremde Spuren tritt, hinterlässt keine eigenen Abdrücke. Das kommt alles aus mir heraus. Das ist Energie, Spielwonne und die Lust, Leute zu unterhalten. Die Rolle war ja auch so angelegt. Dass ich mit der Stimme nicht gegen den Drachen oder das Faultier bestehen konnte, war mir bei der ersten Sendung klar. Ich musste mit anderen Mitteln arbeiten. Mit der Körperlichkeit.

Frage: Viele Zuschauer erkannten Sie an der Stimme. Zugleich wurde immer gezweifelt, ob ein 84-Jähriger wirklich unter dem Kostüm stecken kann. War das für Sie ein Kompliment?

Antwort: Das höre ich ja ständig. Die Leute sagen zu mir: Mensch, was Du noch leistest und wie Du dich bewegst. Das nehme ich eigentlich als Lob. Ich habe mich gut gehalten, ich habe für den Körper auch etwas getan. Ich habe mich viel bewegt und mich gesund ernährt. Aber natürlich wundern sich die Leute, weil man ja viele Alte sieht, die sich schwer tun, sich locker zu bewegen. Oder nicht mehr so beweglich im Kopf sind. Da macht es natürlich viel aus, dass ich Schauspieler bin. Man muss ständig in Rollen schlüpfen, ständig Texte lernen. Das trainiert die Gehirnzellen.

Frage: Als Sie enttarnt waren, sagten Sie im Scherz, dass ein "Mitglied der Risikogruppe" auf der Bühne stehe. Das hatte aber ja einen ernsten Hintergrund, die Show wurde wegen des Coronavirus sogar zeitweise unterbrochen. Haben Sie je daran gedacht, auszusteigen?

Antwort: Die Produktion hat mich sehr fair behandelt. Als Corona-Fälle auftraten und die Show aussetzte, wurde mir auch angeboten, dass ich aus Gesundheitsgründen aussteigen kann - wegen meines Alters. Aber ich wollte die Produktion nicht im Stich lassen. Ich bin niemand, der sich verkriecht. Und ich bin von Geburt an Optimist und dachte: Das wird schon gut gehen. Zudem finde ich, dass man Verträge einhalten sollte.

Frage: War es schwer, die Showteilnahme geheim zu halten?

Antwort: Meine Leute im Theater, die mich seit 10 oder 20 Jahren kennen, bei denen habe ich allein an der Art, wie sie mich angeguckt haben, gemerkt, dass sie Bescheid wussten. Aber die haben sich zurückgehalten. Anders war es bei meinen Verwandten, die es ständig wissen wollten. Speziell meine Schwiegermutter habe ich total "verarschen" müssen. Ich fragte Sie, was das für eine Sendung sein soll, bei der ich angeblich mitmache. "Masked Swingerclub"? Ich habe wirklich alles getan, um die Spuren zu verwischen.

Frage: Droht Ihnen jetzt Ärger mit der Schwiegermutter?

Antwort: Die hat Humor. Notfalls werde ich Ihr erzählen, was für eine Vertragsstrafe vereinbart war, wenn ich das Geheimnis lüfte. Ich werde mich rausreden.

ZUR PERSON: Dieter "Didi" Hallervorden (84) ist Schauspieler und Kabarettist. Mit der Slapstick-Serie "Nonstop Nonsens" schrieb er in den 70ern Fernsehgeschichte. Jahrzehntelang kämpfte er allerdings auch gegen sein Witzel-Image an, bis ihm ein viel beachtetes Comeback als Charakterdarsteller gelang ("Honig im Kopf", "Sein letztes Rennen"). Für die ProSieben-Show "The Masked Singer" schlüpfte er in die Rolle eines singenden Chamäleons.