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Black China - Afrika träumt den chinesischen Traum

Die junge Unternehmerin Grace Malonga Monekene bei Preisverhandlungen.

Die junge Unternehmerin Grace Malonga Monekene bei Preisverhandlungen.

Foto: dpa

Auch in Corona-Zeiten gilt langfristig: Das neue Eldorado liegt im Fernen Osten. Arte begleitet Glücksritter auf ihrem Weg.

Berlin. Auch wenn die Corona-Krise Chinas Wachstum dieser Tage massiv eintrübt - das Land bleibt eine Weltwirtschaftsmacht. Arte wirft in einer Doku am Dienstag um 22.40 Uhr auf dieses Phänomen einen Blick aus anderer Perspektive.

In "Black China - Afrika träumt den chinesischen Traum" geht es um junge Menschen aus Afrika, die auf der Suche nach neuen Möglichkeiten nach China kommen, um hier ihr Geld zu investieren und möglichst schwunghaften Handel zu treiben.

Unter ihnen ist die junge Unternehmerin Grace Monekene, die die Waren aus ihrer Heimat, dem Kongo, nun in China verkaufen möchte. Auch umgekehrt soll das irgendwann einmal funktionieren, mit ihr als einer Art von Zwischenhändler. Sie lebt jetzt in "Chocolate Town", einem Bezirk in Guangzhou, der eine fast perfekte Kulisse bietet. Hier siedeln sich schon seit mehr als 20 Jahren Afrikaner an, und so hat diese Stadt die höchste afrikanische Bevölkerungsdichte in China.

Offen bleibt die Frage, was Grace und andere afrikanische Einwanderer, die im Film zu Wort kommen, sich davon erhoffen und ob sie mit ihren guten Absichten nicht von gewieften chinesischen Händlern und Unternehmen übers Ohr gehauen werden.

Regisseur und Kameramann Inigo Westmeier ("Ins Ungewisse", "Chloé") macht mit seinem Film eine dokumentarische Reise in ein offenbar neues Eldorado. Die Zeiten des amerikanischen Traums scheinen in den Zeiten von US-Präsident Trump wohl erst einmal vorbei zu sein. China macht sich auf, mit seinem "Chinese Dream" den ehemaligen "American Dream" abzulösen. Mit neuen Märkten kommen nun offensichtlich auch neue Mächte ins Spiel, die die ökonomischen und politischen Kräfteverhältnisse mittel- und langfristig verändern können.

Dazu zählt auch Chinas großangelegte Seidenstraßen-Strategie, wobei die neuen Wirtschafts- und Verkehrsverbindungen geschickt miteinander verknüpft werden. Mit riesigen finanziellen und logistischen Mitteln wurden bereits neue Verkehrsprojekte in Chinas näherer und fernerer Umgebung angestoßen, beispielsweise mit der Neuen Eurasischen Landbrücke (von Shanghai über Moskau und Warschau bis nach Madrid) oder der Maritimen Neuen Seidenstraße, die von der chinesischen Küste bis nach Mombasa, Dschibuti oder Kairo reicht. China beteiligt sich schon länger in weiten Gebieten Afrikas am Bau und Betrieb von Zugstrecken, Straßen, Flughäfen und Industrieanlagen.

Der Film macht eindringlich deutlich, dass nicht nur in Afrika ohne China nichts mehr zu gehen scheint. Darüber drohen Probleme wie der Handelskrieg zwischen den USA und China oder grundlegende Bedenken etwa zur Verfolgung von Minderheiten (Uiguren) und der Überwachung der Bürger zunehmend in den Hintergrund zu rücken. Geld verdrängt die Moral.