TV-Tipp

Helen Dorn - Atemlos

Helen (Anna Loos) nimmt Mo (Valerie Stoll) ihr Mobiltelefon ab.

Helen (Anna Loos) nimmt Mo (Valerie Stoll) ihr Mobiltelefon ab.

Foto: dpa

Freunde der ZDF-Krimireihe kennen Helen Dorn als harte und unerbittliche Verfechterin von Recht und Ordnung. Das ändert sich auch nicht. In der neuen Folge offenbart sie dann und wann sogar ein Hauch von Gefühl.

Berlin. Sie kämpft, sie läuft, sie fordert ihren Körper aufs Äußerste. Helen Dorn (Anna Loos), obercoole Hauptfigur der gleichnamigen ZDF-Krimireihe, kennt keine Gnade mit sich und ihren Gegnern. Das ist seit bald sechs Jahren unumstößlich.

Dass das ZDF und seine firmeneigene Produktionsgesellschaft Network Movie gerne noch einmal einen draufsetzen, unterstreicht der zwölfte Fall der Reihe, der in Anlehnung an den musikalischen Ohrwurm von Helen Dorns Fast-Namensvetterin Helene Fischer den schlichten, aber schnappatmungsintensiven Titel "Atemlos" trägt - zu sehen an diesem Samstag (25. Januar) um 20.15 Uhr.

Der Thriller erweckt den Eindruck, an einem Stück gedreht worden zu sein. So dicht und wirklich beinahe schlaflos (bis auf eine kurze Nacht für Helen Dorn in einem Eisenbahnwaggon) strafften Regisseur Sebastian Ko und Autor Mathias Schnelting den Krimistoff, der mit der Observation mehrerer Polen in einem Düsseldorfer Bürokomplex beginnt. Die Aktion allerdings läuft aus dem Ruder, denn plötzlich werden drei Männer erschossen. Es ging um illegalen Waffentransport und Sprengstoff aus polnischen Militärbeständen.

Helen Dorn ist die erste am Tatort und nimmt zufällig ein 15-jähriges Mädchen wahr: Mona (Valerie Stoll) wird in der Tiefgarage unfreiwillig Zeugin, wie die Täter flüchten. Der Polizistin gelingt es später, die Jugendliche, die sich nach dem Tod ihrer Eltern fürs Leben auf der Straße entschieden hat, einzufangen und langsam das Vertrauen zu gewinnen. Gleichzeitig eröffnet Helen Dorns Chef Matheisen (Daniel Friedrich) seiner Kollegin, dass er der Auffassung sei, die Observierung sei durch ein Leck im LKA aufgeflogen. Dort sei wohl ein Maulwurf aktiv, der für die aus Polizistenkreisen entstandene rechtsradikale Gruppierung "Odins Speer" arbeite.

Matheisen dürfte nicht unrecht gehabt haben, denn wenig später wird auch er niedergestreckt - ausgerechnet mit Helen Dorns Dienstwaffe. Die ist nun doppelt auf der Flucht. Sie muss sich zusammen mit Mona vor den brutal und willkürlich agierenden Rechtsradikalen schützen, die die Zeugen ihrer Tat eliminieren wollen. Und sie muss sich vor ihrer eigenen Polizeieinheit hüten, die sie für die Mörderin ihres Chefs hält. Selbst der einzig ruhende Pol in Helen Dorns Sphäre, ihr Vater Richard (Ernst Stötzner), selber einst Polizist, kann ihr nicht helfen, denn er ist über beide Ohren verliebt und praktisch nicht ansprechbar.

Dass gerade er, der Veteran mit Amor-Qualitäten, der Story zum Ende beim Showdown seinen Stempel aufdrückt, schafft einen privaten Zug in dem Film, der etwas fast Rührendes hat. Denn als Helen ihren alten Herrn das erste Mal mit seiner neuen Flamme im elterlichen Haus erwischt, ringt ihr der Seniorenflirt ein fast sanftes Lächeln ab. Auch das ständige Wechselspiel zwischen ihr und der pubertierenden Obdachlosen versetzt Helen Dorn gelegentlich in emotionale Stimmungen, die der Polizeiprofi in ihr mit Macht niederringen muss. Ein kleiner Witz gelingt ihr dann doch noch: "Wie heißt Du?", fragt Helen Dorn die Jugendliche. "Fick Dich", ist die simple Antwort. "Schöner Name", kontert Frau Dorn.

Freunde der atemlosen Düsseldorfer Kämpferin fürs Gesetz kommen auch weiter auf ihre Kosten, denn zumindest zwei weitere Fälle sind sicher. "Kleine Freiheit" und "Wer Gewalt sät" lauten die Arbeitstitel der nächsten Fälle. Vielleicht gelingt es Schauspielerin Anna Loos, die im November 50 Jahre alt wird, dann die Spitzenquote, die gleich nach der ersten Folge im Frühjahr 2014 mit 8,01 Millionen Zuschauern gemessen wurde, zu überbieten.