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Louis Klamroth: Vom "Wunder von Bern" über Altona 93 zu n-tv

Louis Klamroth (r.) tritt weiter aus dem Schatten seines bekannten Vaters Peter Lohmeyer

Foto: Imago/Future Image

Louis Klamroth (r.) tritt weiter aus dem Schatten seines bekannten Vaters Peter Lohmeyer Foto: Imago/Future Image

Der Sohn des Schauspielers Peter Lohmeyer war ein Kinderstar. Jetzt kehrt der Hamburger als Talkmaster auf die Mattscheibe zurück.

Berlin. Er war der schmächtige Ruhrpott-Junge, der im Kinohit „Das Wunder von Bern“ sein Fußball-Idol Helmut Rahn anhimmelte: Louis Klamroth spielte 2003 den kleinen Matthias Lubanski, der es irgendwie schafft, beim legendären WM-Finale Deutschland gegen Ungarn 1954 ins Berner Wankdorfstadion zu gelangen und mit feuchten Augen zu verfolgen, wie Rahn aus dem Hintergrund das historische 3:2 machte und damit Deutschland überraschend den Titel bescherte. 3,7 Millionen Besucher strömten in die Kinos - Klamroth wurde über Nacht zum Star.

Aus dem kleinen Louis ist längst ein erwachsener Mann geworden. Dem heute 27-Jährigen war ziemlich bald nach dem „Wunder von Bern“ klar, dass er keine Filmkarriere im Stile seines Vaters, Peter Lohmeyer, anstreben würde. „Der Rummel nach dem „Wunder von Bern" wurde mir schnell zu viel“, erzählt der Sohn von Schauspieler Lohmeyer und der Dramaturgin Katrin Klamroth heute. „Ich saß auf der „Wetten, dass..?"-Couch von Thomas Gottschalk und musste gleich wieder zur Schule. Ich habe meinen Eltern gesagt: Darauf habe ich keinen Bock, und die fanden das völlig okay.“

Lindner ist Klamroths Premierengast

Trotzdem steht Louis Klamroth heute bald 15 Jahre später vor der Kamera: Beim Nachrichtensender n-tv hat er mit „Klamroths Konter“ eine eigene gut 20 Minuten lange Talkshow bekommen, die bereits zweimal getestet wurde und jetzt im Wahljahr häufiger auf den Bildschirm kommen soll, so wie jetzt an diesem Dienstag (23.30 Uhr), wenn Klamroth den FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner zum verbalen Schlagabtausch bittet. Denn das ist das Konzept: nur ein einziger Gesprächspartner, aber mit dem dann Tacheles reden.

Der Vorteil eines einzelnen Gasts bestehe darin, dass er ihm im Dialog nicht ausweichen und man ihn daher festnageln könne. Bleibe eine konkrete Antwort aus, so werde dies kenntlich gemacht. Klamroth: „Es müssen nicht nur Politiker sein, ebenso ansonsten streitbare Menschen kommen in Frage wie zum Beispiel auch ein Uli Hoeneß.“

Praktika bei "Günter Jauch" und "log in"

Was befähigt denn nun Louis Klamroth zum TV-Talker? „Ich hatte nie den Masterplan, Talk im TV zu machen“, sagt der gebürtige Hamburger, der in London und Amsterdam Politikwissenschaften studierte. „Aber ich war während meiner Ausbildung im angelsächsischen Raum ein erfolgreicher Debattierer, wie man es dort nennt. Und nach der Rückkehr habe ich Praktika bei 'Günther Jauch' und bei der ZDF-Sendung 'log in' gemacht, bis Produzent Friedrich Küppersbusch auf mich aufmerksam wurde.“ Vor seinem geistigen Auge habe er sich als Talker erst mit grauen Haaren und um die 55 gesehen. Aber Küppersbusch habe gemeint: „Das trauen wir ihm jetzt schon zu.“

Und wie sein Idealbild eines Talkmasters aussieht? „Ich habe mal gesagt, ich hätte gern die rhetorischen Fähigkeiten eines Friedrich Küppersbusch, die scharfe Analyse eines Georg Restle, die Empathiefähigkeit eines Louis Theroux, die politische Schlagkraft eines John Oliver und das Aussehen eines Jan Böhmermann - dann wäre ich zufrieden.“ Ob er das Letztere ernst meint, lässt Klamroth offen. Familiär vorbelastet ist er nicht nur im Bereich Fiction, sondern auch im Genre Information durch seine Großtante Wibke Bruhns (78). Sie war 1971 die erste westdeutsche Nachrichtensprecherin („heute“).

Klamroths Freundin ist auch aus Hamburg

Den Klassiker „Das Wunder von Bern“ habe er inzwischen „bestimmt 23 Mal gesehen, auch auf Italienisch und Japanisch“. Unvergessen bleibt vielen Menschen die Szene, als Peter Lohmeyer, der im Film auch den Vater des kleinen Matthias spielte, die geliebten Kaninchen schlachtete und sich den Hass des Jungen zuzog. „Wir haben - meine ich - sogar während der Dreharbeiten Kaninchenfleisch gegessen, das war lecker", erinnert sich Klamroth. „Aber heute versuche ich, auf Anraten meiner Freundin so wenig Fleisch wie möglich zu essen.“ Die ist Psychologiestudentin und stammt genauso wie Klamroth aus Hamburg.

Zu einer Karriere im Stil seines Film-Vorbilds Helmut Rahn hätte es für ihn nicht gereicht, erläutert Klamroth, der zwölf Jahre in der Jugend des Hamburger Traditionsklubs Altona 93 spielte: „Ich war zwar ein guter Fußballer, aber meine Ambitionen stimmten nicht mit meinem Talent überein.“

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