Medien

Vermächtnis eines Journalisten wird zum viralen Hit

Journalist mit einer Schreibmaschine

Foto: picture alliance / ZUMA Press

Journalist mit einer Schreibmaschine

"Bitte, bitte keine Superlative." Reporter Uwe Kopf hat eine vergilbte Seite mit Schreib-Tipps hinterlassen – lesenswert.

Hamburg. Kann eine auf Schreibmaschine getippte A4-Seite mit Schreib-Regeln ein Vermächtnis sein? Wahrscheinlich nicht. Im Falle des Hamburger Journalisten und Autors Uwe Kopf aber wirkt es gerade ein wenig so. Am 9. Januar ist der Mann, der als Textchef in den 1980ern und 90ern die Zeitschrift Tempo mitprägte und später für "Spiegel", "Szene Hamburg", "Rolling Stone", "BZ", "Bild" und das Hamburger Abendblatt schrieb, mit nur 60 Jahren verstorben. Noch an seinem Todestag postete ein Weggefährte Kopfs bei Facebook eine längst vergilbte Schreibmaschinenseite, auf der ein paar Regeln für gute Texte in acht Punkten zusammengefasst sind. Das Foto davon wird seither massenhaft verbreitet, vor allem auf Facebook sehr viel geliked und geteilt. Viele Autoren und Leser kommentierten, dass die Kopf-Regeln noch heute gölten – und viel zu wenig beachtet würden.

"Da ich künftig verstärkt Eure Manuskripte redigieren werde, sage ich Euch vorab, wie ich an Texte herangehe", beginnt Kopf seine wohl aus den späten 80er Jahren stammende Unterweisung für "Tempo"-Autoren. Darin macht er etwa seine Skepsis gegen die "Ich-Form" und gegen Passivkonstruktionen oder das Wörtchen "man" deutlich – aber auch gegen Superlative. "Bitte, bitte keine Superlative mehr", schreibt er. "Die hässlichste Band", "die grandioseste Platte", "die besten Menschen" – ich kann es nicht mehr hören!" Filmkritikern verbietet Kopf, Filme nachzuerzählen: "Das kann meine Mutter auch." Ein Filmkritiker, "der von 'atmosphärischer Dichte' oder 'cineastischer Umsetzung' labert", gehöre "genauso gehauen" wie ein Musikkritiker, "der von 'sägenden Gitarren' plappert".

Auch eine Liste von "abgelutschten oder verblasenen Wörtern" stellte Kopf auf der Seite zusammen, darunter etwa: mutieren, goutieren, freilich, dröge, fleischgeworden, im Grunde, Inkarnation – und der etwas abfällige Begriff "Schreiberling" für Journalisten. "Ein Autor sollte seine Texte aufs Skelett reduzieren und jedes überflüssige Wort weglassen", so sein Fazit.

Dabei machte Kopf seinen Autoren sehr deutlich, dass er es ernst meinte – und in Sachen Sprache nicht zu Verhandlungen bereit war. "Dieser und ähnlicher Wortschrott wird aus dem Kulturteil von TEMPO verschwinden", enden seine Anweisungen. "Auf gute Zusammenarbeit: Uwe."

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.