Schauspieler

Francis Fulton-Smith ist ein vielbeschäftigter Gentleman

Der Schauspieler Francis Fulton-Smith bekam einen „Bambi“ für seine Rolle als Franz-Josef Strauß in „Die Spiegel-Affäre“.

Der Schauspieler Francis Fulton-Smith bekam einen „Bambi“ für seine Rolle als Franz-Josef Strauß in „Die Spiegel-Affäre“.

Foto: picture alliance / dpa

Francis Fulton-Smith ist einer der gefragtesten Darsteller im deutschen Fernsehen – und ein streitbarer Geist. Auch beim Thema Brexit.

Berlin.  Eigentlich will Francis Fulton-Smith nichts dazu sagen. „Ich bin ‚not amused‘, um die Queen zu zitieren“, sagt er und schweigt. Aber nur kurz. Der Schauspieler hat einen deutschen und einen britschen Pass, und der Brexit setzt ihm ganz schön zu. „Es wird die Briten härter treffen als die EU.“

Seine Stimme wird lauter, und er redet schneller. „Ich glaube, die wissen noch gar nicht, was sie getan haben.“ Die Engländer seien immer für einen Scherz gut gewesen, aber damit habe er nicht ernsthaft gerechnet. In wenigen Wochen fliegt er nach England, um einen neuen Rosamunde-Pilcher-Film zu drehen, und man kann sich lebhaft vorstellen, wie er in den Pubs von Cornwall den „Brexiteers“ den Kopf waschen wird.

Ein Schauspieler mit politischer Haltung

Vorher dreht er noch in Eisenach, wo er für die sechste Staffel von „Familie Dr. Kleist“ vor der Kamera steht, die ab September zu sehen sein wird. Aktuell läuft seine neue ARD-Anwaltsserie „Ein Fall von Liebe“ (dienstags, 18.30 Uhr) mit Mariella Ahrens.

Francis Fulton-Smith ist einer der gefragtesten Darsteller im deutschen Fernsehen – und ein streitbarer Geist. Seine Mutter war eine deutsche Fremdsprachenkorrespondentin, sein Vater ein britischer Jazzmusiker und Journalist. „Er hat für den Bayerischen Rundfunk die englischen Nachrichten „News of the Week“ mitaufgebaut“, erzählt Fulton-Smith. Von ihm hat er wohl den Sinn für Politik und Haltung geerbt. Seine Werte bezeichnet der Münchner, der regelmäßig mit dem Verein der Isarfischer in den bayerischen Flüssen Fliegen fischt, als „christlich-konservativ“. „Für uns ist die Kirche nicht nur ein Gebäude an der Ecke“, sagt er. „Wir gehen auch rein und zwar nicht nur zu Weihnachten.“

Traditionen sind ihm wichtig – und das Theater

Traditionen sind ihm wichtig, dennoch wird er in diesem Jahr das Oktoberfest „aus gegebenem Anlass“ meiden. „Ich bin zur Zeit der RAF und der IRA aufgewachsen. Ich kenne das schon, trotzdem muss man wachsam sein“, sagt er. Von seinem Vater hat Francis Fulton-Smith auch die Liebe zur Musik mitbekommen. Er war auf einem musischen Gymnasium in München, lernte Klavier und Schlagzeug. „Nach dem Abitur musste ich mich entscheiden“, sagt er. Damals gab er dem Schauspiel den Vorzug und absolvierte eine Ausbildung an der Münchner Otto Falckenberg Schule. Musik ist ihm aber immer noch wichtig. „Ich höre alles von Gregorianik bis House und von Klassik bis Rock.“ Dank seiner beiden Töchter könne er sogar alle Lieder von „Bibi & Tina“, „Conni“ und „Caillou“ auswendig.

Sehr gerne würde Fulton-Smith auch wieder einmal ans Theater und dort Hauptrollen verkörpern. „Am liebsten an einem der großen Häuser in Berlin, München, Hamburg oder Salzburg“, sagt er, um „ohne Netz und doppeltem Boden“ spielen zu können. Erfahrung hat er in den Münchner Kammerspielen und als „Jedermann“ im Berliner Dom gesammelt.

Lieber zu viele Fans als zu wenige, findet Francis Fulton-Smith

Nach seinen letzten Drehtagen geht es mit seiner Frau, der Schauspielerin Verena Klein, und den Töchtern aber erst einmal in den Italienurlaub. Und selbst am Strand werde er dort, außerhalb von Deutschland, oft erkannt. „Das ist besser so als ‚kein Schwein ruft mich an‘“, sagt er mit den Worten von Max Raabe. Francis Fulton-Smith ist dankbar für den anhaltenden Erfolg, über Fans freut er sich. Meistens zumindest. „Nur wenn ich ungefragt fotografiert werde, dann frage ich schon mal: ‚Sind wir hier im Zoo?‘“, sagt er und lacht.