Neuer Roman

Zwei Millionen Euro Gehalt im Jahr? Egal!

„Der Zirkus der
Stille“ hat Peter
Goldammer, 58,
früher einer der
Top-Werber
der
Stadt, sein Romandebüt
genannt

„Der Zirkus der Stille“ hat Peter Goldammer, 58, früher einer der Top-Werber der Stadt, sein Romandebüt genannt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Peter Goldammer war einer der erfolgreichsten Werber des Landes. Doch dann änderte er sein Leben komplett – um einen Roman zu schreiben.

Hamburg.  Er wollte nur noch das eine. Kompromisslos schreiben. Das hat Peter Goldammer, 58, früher einer der wichtigsten und erfolgreichsten deutschen Werber, verwirklicht. Er hat geschrieben, sieben Jahre lang, nun ist sein Roman „Der Zirkus der Stille“ erschienen. Goldammer nähert sich darin dem Milieu und dessen abgehalfterten Gestalten und schildert, wie eine junge Frau sich mit ihrer Vergangenheit versöhnt. Eine bildhafte, filmisch erzählte Geschichte mit einem eher abstrakten, philosophischen Ende. Nein, diesmal wollte es Peter Goldammer nicht allen recht machen. Diesmal wollte er, allein mit seinem Stift und einem Stapel Papier, nur das aufschreiben, was ihm gefiel.

Für diesen Traum hat Goldammer viel in Kauf genommen, Seine Karriere in der Werbung war 20 Jahre ununterbrochen bergauf gegangen, hinauf bis zum Chairman bei der Agentur Scholz & Friends, die er mit aufgebaut hatte, hinauf bis zur eigenen Werbeagentur Goldammer, die über Nacht den Riesen-Etat des Privatsenders „Premiere“ bekam.

Während er früher zu Spitzenzeiten knapp zwei Millionen Euro im Jahr verdiente, auf 240 Quadratmetern in Harvestehude wohnte, Luxusreisen machte und den teuersten Porsche fuhr, lebt er heute mit seiner Familie in einer Lokstedter Genossenschaftswohnung und fährt S-Bahn. Glaubt man ihm mit seinem so gar nicht schneidigen Auftreten, geht es ihm besser als damals. Auch wenn der Schwenk zum Autor alles andere als leicht war. „Zweigleisig fahren“, also nebenbei schreiben und weiter Werbung machen, das funktionierte nämlich nicht. Und als er beschlossen hatte zu schreiben, war auch Schluss mit Erfolg. Viele wandten sich ab, andere Menschen kamen in sein Leben und unterstützten ihn.

Angefangen hatte sein Berufsleben in den 1980er-Jahren in der Schweiz, wo Goldammer Kunst studierte und sich mit der vielen Freiheit ein bisschen schwertat. Weil er Geld brauchte, probierte er es mit Werbetexten. Die ganze Branche war damals noch jung, es gab enorme Möglichkeiten für kreative, lustige Leute wie ihn. „In der Agentur zu arbeiten, war damals einfach göttlich. Ich habe denselben Quatsch gemacht, den ich sonst auch gemacht habe und verdiente plötzlich 1000 Franken. Damals hatte ich das Gefühl, so reich zu sein wie nie. Von diesem Idealzustand habe ich mich eigentlich immer weiter entfernt.“

Goldammer kam aus einfachen Verhältnissen. Und anfangs, da machte das alles richtig viel Spaß: „Ich mochte das Alberne in der Werbung. Das Lockere. Dass es um Limonade ging und um sonst nichts.“ Aber wie es so ist: Das Geld war verführerisch.

Mit Mitte 40 stieg er bei Scholz & Friends aus, weil ihm „die Konstellation“ nicht mehr gefiel, wie er es heute beschreibt. Als er bald darauf mit seiner eigenen Agentur aufstieg, wurde ihm mehr und mehr klar, dass man in dieser Position „Lust am Repräsentieren, an Macht und Machtspielen, an PR-Strategien haben muss. Das ganze Lametta wurde immer wichtiger.“ Diese Lust hatte er nicht, er merkte, dass er „eigentlich nicht glücklich“ war und dass er Menschen nicht wirklich berührte mit dem, was er tat. André Heller, dieser Traumwandler, habe gesagt, man solle etwas Gutes machen aus seinen Talenten. Sonst würde man Lebenszeit schwänzen. „Genau das tat ich doch!“

Da fiel der Entschluss. „Es war keine Entscheidung gegen das Geld, keine moralische Entscheidung. Sondern eine für das, was mir Erfüllung bringt.“

Die Randexistenzen, die Nonkonformisten sind es, die ihn eigentlich interessieren. Leute, die tagelang auf Mittelalter-Festivals stehen und ihr Schwert schmieden, die mag er. Menschen, die im selbst geschneiderten Kostüm zu Cowboy-Festivals fahren. Originelle Typen.

Die haben etwas gemeinsam mit den noch etwas flachen, aber liebenswert verschrobenen Figuren seines Buches. Das Ende aber, das hat viel mit Peter Goldammers Einsicht zu tun, dass „das Materielle überbewertet“ werde. Hier hat er seine eigenen Erfahrungen eingearbeitet, die er mit teilweise sehr exotischen Meditationstechniken gemacht hat. Nur eines sei verraten: Es geht um den Sprung durch einen Spiegel in die Vergangenheit.

Peter Goldammer „Der Zirkus der Stille“, Atlantik Verlag, 252 S., 20 Euro