ZDF-Thriller

„Ein gefährliches Angebot“: Ausgespäht und abserviert

Ina Roth (Petra SchmidtSchaller)
ist an der Ausspähung des Managers Michael Dithardt (Christian Berkel) maßgeblich beteiligt

Ina Roth (Petra SchmidtSchaller) ist an der Ausspähung des Managers Michael Dithardt (Christian Berkel) maßgeblich beteiligt

Foto: ZDF und Britta Krehl

Die ehemalige „Tatort“-Kommissarin Petra Schmidt-Schaller überzeugt im ZDF-Thriller „Ein gefährliches Angebot“.

Hamburg.  Schnell checkt sie am Laptop noch ihre Zugverbindung zurück nach Berlin, dann ist Petra Schmidt-Schaller bereit und klappt den Rechner zu. „Ich hab’ noch zwei Geburtstagsfeiern heute und wollte mal sehen, wann ich zurückfahren kann“, sagt sie und streicht ihre langen blonden Haare zurück.

Es ist Interview-Tag des ZDF im Hamburger Elysee-Hotel, eine ganze Reihe Schauspieler sind nach Hamburg gekommen, um über anstehende Filme zu sprechen. Marie Bäumer wartet im Nebenzimmer auf Interviewpartner, Leslie Malton huscht über den Flur, Tobias Moretti wechselt gerade die Räume, und auch Petra Schmidt-Schaller hat sich für den Tag in einem geräumigen Zimmer mit einem langen Tisch häuslich eingerichtet. Im Halb-Stunden-Takt spricht sie über den Thriller „Ein gefährliches Angebot“, in dem sie die weibliche Hauptrolle spielt.

Sven Poser und Hannu Salonen haben das Drehbuch des Thrillers geschrieben

Obwohl sie sich alle 30 Minuten auf einen neuen Interviewer einstellen muss, ist sie gelöst und bester Laune. Und sie kann schallend lachen, was man bei ihrer „Tatort“-Polizistin Katharina Lorenz höchst selten erlebt hat. Auch in der aktuellen Rolle der ehrgeizigen jungen Polizistin Ina Roth vergeht ihr schnell die gute Laune. Die Story: Roths ehemaliger Ausbilder Thomas Theissen (Armin Rohde) bietet ihr einen lukrativen Job in seiner Sicherheitsfirma „Cerberus“ an. Gemeinsam mit dem Kollegen Torsten Gütschow (André Brennicke) soll sie den Manager Michael Dithardt (Christian Berkel) ausspionieren, weil der Verdacht besteht, dass durch ihn brisante Firmeninterna an die Öffentlichkeit gelangen. Dithardts Wohnung wird verwanzt, sein E-Mail-Verkehr überwacht. Die NSA hätte es nicht perfekter machen können als die „Cerberus“-Angestellten. Dann werden Kinderpornos auf dem Rechner von Dithardt gefunden, er verliert seinen Vorstandsposten, seine Frau verlässt ihn. Und Ina Roth fragt sich plötzlich, ob da wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen ist, denn Dithardt hat so gar nichts von einem Päderasten an sich. Sven Poser und Hannu Salonen haben das Drehbuch dieses spannenden Thrillers geschrieben, Salonen führte auch Regie.

„Ich glaube, dass ,Ein gefährliches Angebot’ sehr dicht an der Realität liegt. Wenn ich alles zusammennehme, was wir täglich in den Medien über Korruption und Überwachung erfahren, finde ich in der Wirklichkeit viel von dem wieder, was unser Film erzählt“, sagt die Schauspielerin. Angst habe sie persönlich nicht vor Überwachung, aber Respekt. „Wir sind oft transparenter, als wir sein sollten. Es sollte mehr vermittelt werden, welche Möglichkeiten wir haben, unsere Privatsphäre zu schützen.“

Einen Facebook-Account besitzt sie nicht und nutzt auch sonst keine sozialen Netzwerke. „Ich hatte mal eine eigene Website, aber die habe ich wieder geschlossen, weil mir die Zeit fehlte, sie zu pflegen. Wenn ich ein Statement abgeben möchte, kann ich das auch auf anderem Wege tun“, erklärt sie mit einem Lächeln.

Ihre Filmkollegen lobt Petra Schmidt-Schaller in den höchsten Tönen

Ins Schwärmen kommt Petra Schmidt-Schaller, wenn sie an die Vorbereitung auf die Rolle der Ina Roth zurückdenkt: „Ich durfte boxen lernen. Das habe ich noch nie vorher gemacht.“ Schmidt-Schaller hat sich häufiger mit einer Stunt-Frau getroffen, die ihr die Grundschläge zeigte und ihr sagte: „Nimm dir einen vor, auf den du richtig sauer bist, und dann prügele auf den Sandsack ein. Immer rein, das tut gut!“ Derjenige, den sie auf den Sandsack projiziert habe, habe ihr hinterher schon leid getan , sagt die 35-Jährige und lacht bei der Erinnerung daran laut los. Wem sie damals Saures gab, will sie allerdings nicht verraten.

Ihre Kollegen aus „Ein gefährliches Angebot“ gehörten sicher nicht dazu, alle im Team lobt sie in den höchsten Tönen. Armin Rohde sei „eine Wucht“, Berkel schaffe am Set immer ein gute Atmosphäre, und besonders gefreut habe sie sich auf die Zusammenarbeit mit Fabian Busch, der einen Polizistenkollegen spielt. Ihn kannte sie aus dem Thriller „23“ von Hans-Christian Schmid und hatte schon lange den Wunsch, mal mit ihm zusammenzuarbeiten.

Sehr offen geht sie mit der Frage nach ihrem Ausstieg aus dem „Tatort“ um, in dem sie sechs Folgen lang an der Seite von Wotan Wilke Möhring ermittelte. „Ich hatte keine Lust mehr auf die Figur der Katharina Lorenz. Sie war auserzählt, und ich fühlte mich zu sehr festgelegt. Auch meine Arbeits- und Lebensqualität haben nicht mehr gestimmt.“

Schmidt-Schaller brachte 2011 eine Tochter zur Welt, hatte aber 2013 und 2014 sehr viele Drehangebote angenommen. „Sieben Filme pro Jahr geht nicht für eine junge Mama. Ich drehe nur noch drei Filme jährlich und kümmere mich um eigene Projekte. Jetzt stimmt das Gleichgewicht wieder.“

Das Abholen aus dem Kindergarten schafft Schmidt-Schaller an diesem Tag zwar nicht, aber zu Bett bringen kann sie ihre Tochter. Nur zwei Interviews noch, und dann geht es zurück in ihre Heimatstadt Berlin.

„Ein gefährliches Angebot“ 11.4.,20.15 Uhr, ZDF