ARD-Dreiteiler

Das ewige Dilemma: Hohe Qualität, schlechte Quote

Walter Ahler
(Sylvester Groth, l.)
und Paul Winter
(Florian Lukas)
ermitteln

Walter Ahler (Sylvester Groth, l.) und Paul Winter (Florian Lukas) ermitteln

Foto: ARD/SWR

Weit weniger Zuschauer als erhofft haben die ersten beiden Teile der ARD-Trilogie über die Verbrechen des rechtsradikalen NSU gesehen.

Der ARD-Dreiteiler über die Verbrechen des rechtsradikalen NSU hat beim Fernsehpublikum nicht so wie vom Sender erhofft gezündet. Die Quoten der ersten beiden Filme waren mit 2,89 und 2,34 Millionen Zuschauern deutlich unter den Werten, die die ARD sonst von ihren TV-Filmen – ob Krimi, Drama oder Komödie – gewohnt ist. An diesem Mittwoch (20.15 Uhr) steht nach den Beiträgen aus Täter- und Opfersicht mit dem 90-Minüter „Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch“ der dritte Teil an.

„Natürlich hätten wir uns mehr Zuschauer für die ersten beiden Filme unserer NSU-Trilogie gewünscht, zumal die Reaktionen auf die Filme in der medialen Öffentlichkeit wirklich beeindruckend sind“, sagte der ARD-Programmdirektor Volker Herres am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur und stellte für die Zukunft klar: „Selbstredend werden wir uns auch in Zukunft gesellschaftlich relevanten Stoffen annehmen, um damit zur Diskussion in der Öffentlichkeit beizutragen und auch aufzuklären.“

Der erste Teil der Trilogie ist zumindest in der ARD-Mediathek recht erfolgreich

Medienwissenschaftler Joachim Trebbe von der Freien Universität Berlin sagte, dass in den öffentlich-rechtlichen Programmen eher noch Zuschauer zu finden seien, die besonders die politischen und gesellschaftlich relevanten Sendungen suchten. Jedoch: „Ich bin mir nicht sicher, ob man mit der Verarbeitung eines aktuellen, in erster Linie im Journalismus bearbeiteten Themas in einem fiktionalen Drama diejenigen anziehen kann, die sich bisher für die öffentliche Aufklärung der NSU-Morde und die Berichterstattung darüber nicht interessiert haben.“

Laut Trebbe kommt im Fall der NSU-Trilogie noch dazu, dass die drei Filme als „Dreiteiler“ missverstanden werden können. „Man versteht ja die Perspektivwechsel der Filme erst, wenn man sich zumindest mit der Berichterstattung über die Kleinserie auseinandersetzt“, sagte er. „Und Mehrteiler haben es in letzter Zeit immer schwer, denn viele Zuschauer steigen gar nicht erst ein, wenn sie die nächsten Teile vermutlich nicht sehen können.“ Problematisch sei auch die „fehlende gesellschaftliche Verarbeitung“ – somit fehle dem Stoff die Reife für die fiktionale Umsetzung im TV.

Der Medienpsychologe Jo Groebel nannte in der „Bild“-Zeitung noch ein Argument: „Wir haben derzeit so viele deprimierende und verunsichernde tagesaktuelle Themen, dass die dramaturgische Aufbereitung eines weiteren Themas dieser Art viele Menschen vermutlich emotional überfordert.“ Auch die lange andauernde, wenn auch gerechtfertigte Berichterstattung über den Prozess gegen die als mutmaßliche Mittäterin angeklagte Beate Zschäpe trage zu dieser emotionalen Überforderung bei. Viele Menschen hätten das Thema NSU inzwischen satt. Erfreulich aus ARD-Sicht: Der erste Teil der NSU-Reihe („Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“) kommt inzwischen auf gut 150.000 Abrufe aus der Mediathek, die mobile Nutzung nicht einmal eingeschlossen. In der Zuschauerredaktion sind nach Angaben einer Sprecherin keine Rückmeldungen „aus der rechten Ecke“ verzeichnet worden, auch auf den Online-Kommunikationsplattformen herrsche Ruhe. „Insgesamt überwog das Lob darüber, dass sich Das Erste des Themas annimmt.“

Im dritten Teil am Mittwoch steht bei der Mordserie des rechtsradikalen NSU, die im Verlauf von zehn Jahren zehn Menschen das Leben kostete, die Arbeit der Ermittler im Vordergrund. Am Beispiel zweier Zielfahnder (Florian Lukas und Sylvester Groth), die früh schon mit den mutmaßlichen Tätern befasst sind, bei ihren Ermittlungen jedoch gegen unsichtbare Mauern anrennen, will die ARD erzählen, wie Polizei und Verfassungsschutz ganz nah dran waren und die Mordserie doch nicht verhindert wurde.