Sat.1-Krimi

Michael Lott ist ein Mann für viele Rollen und Stimmen

Noch ahnt "Toni" (Annette Frier, l.), die gerade durch die Hölle gegangen ist, nicht, dass Großspediteur Oskar (Michael Lott, r.) ihr ein vermeintlich großzügiges Angebot unterbreiten will ...

Noch ahnt "Toni" (Annette Frier, l.), die gerade durch die Hölle gegangen ist, nicht, dass Großspediteur Oskar (Michael Lott, r.) ihr ein vermeintlich großzügiges Angebot unterbreiten will ...

Foto: Guido Engels / Sat.1

Der Hamburger Schauspieler, heute im Sat.1-Krimi „Die Truckerin“ zu sehen, wirkt auch auf der Bühne, als Off- und Synchronsprecher.

Hamburg. Es ist bei ihm nicht immer die Stimme, aufgrund derer er besetzt wird, auf die es ankommt. Aber für viele Hamburger gehört sie mittelbar oder auch unmittelbar zum Alltag. Auch der Werbefilm mit dem Slogan einer bekannten norddeutschen Biermarke – man denke an den Leuchtturm im nordfriesischen Westerhever – ist untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Michael Lott macht im persönlichen Gespräch nicht viel Aufhebens davon, dass er seit 2009 die sogenannte Station Voice von Radio Hamburg ist, dem Marktführer im Hamburger Rundfunkmarkt, bei dem er bis Anfang der 90er-Jahre noch selbst moderiert hatte. Und dass der markante Werbespruch jener Biermarke populärer ist, als derjenige, der dem Slogan schon seit Ende der 90er-Jahre Leben einflößt, nimmt der Hamburger gelassen. Es gehört zu seinem Beruf als Schauspieler, Off-Sprecher und Synchronsprecher.

An diesem Dienstag ist Michael Lott mal wieder bundesweit zu sehen: Er spielt eine Rolle im Fernsehen – eine der beiden männlichen Hauptrollen im Sat.1.-Film „Die Truckerin – Eine Frau geht durchs Feuer“.

Die Titelrolle hat Annette Frier übernommen, mit der Michael Lott zuvor schon dreimal gedreht hatte (vor gut zehn Jahren in der Pro7-Serie „Alles außer Sex“, im Film „Lichtblau Mexico“ und in der Sat.1.-Erfolgsserie „Danni Lowinski“). Die als Kleine-Leute-Anwältin Danni Lowinski populär gewordene Frier mischt jetzt als toughe Trucker-Witwe „Toni“ die Brummifahrer-Szene auf. Die Mutter einer 13-jährigen Tochter will nach dem mysteriösen Unfalltod ihres Mannes Andy die Familienspedition retten und schwingt sich hinters Steuer eines 18-Tonners – obwohl sie eigentlich gar nicht Truckfahren kann – und gerät alsbald selbst in Gefahr.

Lott spielt in diesem Krimi ihren Gegenpart, den fadenscheinigen Großspediteur Oskar. Über den könne man als Zuschauer nicht unbedingt lachen, er sei als Figur sehr sperrig und habe keinerlei komische Seite und auch kaum eine sympathische, sagt Lott. Der Dreh mit Annette Frier, den Schauspielkollegen und realen SEK-Leuten aus dem Großraum Köln habe aber viel Spaß bereitet. „Und ich hab auch mal wieder meinen Lkw-Führerschein nutzen können“, fügt der Hamburger Schauspieler lächelnd hinzu.

„Natürlich ist das kein Arthouse-Film räumt Michael Lott ein, „aber für mich ist als Zuschauer auch wichtig, dass ich gut unterhalte werde!". Für ihn hat „Die Truckerin“ ein „gutes Potenzial an Spannung und Action“, wie der Schluss dieses Krimi zeigt.

Derlei Fernseh- und Filmerfahrung hat der heute 51-jährige Lott reichlich gesammelt, seit er Ende der 80er-Jahre in der ZDF-Alltags-Serie „Mit Leib und Seele“ (mit Günter Strack als Pfarrer Adam Kempfert) über vier Jahre den Einstieg ins TV-Geschäft fand. Lotts Filmografie ist inzwischen verdammt lang.

An „Eine Frau wird gejagt“ erinnert sich Lott noch immer gern. In der vom vielschichtigen, auch in Hamburg noch heute gut bekannten Regisseur und Schauspieler Vadim Glowna – er starb 2012 – inszenierten RTL-Thriller-Serie aus dem Jahr 1995 spielte Lott den Assistenten des Kriminalkommissars. „Von Vadim Glowna habe ich gelernt, mit der Kamera zu arbeiten und sie in mein Spiel miteinzubeziehen“, erläutert Lott.

Nach Nebenrollen in „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und in internationalen Filmen wie „Der Medicus“, in Kino-Hauptrollen wie in der Ralf-König-Verfilmung „Wie die Karniggel“ konnte Lott im Vorjahr in Marc Schlegels Kinospielfilmdebüt „Schmidts Katze“ als pyromanischer schwäbischer Junggeselle Werner Schmidt überzeugen – eine originelle schwarze Komödie, die am 26. Februar auch als DVD erscheint.

Bevor Michael Lott im Fernseh- und Filmgeschäft Fuß fassen konnte, hatte der bei Hildburg Frese in Hamburg ausgebildete Schauspieler schon auf renommierten Bühnen der Hansestadt gestanden, etwa dem Theater im Zimmer (in „Der zerbrochene Krug“), im Ernst Deutsch Theater („Endstation Sehnsucht“, „Nathan der Weise“) oder auch auf Kampnagel („Kasimir und Karoline“) gespielt. Außerdem in Berlin am Renaissance-Theater („Reise in den Winter) und im Maxim-Gorki-Theater („Die Möwe“).

Erst im vergangenen Herbst kehrte Lott, der Vielbeschäftigte aus Volksdorf, auf eine Hamburger Bühne zurück. Im Theater Kontraste des Winterhuder Fährhauses kann er seitdem in der bissigen französischen Salon- und Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ auch mal wieder live seine komische Seite zeigen: als Sprüche klopfender Vincent, über dessen „Schnute“ sich irgendwann alle Verwandten und Freunde lustig machen. Dass Lott auch für jene Theaterarbeit in einem Saal mit nur 100 Plätzen brennt, wird deutlich, wenn er begeistert davon erzählt, dass sämtliche noch bis 21. Februar laufenden Vorstellungen ausverkauft seien und „Der Vorname“ von November bis Ende Januar 2017 wieder aufgenommen wird.

Wohlweislich lässt ihn Meike Harten hier jeden Abend als Erzähler mit Mikrofon live ins Stück einführen. Die Regisseurin wusste schon vor seinem Engagement in Winterhude um Lotts Qualitäten als Synchronsprecher: Für seine Synchronisation des zuvor als eigentlich unübersetzbar geltenden, weil auf einem speziellen Dialekt basierenden französischen Kino-Komödienerfolgs „Willkommen bei den Sch’tis“ erhielt Lott, der auch den zweiten Hauptdarsteller Kad Merad sprach, 2010 den Deutschen Preis für Synchron. „Wir haben dafür eigens eine Kunstsprache erfunden. Die Auszeichnung tat der Branche gut, denn bei der Synchronisation sprechen wir ja nicht einfach nur, wir sind großteils Schauspieler spielen das im Studio regelrecht mit“, erläutert Michael Lott diesen Aspekt seiner Arbeit.

Ein weiterer, durchaus kurioser war im Vorfeld der heutigen Ausstrahlung von „Die Truckerin“ auf dem privaten Fernsehsender mehrmals zu hören: Weil Lott auch die Station Voice von Sat. 1 ist, hat er selbst auch den Trailer zu seinem eigenen Film eingesprochen. „Meine Trailerstimme ist tiefer als im Original und als in der Rolle des Spediteurs Oskar im Krimi“, erzählt Lott und lacht. Ach ja, und einen anderer Oscar, den aus der Mülltonne in der „Sesamstraße“, hat er 15 Jahre lang ebenfalls gesprochen. Auch das gehört zur breiten Palette seines Berufs, vielmehr seiner drei Berufe als Schausspieler, Off-Sprecher und Synchronsprecher.

„Die Truckerin – Eine Frau geht durchs Feuer“ Di 2.2., 20.15 Uhr, Sat.1.