Fernsehfilm

Wellness-Wochenende mit Schnuppertherapie für Paare

Gruppenbild: Katharina M. Schubert, Gabriela M. Schmeide, Magdalena Boczarska, Anke Engelke (vorn, v. l.); Martin Brambach, Produzent Michael Eckelt, Redakteurin Lucia Keuter, Anneke Kim Sarnau, Devid Striesow, Sebastian Blomberg (Mitte, v. l.); Regisseur Jan G. Schütte, Bjarne Mädel, Michael Wittenborn (hinten, v. l.)

Gruppenbild: Katharina M. Schubert, Gabriela M. Schmeide, Magdalena Boczarska, Anke Engelke (vorn, v. l.); Martin Brambach, Produzent Michael Eckelt, Redakteurin Lucia Keuter, Anneke Kim Sarnau, Devid Striesow, Sebastian Blomberg (Mitte, v. l.); Regisseur Jan G. Schütte, Bjarne Mädel, Michael Wittenborn (hinten, v. l.)

Foto: Riva Filmproduktion GmbH

Regisseur Jan Georg Schütte und Cutter Ulf Albert arbeiten am Film „Wellness für Paare“. Ein Besuch im Schneideraum.

Hamburg.  Der Film „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“, den das Erste im November 2014 zeigte, hat sich als großer Publikumserfolg erwiesen, der viele Preise einheimste. Das größtenteils improvisierte Beziehungsstück mit Starbesetzung – dabei waren unter anderen Senta Berger, Mario Adorf, Hildegard Schmahl, Michael Gwisdek – gewann erst kürzlich den Goldenen Panda in China. Für den Deutschen Fernsehpreis 2016 ist der Film von und mit Jan Georg Schütte auch nominiert, ebenso wie sein Cutter Ulf Albert. Das hat jetzt Folgen. Zurzeit entsteht in Hamburg die Fortsetzung „Wellness für Paare“ für den WDR. Die Idee ist ähnlich, nur die Besetzung hat gewechselt. Anstatt der Alten glühen nun die etwas Jüngeren.

Geschichte erinnert an US-Filmkomödie „All Inclusive“

Ein Besuch in den Konken Studios in Ottensen. Regisseur Schütte und Cutter Albert, seit „Altersglühen“ beide Grimme-Preisträger, sichten das neue Material. Es wird wohl wieder eine Sisyphos-Arbeit werden. 50 Stunden Spielzeit haben die 20 Kameras eingefangen, als im November im Schlosshotel Gartrop in Nordrhein-Westfalen gedreht wurde. Die müssen sortiert und so miteinander verflochten werden, dass daraus 90 Minuten spannende Fernsehunterhaltung werden.

Die Schauspieler verkörpern fünf Paare, die sich an einem Wellness-Wochenende auch einer Schnuppertherapie für Paare unterziehen, was zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führt. Gerade ist das Ehepaar Ellerbrook an der Reihe. Gabriela Maria Schmeide, Ensemblemitglied am Thalia-Theater, und Michael Wittenborn, Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus, spielen es und müssen feststellen, dass ihre Beziehung schwer angeschlagen ist.

Er hat gerade gebeichtet, dass er einen Seitensprung begangen hat – vor 25 Jahren. Nun hat er Angst, dass sie ihn verlässt. Sie wiederum fühlt sich von seiner Weichei-Mentalität genervt. „Sei doch bitte mal ein Mann!“, fordert sie ihn auf. Er greint nur. Da die Paarszenen gleichzeitig gedreht wurden, sieht Schütte, der seinen Charakteren vorher nur fiktive Biografien gegeben hat, vieles jetzt auch zum ersten Mal. Er macht sich Notizen im Laptop. Während er und Albert sichten, kommentieren sie mal frotzelnd, mal wohlwollend die Leistungen der Schauspieler. Dann wieder raufen sie sich die Haare, wenn nach einer Umarmung der Darsteller deren Mikroports so verrutscht sind, dass der Ton nicht mehr zu verstehen ist. Der erweist sich als Pro­blem, weil wegen der verschiedenen Kameraperspektiven nicht mit einem Tongalgen gearbeitet werden konnte, der ständig im Bild gewesen wäre.

Zurück zu den Ellerbrooks. Mittlerweile liegen sie im Bett. „Weißt du, was ich gern machen würde, auch mit dir?“, fragt er. Sie wird hellhörig. „Golf spielen“, sagt er. Sie stöhnt enttäuscht auf und sackt ins Kopfkissen. Später wird sie, nachdem er eingeschlafen ist und trotz Schnarchstopper im Schlaf heftig vor sich hin „sägt“, aufstehen und ganz allein für sich ein sexy Kleid anprobieren und wie die Monroe vor einem Spiegel posieren.

Und was machen die anderen? Katharina Marie Schubert und Martin Brambach spielen ein Proll-Paar. Anke Engelke singt ein Schlaflied für Sebastian Blomberg. Anneke Kim Sarnau und Bjarne Mädel spielen ein trauriges Paar, das beim gemeinsamen Pornogucken einschläft. Vervollständigt wird der Reigen bei des langen Tages Reise in die Nacht von Magdalena Boczarska und Devid Striesow. Schütte selbst tritt vor der Kamera sporadisch als Hotelmanager in Erscheinung.

Schütte, der im Hamburger Umland lebt, ist ein Schauspieler mit unstillbarem Durst nach improvisierten Filmen. Schon dreimal hat er darin Regie geführt: 2005 in „Swinger Club“, 2008 in „Die Glücklichen“ und 2012 in „Leg ihn um – Ein Familienfest“. Da er offenbar nicht der einzige Darsteller ist, der diese eher seltene Form des Arbeitens an der langen Leine schätzt, konnte er jeweils auf illustre Besetzungen zurückgreifen. Manchmal steht er aber auch in ganz „normalen“ Filmen vor der Kamera: Dreimal spielte er schon den Inspektor Kadeg in der Krimi-Verfilmung „Kommissar Dupin“.

75 Schnittfassungen entstanden, bevor endlich alle zufrieden waren

Beim „Altersglühen“ war die Arbeit mühsam, weil der Film zunächst keine Geschichte hatte. Die Kunst des Schnitts ist es, die Szenen so anzuordnen, dass es wirkt, als ob es dennoch eine gäbe. 75 Schnittfassungen entstanden, bevor endlich alle zufrieden waren. „Beim ,Altersglühen‘ haben wir uns noch verrannt“, sagt Schütte. Diesmal gehen Albert und er anders vor. Sie wollen zuerst die Erzählstränge sortieren und sie erst in einem zweiten Arbeitsschritt miteinander verflechten. „Wir wollen versuchen, das Gleichgewicht zwischen Komik und Tragik zu halten“, sagt Schütte, „und graben hier etwas tiefer als beim ,Altersglühen‘.“

Der Hamburger Michael Eckelt ist wegen des Seniorenfilms von der Deutschen Fernsehakademie als „Produzent des Jahres“ ausgezeichnet worden. Glaubt er, dass so ein Erfolg wiederholbar ist? „Darum geht es uns nicht“, sagt er. „Bei uns steht der Spaß im Vordergrund, dieses Experiment noch weiterzutreiben.“ „Wellness für Paare“ wird voraussichtlich im November dieses Jahres gezeigt.