Krimi

Schusswaffe und Sonderkommando im Kinderzimmer

Detective Chief Inspector Alan Banks (Stephen Tompkinson) hat inzwischen nicht nur in seiner Heimat, sondern auch hier

Detective Chief Inspector Alan Banks (Stephen Tompkinson) hat inzwischen nicht nur in seiner Heimat, sondern auch hier

Foto: Ltd/ITV Network Limited, Matt Sq / ZDF und Ltd/ITV Network Limited,

Der britische Detektiv Alan Banks ermittelt erneut in einem Mordfall. Zu sehen ist der Krimi am heutigen Freitag bei ZDFneo.

Wenn Krimiautoren erfolgreiche Serien schreiben, dann entwickeln sie oft sadistische Züge gegenüber ihren Hauptfiguren. Die Ermittler müssen immer härtere Prüfungen durchlaufen, um ihre Fälle zu lösen. Agatha Christie zum Beispiel hat nicht nur einmal darüber geklagt, Hercule Poirot kaum noch ertragen zu können. Entsprechend erging es ihm dann in den Geschichten, die sie sich für ihn ausdachte. Und vielleicht leidet auch der britische Autor Peter Robinson unter diesem Phänomen. Robinson schickt Detective Chief Inspector Alan Banks nun schon seit 1987 durch die fiktive Stadt Eastvale in East Yorkshire, und das Leben wird nicht leichter für ihn.

Die Romane werden seit 2010 mit Stephen Tompkinson in der Hauptrolle verfilmt, und auch in Deutschland hat sich inzwischen eine recht stabile Fangemeinde gebildet. Das liegt sicher nicht nur an ihm, es liegt auch an der immer rauen, nasskalten, eben sehr britischen Atmosphäre dieser Filme.

Banks treiben andere Dinge um als die bei einem Mädchen gefundene Waffe

Das ist auch in dieser Doppelfolge so – über deren melodramatischen Titel „Die Wiege des Bösen“ man gnädig hinwegsehen sollte. Banks erfährt, dass im Kinderzimmer der Nachbarstochter Tracy eine Schusswaffe lagert. Was dann folgt, erscheint auf den ersten Blick komplett übertrieben: Nur weil eine geladene Waffe auf dem Kleiderschrank eines Kinderzimmers liegt, muss gleich ein Sonderkommando anrücken und das Haus gestürmt werden? Egal, bei dem Einsatz geht einiges schief, jemand wird mit einer Taser-Waffe außer Gefecht gesetzt. Interne Ermittlungen beginnen, ob das nicht alles besser hätte laufen können.

Derweil stellt Banks fest, dass die sichergestellte Waffe erst kürzlich benutzt wurde. Er weiß hier weniger als der Zuschauer: Denn der hat am Anfang gesehen, wie ein Auto auf nächtlicher Straße von einem anderen Auto abgedrängt, der Fahrer nach Stillstand der Fahrzeuge windelweich geprügelt und schließlich erschossen wurde. Mit welcher Waffe, dürfte klar sein.

Aber das weiß Banks eben nicht. Ihn treiben andere Dinge um. Zum Beispiel, dass seine Geliebte Annie nun die internen Ermittlungen leitet und damit für Unfrieden unter den Polizisten sorgt. Oder, viel gravierender noch, dass seine Tochter in all diese Dinge verwickelt ist. Denn Tracy Banks, deren Darstellerin auf den schönen Namen Lily Loveless hört, war mit der Nachbarstochter befreundet, kennt deren Ex-Freund und hat nun nichts Besseres zu tun, als ihn über den Fund der Waffe zu informieren.

Wie viele Kriminalgeschichten ist auch diese rund um das menschliche Urthema der Familie gebaut. Die Handlung wirkt manchmal etwas verwickelt, und die notorisch zurückhaltenden britischen Schauspieler scheinen oft auch etwas überfordert von der Tragödie, die hinter allem steckt. „Die Wiege des Bösen“ ist solide gefilmt und langweilt selten. Aber allzu weit über dem Durchschnitt liegt sie nicht.

„Inspector Banks: Die Wiege des Bösen“, heute, 23.25 Uhr, ZDF.neo