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Weltweites Lob für neue RTL-Serie „Deutschland 83“

Allzeit bereit: Martin Rauch (Jonas Nay) arbeitet für die Machthaber auf der anderen Seite der Mauer

Foto: Quantum Jump / RTL / Nik Konietzny

Allzeit bereit: Martin Rauch (Jonas Nay) arbeitet für die Machthaber auf der anderen Seite der Mauer Foto: Quantum Jump / RTL / Nik Konietzny

Das Autorenpaar Anna und Jörg Winger hat „Deutschland 83“ für den Privatsender erdacht. Heute Start.

Wohl noch nie ist eine RTL-Serie mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht worden wie „Deutschland 83“. In acht Teilen – heute laufen die ersten zwei – wird die Geschichte vom Volksarmee-Soldaten Martin Rauch (Jonas Nay) erzählt, der als Spion bei der Bundeswehr eingeschleust wird. Die unter anderem mit Maria Schrader, Ulrich Noethen, Sylvester Groth und Jens Albinus hochkarätig besetzte Serie wurde von der „New York Times“, dem Fachblatt „Variety“ und dem „Guardian“ über den grünen Klee ­gelobt.

Die Idee dazu stammt von Anna und Jörg Winger. Wenn man sich mit der Drehbuchautorin und dem Produzenten unterhält, ist das ein bisschen wie Feuer und Wasser. Sie stammt aus Boston, hat einen Roman und das Drehbuch zu mehreren Folgen von ­„Soko Leipzig“ geschrieben und ist ausgesprochen temperamentvoll. Im ­Gespräch wechselt sie vom Deutschen ins Amerikanische und wieder zurück, manchmal mitten im Satz. Ihr bei der Ufa arbeitender Ehemann ist dagegen die Ruhe in Person. Er hat zahllose Folgen der „Soko Leipzig“ produziert, für „Deutschland 83“ aber mit ihr zusammen am Drehbuch gefeilt.

Hamburger Abendblatt: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Anna Winger: Generell interessieren mich die 80er-Jahre. Ich war Ausländerin hier, die Zeit vor und nach der Wende und die Situation haben mich fasziniert. Wir haben zwei in Berlin geborene Kinder und haben immer darüber diskutiert, wie wir ihnen die Geschichte ihrer Stadt und ihres Landes erklären sollen.

Jörg Winger: Ich war damals Funker in Daun in der Eifel, in der Serie ist das der Heimatort von General Edel. Ich habe dort im letzten Jahr, bevor die Mauer gefallen ist, die Russen in der DDR ­abgehört. Zu bestimmten Feiertagen wurden wir von der anderen Seite auch schon mal namentlich gegrüßt. So wussten wir, irgendjemand von uns gibt die Informationen nach drüben weiter. Es gab einen Maulwurf. Es war absurd und lustig. Angst hatte man nicht. Wir haben lange darüber nachgedacht, wie man das filmisch verwerten kann.

Anna Winger : Uns hat hier die Perspektive des Antihelden interessiert. Gute Menschen machen schlimme Sachen, weil sie glauben, es für eine gerechte Sache zu tun. Sie glauben nicht, dass es gut sei, jemanden zu töten, aber sie verteidigen ihre Sache. In unserer Serie arbeiten ­alle unsere Helden bei der Stasi. Sie glauben an das System, in dem sie aufgewachsen sind. Für sie ist das eine Leidenschaft, sie glauben, sie schaffen so eine bessere Welt.

Wie lange hat die Arbeit an der Serie ­gedauert?

Anna Winger: Ich habe die erste Folge im Dezember 2013 geschrieben. Im Dezember 2014 waren wir mit den Dreharbeiten fertig.

Das ist enorm schnell.

Jörg Winger: Die Zeit war einfach reif für so eine Geschichte, bei der man mit dem Helden auf die Reise gehen kann. Nico Hofmann und ich haben sie als Erstes zu RTL getragen. Frank Hoffmann war gerade neuer RTL-Chef geworden und wollte im Bereich Premium-Serie ein Zeichen setzen. Uns haben der Mut und der Entscheidungswille des Privatsenders überrascht.

Wo waren Sie beide im Jahr 1983?

Jörg Winger: Ich war in der Eifel und habe auf irgendwelchen Partys zu „99 Luftballons“ getanzt. Die Angst vor einer nuklearen Eskalation habe ich nur am Rande mitbekommen, denn ich war noch zu jung, um auf Friedensdemonstrationen zu gehen. Aber man spürte, dass es ein besonderes Jahr war.

Anna Winger: Ich komme aus Boston, lebte aber gerade in Mexiko. Meine Eltern sind Ethnologen. Sie haben dort eine ­Recherche gemacht. Wir haben dort aber auch viel deutsche Musik gehört, Nena, Falco, Peter Schilling. Ich war nie in Deutschland, bevor ich meinen Mann kennengelernt habe. Das war in Chile. Die Musik war ein Anfangspunkt für uns. Ich schreibe jetzt eine neue Serie für BBC America. Es wird eine ­Mischung aus Thriller und Familiendrama und spielt in Berlin.

Jörg Winger: Wir haben aber schon angefangen, an „Deutschland 86“ zu arbeiten. Die Serie war von Anfang an als Trilogie gedacht. Wir wollen bei der Nuklearangst beginnen und zeigen, wie im Jahr 1989 alles friedlich endet.

In letzter Zeit kommt es wieder zu Konflikten zwischen West und Ost. Ist der Kalte Krieg endgültig vorbei?

Jörg Winger: Er kommt nicht zurück. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Im Moment stelle ich mir die Frage, ob womöglich eher eine Variante des Zweiten Weltkriegs zurückkommt. Die USA, Russland und Frankreich kämpfen dort Seite an Seite gegen einen gemeinsamen Feind.

„Deutschland 83“, Folge 1 und 2,
Donnerstag, 26.11., 20.15 Uhr, RTL

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