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“Tod nach Ritual“ ist so düster wie sehenswert

Als Präfekt einer Freimaurerloge hat man einiges auszuhalten. Nicht nur intellektuell, sondern auch modisch. Kein Wunder, dass Mateolini (Francois Loriquet) nicht besonders glücklich aus der Wäsche schaut

Als Präfekt einer Freimaurerloge hat man einiges auszuhalten. Nicht nur intellektuell, sondern auch modisch. Kein Wunder, dass Mateolini (Francois Loriquet) nicht besonders glücklich aus der Wäsche schaut

Foto: © Jacques Morell

Arte zeigt den französischen Krimi „Tod nach Ritual“ heute Abend als Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen.

„Mir kommen die Morde vor wie grausame Opferrituale einer Sekte von Teufelsanbetern.“ Drei Tote innerhalb von zwölf Stunden: einer erstickt, einer ertränkt, die letzte verbrannt. Da wird auch dem Ermittler etwas mulmig, obwohl er mit einem Grinsen seine gerade aufgestellte Theorie wieder ins Reich der Mythen zurückstellen möchte. Aber tatsächlich sind die Verbrechen keine impulsiven Beziehungstaten, keine Morde aus Leidenschaft: Alle drei sind auf die gleiche Weise drapiert worden, in einem Feuerkreis, mit einem blauen Schleier über dem Gesicht. Und als ob das noch nicht reichen würde, waren alle drei Freimaurer. Und die Umstände ihres Todes deuten ebenfalls auf die gern von Verschwörungstheoretikern bemühte mehr oder minder geheime Organisation hin.

„Tod nach Ritual“ heißt der französische Krimi, den Arte heute als Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen zeigt. Regisseur Olivier Guignard und den Drehbuchautoren Jean-Luc Gaget und Nathalie Hertzberg ist mit ihrem Film ein spannendes Verwirrspiel gelungen, bei dem man nicht nur als Zuschauer lange im Dunkeln tappt.

Auch die ermittelnden Kommissare Bastien Bénita (Eric Elmosnino, „Verstehen Sie die Béliers?“) und seine Vorgesetzte Clara Valère (Florence Loiret Caille) stehen im Wortsinn im Finsteren: Paris erscheint in diesem Krimi als Ort der Nacht, maximal des Zwielichts. Kaum einmal sieht man die Sonne, die Farben sind erdig, düster. Die Kommissare, sie sind wirklich nicht zu beneiden. Morde, Geheimnisse, Intrigen, Nachtarbeit, Gespräche in fensterlosen Kellerräumen, dazu ein gerüttelt Maß persönlicher Probleme. „Tod nach Ritual“ ist so noir, wie es (fast) nur französische Kriminalfilme sein können.

Und die Verdächtigen sind ebenso undurchsichtig wie alles andere: extreme Rechte, rivalisierende Logen, selbst hohe Kreise der französischen Politik scheinen infrage zu kommen. Die Freimaurer selbst wollen von einer Verwicklung in den Fall zunächst nichts wissen: „Das einzige Geheimnis, das man bei uns aufdecken kann, ist, dass wir keine Geheimnisse haben“, sagt ein Logen-Bruder reichlich ungerührt. Das klingt zwar gut, aber auch reichlich einstudiert. Und wer mit Geheimsymbolen herumhantiert, obskure Rituale abhält und ganz insgesamt so aus der Zeit gefallen wirkt wie diese Organisation, muss sich nicht wirklich wundern, wenn sich die Ermittler mit dieser lapidaren Erklärung nicht zufriedengeben.

Ein hochrangiger Beamter (Alain Fromager) umgeht derweil sämtliche Dienstwege, um auf die Ermittlungen einzuwirken, und deutet an, dass die gesamte Gesellschaft – auch Politik und Polizei – von Freimaurern durchsetzt ist: Woher er das weiß, was er davon hält und was er nun von Bénita und Valère möchte, wird deutlich weniger klar als das ausgeprägte Interesse, das er für den Fall hegt.

Die Neofaschisten wiederum scheinen geradezu ideale Täter abzugeben: Im Internet bejubeln sie den Tod eines der drei Ermordeten. Sie schießen wild um sich, verletzen Bénita im Laufe einer Razzia, die eine Menge interessanter Entdeckungen nach sich zieht. Aber immer wieder laufen die Ermittlungen ins Leere, fehlen doch wieder Puzzlestücke, um ein Bild der Taten entstehen zu lassen.

Zwischenzeitlich wünschte man sich, dass man vorspulen könnte, um zu spicken, endlich herauszubekommen, was es mit dem „Tod nach Ritual“ auf sich hat.

Andererseits ist man fast enttäuscht, dass die Jagd auf die Mörder – ihre drei Opfer werden übrigens nicht die letzten bleiben – nach gerade einmal 80 Minuten schon wieder vorbei ist. Hier und da hätte man noch mehr erfahren wollen über Helden und Gegenspieler, hätte sich eine etwas ausgeruhtere, detailverliebtere Erzählweise gewünscht, die noch den kleinsten Verästelungen nachgeht.

Aber auch so kann man das Wochenende definitiv viel schlechter einläuten als mit „Tod nach Ritual“. Und ohne zu viel zu verraten: Am Ende wird sogar das Pariser Wetter besser.

„Tod nach Ritual“, Fr 20.15 Uhr, Arte