ZDF-Film

Eine Kommissarin steht in den 70er Jahren ihren Mann

Siggi Thieme (Cornelia Gröschel, r.) hat ihr Ziel, Kriminalkommissarin zu werden, genau im Visier. Nur ihr Umfeld spielt zuerst nicht mit.

Siggi Thieme (Cornelia Gröschel, r.) hat ihr Ziel, Kriminalkommissarin zu werden, genau im Visier. Nur ihr Umfeld spielt zuerst nicht mit.

Foto: ZDF / Julia von Vietinghoff

Im Film „Eine wie diese“ bewirbt sich eine junge Frau für eine Ausbildung zur Kriminalkommissarin und muss gegen Vorurteile ankämpfen.

Hamburg. Es muss nicht immer ein Krimi sein. Das ZDF bietet am Wochenende eine unterhaltsame Alternative an: Siggi Thieme (Cornelia Gröschel) hat endgültig genug. Ihr Job als Sekretärin verlangt von ihr nur die Erledigung der Korrespondenz und Terminabsprachen, lässt ihr aber keine Aufstiegsmöglichkeiten. Das ist ihr zu wenig, sie möchte ihr Leben interessanter gestalten. Also bewirbt sie sich für eine Ausbildung zur Kriminalkommissarin. Das ist Anfang der 70er-Jahre immer noch höchst ungewöhnlich, und sie bekommt auf ihrem Weg dorthin jede Menge Gegenwind. „Eine wie diese“ wird am Sonntag um 20.15 Uhr gezeigt.

„Sie müssen doch wissen, dass es hier nicht so läuft wie freitags beim ,Kommissar‘“, wird Siggi angeblafft, als sie sich bewirbt. Sie wehrt sich tapfer und selbstbewusst. „Die Männer können es zuerst ja auch noch nicht.“ Siggi steht ziemlich allein auf weiter Flur mit ihrem Wunsch, wird aber zur dreimonatigen Ausbildung angenommen, in der sie auch psychologisches Gespür entwickeln soll.

Genau das lässt ihr Ausbilder vermissen, als er den neuen Kursus mit den Worten begrüßt: „Jetzt können also auch Damen den Dienst bei der Kripo ausüben. In der Theorie ist das ja alles schön und gut, aber jetzt wollen wir mal sehen, ob sich das auch in der Praxis umsetzen lässt.“ Siggi soll ihren „Mann“ stehen.

Sie ist gut, nur ihr privates Umfeld ist nicht einverstanden. Ihr Vater (Peter Heinrich Brix), der selbst als Polizist arbeitet, ist wie vom Donner gerührt. Er nennt sie immer noch „meine Lüttsche“, was sowohl Zuneigung und eine Portion Nicht-für-voll-Nehmen einschließt. Aber die Ausbildung will er ihr in schlechter alter Machomanier verbieten: „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, tust du, was ich sage.“

Aber sie lässt nicht locker und weist ihn per Retourkutsche darauf hin, dass er ihr schon das Gymnasium verboten hat. Als sie ausziehen will, droht ihre Mutter (Steffi Kühnert): „Du kommst nicht bei Jürgen unter, das ist nicht anständig.“ Ihren Verlobten Jürgen (Marlon Knittel) will Siggi zwar heiraten, aber der hat ebenfalls Probleme mit dem Berufswunsch seiner Freundin.

Ein bisschen kommt einem das Deutschland in diesem Film vor wie ein fernes Land. Die Sekretärinnen arbeiten an mechanischen Schreibmaschinen, politische Aktivisten haben Häuser besetzt, die Ölkrise liegt in der Luft, das Wort Emanzipation gibt es zwar schon, aber die Umsetzung ist ausgesprochen mühselig. Männer sagen zu Frauen „mein Frollein“, wenn sie sie zurechtweisen wollen.

Meriko Gehrmann hat ein lebensnahes Drehbuch mit knackigen Dialogen geschrieben. Franziska Buch hat es mit viel Lust am 70er-Jahre-Look umgesetzt. Dazu passt der zeitgeistige Soundtrack mit Songs von Jimi Hendrix, James Brown, Eric Clapton und Gilbert O’Sullivan. Cornelia Gröschel überzeugt als selbstbewusste Kämpferin, aber auch Peter Heinrich Brix gefällt als pullunderiger Tochternichtversteher.

Einen zusätzlichen Reiz bekommt dieser Film, der in der Reihe „Herzkino“ läuft und mit bemerkenswert viel Verstand gemacht ist, durch seine Hintergründe. Regisseurin Buch ist selbst Tochter einer der ersten Kriminalkommissarinnen in Deutschland. Ihre Mutter war allerdings bereits in den 50er-Jahren bei der WKP (weibliche Kriminalpolizei) in Stuttgart.

„Ich wäre nicht darauf gekommen, daraus einen Film zu machen“, sagt Buch. „Für mich war es immer normal, so eine Mutter zu haben. Erst über die Arbeit an diesem Film ist mir bewusst geworden, was für eine Pionierin sie war. Meine Mutter war ein Rollenmodell für mich und total anders als die Mütter meiner Freundinnen.“

Die Dreharbeiten hatten für Buch Nebenwirkungen. Zum einen ist ihr wieder aufgefallen, wie spießig die 70er-Jahre waren. Zum anderen ist in ihr, die erfolgreich Kinder- und Familienfilme wie „Käthe Kruse“ oder „Hier kommt Lola“ abgeliefert hat, ein Wunsch erwacht. „Ich hätte unheimlich Lust, mal einen ,Tatort‘ zu inszenieren, schon allein, um die Familientradition fortzusetzen.“ Manchmal muss es wohl doch ein Krimi sein.

„Eine wie diese“ So, 20.15 Uhr, ZDF