Jubiläum

20 Jahre Lokalfernsehen aus Hamburg für Hamburg

Michael Schmidt war in den Anfangstagen Moderator des „Frühcafés“ bei Hamburg 1, heute ist er Chefredakteur

Michael Schmidt war in den Anfangstagen Moderator des „Frühcafés“ bei Hamburg 1, heute ist er Chefredakteur

Foto: Klaus Bodig

Am 3. Mai feiert Hamburg 1 Geburtstag. Michael Schmidt, Chefredakteur und Geschäftsführer, stand schon 1995 vor der Kamera.

Hamburg.  An die allererste Sendung von Hamburg 1 kann sich Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Schmidt noch gut erinnern – obwohl sie nun schon 20 Jahre zurück liegt. Er war – nach dem Ersten Bürgermeister Henning Voscherau – das erste Gesicht, das die Zuschauer am 3. Mai 1995 zu sehen bekamen, als sie den neuen Lokalsender einschalteten, Schmidt moderierte das „Frühcafé“, bis heute eine Konstante im Programm von Hamburg 1.

Sendebeginn war um sechs Uhr morgens, aber „an dem Tag war ich schon um kurz vor Drei da“, sagt Schmidt. Und er war nicht der Erste, wie er erzählt. Es sollte nichts schief gehen am ersten Tag. Deswegen – „das war lange ein gut gehütetes Geheimnis“ – hatte man den symbolischen Knopfdruck von Voscherau auch schon am Vortag aufgezeichnet, deswegen hatten sich fast alle Sendermitarbeiter zu nachtschlafender Uhrzeit aus dem Bett gequält oder hatten den Schlaf gleich ganz ausgelassen: „Als wir dann auf Sendung gegangen sind, war unglaublich viel los im Hintergrund, ich konnte mich kaum konzentrieren.“ Fast alle Sendermitarbeiter wollten live beim Startschuss dabei sein, so viel Publikum hatte er danach nie wieder. Es herrschte Aufbruchsstimmung, nicht nur bei den Mitarbeitern.

Live-Formate sind „Teil der DNA“ vom privaten Sender

Frank Otto, Time Warner und der Axel Springer Verlag waren die Gründungsgesellschafter. Und besonders der amerikanische Medienkonzern „dachte, jetzt bricht ein goldenes Zeitalter an“. Denn in den USA waren Lokalsender ein profitables Geschäft, und in den Untersuchungen, die Hamburg 1 einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe prognostizierten, setzte man stillschweigend voraus, dass der deutsche Fernsehmarkt in etwa äquivalent funktionieren würde. Wenn Schmidt heute von den hochfliegenden Plänen der 90er-Jahre erzählt, lacht er. Und ist mehr als nur ein wenig stolz, das sieht man ihm an. Hat es Hamburg 1 doch geschafft, sich zu behaupten gegen Zahlen, die weit hinter dem avisierten Ziel von 30 Millionen Mark blieben, die erst nach zehn Jahren aus dem roten in den schwarzen Bereich wechselten. Und gegen diverse Wechsel im Hintergrund, die auch Wechsel im Programmschema mit sich brachten.

Über die Jahre ist aus dem Zweitverwerter von Super RTL-Programmen oder Inhalten der längst zerschlagenen Kirch-Gruppe ein echter Lokalsender geworden, über den sein Chefredakteur sagt: „Wenn Hamburger etwas sehen wollen, kriegen sie es bei Hamburg 1.“ Ob Wahlkampf oder Olympia-Bewerbung, Hafengeburtstag oder Blue Port, Hamburg 1 versucht immer, das Leben in der Stadt einzufangen und abzubilden. Und je größer das Ereignis, desto länger die Sendung: Die erste Live-Strecke in Überlänge produzierte man im Juli 2004, als die „Queen Mary 2“ zum ersten Mal den Hamburger Hafen besuchte: „Wir haben damals 26 Stunden lang alles gemacht, vom Ein- bis zum Auslaufen.“ Das sei zwar ein immenser logistischer Aufwand, doch die ganz großen Live-Formate sind inzwischen „Teil der DNA“ von Hamburg 1. Zu den Kronjuwelen des Senders gehört für Schmidt auch sein Politikchef, Herbert Schalthoff: „Für mich ist das fast eine öffentlich-rechtliche Aufgabe, so eine Institution zu haben, jemanden, der so geachtet ist, der eine so hohe Glaubwürdigkeit hat, so authentisch ist. Schalthoff ist Hamburg 1.“

Elton und Oliver Geissen und Caroline Beil gehören zur Geschichte

Der runde Geburtstag wird sich natürlich auch im Programm widerspiegeln: „Wir versuchen am Sonntag, das Programm vom 3. Mai 1995 so weit es geht aus dem Archiv zu holen. Außerdem zeigen wir eine Woche lang jeden Tag um 15 Uhr ,Dieter live – Der echte Dieter’, eines unserer damaligen Highlights.“ Sportchef Uli Pingel wird in Interviews mit seinem Chef, mit Herbert Schalthoff und ehemaligen Moderatoren seinen Teil zum 20. Geburtstag beitragen: Elton und Oliver Geissen, Caroline Beil und Ralph Szepanski gehören alle zur Geschichte des Senders, sie sollen die Chance bekommen, ihre liebsten Anekdoten aus den zurückliegenden 20 Jahren zu erzählen.

Bloß der Chefredakteur, der tut sich schwer: „Das sind so viele Sachen, an die ich mich gern erinnere, da kann ich mich schwer beschränken.“ Daneben erlauben die „Hamburg 1 Classics“ einen Blick in die Vergangenheit des Senders, „eine echte Wundertüte“, wie Schmidt verspricht. Und ein Blick in eine Zeit, die andere Herausforderungen mit sich brachte als die Gegenwart. Der Medienwandel, der zunehmende Einfluss des Internets ist auch an Hamburg 1 nicht spurlos vorbei gegangen: „Wir müssen unseren crossmedialen Ansatz stärken, aber unserem Konzept treu bleiben“, sagt Schmidt. Das heißt für ihn, weiterhin auf lokale Inhalte und Kompetenzen zu setzen: „Wir werden nicht irgendetwas senden, was lediglich Reichweite bringt, aber an unserem Markenkern vorbei zielt.“

Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein hat die Lizenz des Senders gerade um zehn Jahre verlängert. Und wenn es nach Michael Schmidt geht, wird Hamburg 1 auch die kommende Dekade nutzen, um „mit Hamburg-Inhalten zu punkten.“