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Neue Filme für junge Leute in Hamburg

Ohne Gedächtnis und in großer Gefahr: David Kross in „Boy7“. Der Kinostart ist der 30. Juli

Ohne Gedächtnis und in großer Gefahr: David Kross in „Boy7“. Der Kinostart ist der 30. Juli

Foto: Hamsterfilm

Die Produktionsfirma Hamster ist von Leipzig nach Hamburg gekommen, um auch mit Kindern zu drehen. Spannendes Projekt am Jahresende.

Hamburg.  Häufig geht es umgekehrt. Da lassen Filmschaffende mit dem Ausdruck großen Bedauerns Hamburg hinter sich und schlagen ihre Zelte in Berlin auf, weil angeblich alle anderen auch schon dort sind. Aber es geht auch anders. Die Produktionsfirma Hamster Film kam ursprünglich aus Leipzig, fand aber Gefallen an den Rahmenbedingungen in der Hansestadt und hat sich vor einem Jahr hier niedergelassen. Im Sommer soll ihr erster Kinofilm an den Start gehen, im Herbst wollen sie die erste Fernsehserie drehen, eine internationale Koproduktion.

„,Sputnik’ war unser Einstand“, erinnert sich Dorothe Beinemeier, die zusammen mit ihren Kollegen Leontine Petit und Joost de Vries Hamster leitet. Der originelle Kinderfilm erlebte im letzten Jahr auf dem Filmfest Hamburg seine Premiere beim Michel Filmfest. Der Saal im Cinemaxx war ausverkauft, fast alle Schauspieler waren gekommen, hinterher gab es ein langes Gespräch zwischen Filmemachern und Publikum. Dieser Empfang hatte die Filmemacher beeindruckt. Und nicht nur das. „Wir sind mit unseren Filmen immer weder bei Hamburger Regisseuren gelandet. Außerdem wollten wir näher an unseren skandinavischen Produktionspartnern dran sein“, begründet Beinemeier den Umzug aus Leipzig nach Hamburg, wo die Firma nun in der Gaußstraße ihren Sitz hat.

Hamster Film wurde 2011 als Schwesterfirma der niederländischen Lemming Film gegründet, die seit 20 Jahren erfolgreich im Nachbarland Kinderfilme und -serien produziert. In Hamburg ist gerade „Boy7“ abgedreht, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mirjam Mous. Ben, gespielt von David Kross („Der Vorleser“), erwacht in einer U-Bahn-Station. An nichts kann er sich mehr erinnern, aber er muss in großer Gefahr sein, denn sein Fahndungsbild wird in den Nachrichten gezeigt. Mit dabei in diesem Jugend-Thriller ist außerdem Emilia Schüle („Freche Mädchen“), inszeniert hat den Film der Hamburger Regisseur Özgür Yildirim („Chiko“, „Blutzbrüdaz“). Im Juli soll das Werk in die Kinos kommen, vorher noch auf einigen Festivals laufen.

Ziemlich spannend klingt ein Projekt, das Ende des Jahres gedreht werden soll. „Heirs of the Night“ – Erben der Nacht – heißt es und ist eine historische Vampirserie. Es geht um die letzten sechs Vampir-Clans, die über Europa verteilt sind. Sie müssen sich zusammentun, um überleben zu können. Zentrale Figur ist das Vampirmädchen Alisa, das in der Speicherstadt lebt und von dort aus auf einem Schulschiff, einer Art Arche Noah, die Länder bereist, um die anderen Clans zu treffen. Die Serie spielt Ende des 19. Jahrhunderts und geht auf Romane von Ulrike Schweikert zurück. Ein Team von internationalen Drehbuchautoren hat die Geschichte umgesetzt. Geplant ist sie als deutsch-norwegische Koproduktion, als Sender sind der NDR und ZDF Enterprises mit an Bord. Beinemeier kündigt die Serie als „Eine Art ,Game of Thrones’ für Kids ohne Sex und Gewalt“ an. Neben den jugendlichen Hauptdarstellern sollen mehrere bekannte Stars Gastauftritte als Vampire haben. „Ein bisschen gruseln ist schön“, ist sich die Produzentin sicher.

Um die Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Wolf soll es im Hamster-Film „Wolf“ gehen, den Hüseyin Tabak nach einem Originaldrehbuch von Eva von Schirach drehen will. Bisher gehen die Stoffe für Kinder- und Jugendfilme häufig auf bekannte Vorlagen zurück. Bei Hamster scheint man bereit zu sein, auch andere Wege zu gehen.

Der erste Film, der auf Dorothe Beinemeier so richtig Eindruck machte, war „Stand By Me“. Vier Freunde erleben darin die letzten Tage ihrer Kindheit. „Ich war beeindruckt davon, was Kino aus einem macht“, erinnert sich die Produzentin, die aus Eschwege in der Nähe von Kassel stammt. Später machte sie ein Praktikum bei der renommierten Berliner Produzentin Regina Ziegler. Studiert hat sie an der HFF in Potsdam, drehte dort selbst zahlreiche Kurzfilme. Jetzt will die Frau, die von sich sagt, sie sei kreativ, müsse aber immer „das Ganze im Auge behalten“, von Hamburg aus Kino und Fernsehen für ein junges Publikum machen. Beinemeier hat früh darüber gestaunt, was Kino aus ihr gemacht hat. Es wird spannend sein zu sehen, was sie aus dem Kino macht.

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