Plattino

„Haben Frau Atalay den Preis nicht aberkannt“

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Foto: pa/Stephan Goerl/dpa

Knackpunkt Tagesthemen: Da Pinar Atalay am 11. April für die ARD die Nachrichten verlesen soll, muss die Moderatorin auf die Auszeichnung eines türkisch-deutschen Vereins verzichten. Dieser rechtfertigt den Schritt.

Hamburg. Im Streit um die Nominierung der Tagesthemen-Moderatorin Pinar Atalays zum diesjährigen Plattino-Preis des Vereins Türkisch-Deutsche Studierende und Akademiker Plattform (TD-Plattform) hat sich nun der Stifter der Auszeichnung zu Wort gemeldet und dabei versöhnliche Töne angeschlagen.

„Frau Atalay wurde der Preis nicht aberkannt“, sagte TD-Präsident Caner Aver dem Abendblatt. Es handele sich um ein Missverständnis, welches der Verein sehr bedauere. Atalay sei schriftlich über die Vergabepraxis der Plattino-Jury informiert worden. Diese sehe unter anderem vor, dass der Preisträger bei der Verleihung persönlich anwesend sei.

Da Atalay am Tag der Veranstaltung die ARD-Tagesthemen moderieren müsse, habe der Verein sogar versucht, die Gala einen Tag vorzuverlegen, so Aver. Auch die Möglichkeit einer Videobotschaft sei Atalay angeboten worden. Letztendlich habe die PT-Plattform beschlossen, Pinar Atalay den Preis stattdessen im nächsten Jahr zuzusprechen, wenn der Verein sein zehnjähriges Bestehen begehe.

Dieser Rahmen sei ohnehin würdiger, „da Frau Atalay die TD-Plattform bereits zu ihren Anfangszeiten stets unterstützt hat“, rechtfertigt Aver den Entschluss. Das langjährige Engagement der 36-Jährigen hob der Präsident noch einmal gesondert hervor: „Dafür danken wir Ihr nochmals ganz herzlich und Bedauern umso mehr die aktuelle Situation.“

NDR-Journalistin Atalay hatte sich öffentlich über einen Schlingerkurs bei der Preisvergabe beklagt und sich vor allem geärgert, dass offenbar ihr Einsatz für die Tagesthemen die Auszeichnung verhindert habe. Außerdem fragte Atalay, weshalb sie überhaupt nominiert wurde. „Ich werde es nie erfahren. Denn nun bekomme ich den Preis doch nicht, er wird wieder aberkannt“, schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite.

„Atalay ist Vorbild und macht Mut“

Die Begründung lieferte die TD-Plattform nun ebenfalls nach. „Sie ist Vorbild und macht Mut, dass man mit Talent und Fleiß in diesem Land vorankommen kann“, sagte Caner Aver über die Deutsch-Türkin Atalay, die in Hamburg lebt und unter anderem seit März 2014 die Tagesthemen moderiert.

An der Anwesenheitspflicht der Preisträger sei allerdings nicht zu rütteln. „Durch die Preisvergabe sollen junge Menschen motiviert werden, ihren eigenen Lebensweg ehrgeizig und zielstrebig, wie am Beispiel von Frau Atalay, selbst zu zeichnen und zu gestalten“, sagt der TD-Vorsitzende. „Die Präsenz der Preisträger ist vor diesem Hintergrund immens wichtig, weil gerade dadurch junge Menschen die Möglichkeit bekommen, mit ihren Vorbildern persönlich ins Gespräch zu kommen, ihnen Fragen zu stellen, sie ‚live‘ zu erleben und dadurch für den eigenen Werdegang einen positiven Impuls zu erhalten.

Schon Gerhard Schröder erhielt Plattino-Preis

Mit dem Plattino-Preis zeichnen die ehrenamtlichen Mitglieder der TD-Plattform seit 2009 Persönlichkeiten aus, die sich nach eigenen Angaben „in herausragender Weise für die deutsch-türkischen Beziehungen einsetzen und damit einen wesentlichen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen und der Integration der türkischstämmigen Zuwanderergemeinde in Deutschland leisten“.

Erster Preisträger war der heutige Gründen-Bundeschef Cem Özdemir, darauf folgten Altkanzler Gerhard Schröder und im vergangenen Jahr Comedian Bülent Ceylan und RTL-Moderatroin Nazan Eckes. Wer für die angedachte Preisträgerin Atalay bei der Verleihung am 11. April in Düsseldorf nachrückt, steht noch nicht fest.

( (jd) )

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