„Tatortreiniger“

Autorin kann sich einen großen Schotty-Film vorstellen

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Mizzi Meyer ist das Phantom im Team der NDR-Kultserie „Der Tatortreiniger“. Im Abendblatt spricht die Drehbuchautorin über die Entstehung der neuen schrägen Episoden und die Zusammenarbeit mit Bjarne Mädel.

Von den Fans lange erwartet, gibt es ab Mittwoch acht neue Folgen der Serie „Der Tatortreiniger“. Bjarne Mädel wird sich wieder in seinen Overall stürzen, den Putzteufel geben und dabei so manchen lebensklugen Ratschlag erteilen. Matthias Brandt, Fritzi Haberlandt, Dittsche und Barbara Nüsse werden zu Gast sein, eine Folge ist nur in Reimen geschrieben, und einmal reist Schotty zur „Wattolümpiade“ nach Brunsbüttel. Zum Kern des Teams gehört neben Regisseur Arne Feldhusen auch Drehbuchautorin Mizzi Meyer. Mädel und Feldhusen schwärmen von der Zusammenarbeit mit ihr. Sie hält sich bedeckt, taucht in der Öffentlichkeit nicht auf. Angeblich ist Mizzi auch nur ein Pseudonym, im wahren Leben könnte sie Theaterautorin sein. Vielleicht ist sie Österreicherin. Dem Abendblatt beantwortete sie, natürlich inkognito, Fragen über ihre Arbeit.

Hamburger Abendblatt: Arne Feldhusen hat die Entstehung der Drehbücher so beschrieben: Wir (Arne, Bjarne, Mizzi) machen ein Brainstorming. Sie geht dann nach Hause und schreibt etwas völlig anderes. Ist das so?

Mizzi Meyer: Eine Anfangsidee ist für mich der Startpunkt, vom dem ich aus gedanklich loslaufe. Die eigentliche Entwicklung findet beim Schreiben statt. Erst dann merke ich, ob eine Idee genug hergibt; ich probiere verschiedene Situationen mit dem Thema aus, stelle Schotty verschiedene Sparringspartner gegenüber, um herauszufinden, welche Figur geeignet ist, ihn so zu provozieren, dass er etwas von sich preisgibt, und mache szenische Versuchsanordnungen, indem ich das Thema in unterschiedliche Lebenswelten setze. Also zum Beispiel kann ja das Thema Todesangst in einer Arztpraxis erzählt werden, in einem U-Boot oder wie in der Folge „Carpe diem“ in einer kafkaesken Behörde. Das alles sind Dinge, die ich am Anfang noch nicht weiß, auch nicht wissen kann, denn genau das rauszufinden ist ja die eigentliche Arbeit. Deswegen kann ich tatsächlich am Anfang noch nicht sagen, wo das Ganze hingeht.

Sie haben eine Folge geschrieben, die komplett aus gereimten Dialogen besteht. Welche Experimente können Sie sich noch für das Format vorstellen?

Meyer: Eine ganze Menge. Das ist eben die Herausforderung, immer wieder Neues zu machen. Es muss für einen jedes Mal selber überraschend und neu sein, sonst langweilt man sich und die Zuschauer.

Im Prinzip ist der „Tatortreiniger“ in seiner jetzigen Form ein Kammerspiel. Kann man das Format zeitlich und inhaltlich noch erweitern, oder liegt in der kurzen Form gerade der Reiz?

Meyer: Ich mag das Format sehr. Das Kurze, Hingeworfene, das hat so etwas von Randnotiz, von Schnappschuss. Arne, Bjarne und ich haben ein gemeinsames Faible für die Ästhetik des Nebenbei-Erzählens. Das herzustellen ist ein hoch artifizieller Vorgang. Beispielsweise zähle ich beim Schreiben die Silben ab, damit es vom Rhythmus passt, Arnes Bild-Raum-Bewegungskompositionen sind bis ins kleinste Detail arrangiert, und hinter der Schnoddrigkeit von Schotty steckt ein Schauspieler, der schauspielerische Vorgänge sehr genau zerlegt und auslotet. Also jeder arbeitet mit einem Maximalaufwand an Präzision daran, dass es am Ende so rüberkommt, als wäre jemand gerade mit einer Kamera vorbeigelaufen und hätte eher zufällig ein Gespräch aufgezeichnet. Das gefällt mir, und dazu passt auch das kleine Format. Grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass es irgendwann auch einen großen Schotty-Film gibt, aber im Moment habe ich das Gefühl, dass dieses Halbe-Stunden-Format noch viel erzählen kann.

Sonst arbeiten Sie als Theaterautorin, heißt es. Das ist ein seltener und schwerer Beruf, wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdienen will. Haben Sie Ihr Pseudonym gewählt, weil Sie Sorgen haben, die Arbeit fürs Fernsehen und die für das Theater könnten sich in die Quere kommen?

Meyer: Jetzt heerts oba moi auf! Immer des Gerücht, dass i doch in echt a Pseudonym wär, des macht mi langsam fuxig! I moan, des müasst i dann doch wissen oder? Und den, der wo mi erfunden hätt, den müasst i dann doch kennen. So ein Schmarrn.

Das Mediengeschäft ist voll von frustrierten Drehbuchautoren, die sich darüber ärgern, dass sie relativ unbekannt im Hintergrund bleiben. Sie verzichten freiwillig darauf, den Ruhm für Ihre Arbeit einzustreichen. Warum?

Meyer: Wei so grosse Partys und so wos….naaa, des is nix fia mi. Do san dann de ganzen Grosskopferten, und i kenn de alle net, und dann muasst wissen, welche Gabel ghört für was zum Essen und welcher Gatte ghört zu welcher Gattin – na, des bin i net. Ausserdem, i sog, wias is: I hob de letzte Zeit ganz schee zuaglegt und so rausgfuattert mogst di ja net in da Zeitung sehn, oder?

„Der Tatortreiniger“, 22.00 Uhr, NDR