Hamburger Talkshow

Nina Lauterbach ist die bessere Sarah Kuttner

Die Hamburgerin produziert seit mehr als einem Jahr ihre Talkshow „Lauterbach – Essen Trinken Geile Leute“. Das neue ZDFneo-Format „Kuttner plus zwei“ sieht dem Hamburger Original zum Verwechseln ähnlich

Hamburg. Nina Lauterbach lacht gern. Und laut. Und oft. Die Hamburgerin kann sogar darüber lachen, dass ZDFneo der Ansicht ist, dass zwischen „Kuttner plus Zwei“ und „Lauterbach – Essen Trinken Geile Leute“ keine großen Ähnlichkeiten bestehen. Und tatsächlich gibt es einige Unterschiede zwischen Sarah Kuttners und Nina Lauterbachs Talkshows: Die eine läuft im Fernsehen, die andere nur im Internet. Die eine wird seit gut einem Monat ausgestrahlt, die erste Pilotfolge der anderen steht seit März 2013 online. Und vor allem: Als Nina Lauterbach ihre Idee des intimen Küchentalks im Juli 2013 bei ZDFneo einreichte, bekam sie eine Absage.

Da hatte die gelernte Schauspielerin bereits drei Pilotfolgen produziert, in ihrer klitzekleinen Küche auf St. Pauli. Mit Smudo von den Fantastischen Vier, mit Hugo Egon Balder und mit König Boris von Fettes Brot in seiner Inkarnation als Solo-Projekt Der König tanzt hatte sie sich über Gott und die Welt unterhalten, geraucht, Bier getrunken und – natürlich — gelacht. Darauf gekommen, ein Talkshowformat zu entwickeln, das sich eher am gepflegten Klönschnack zu später Stunde als an einer journalistischen Fragerunde orientiert, ist die 37-Jährige vor gut zweieinhalb Jahren, da fragte sie sich: „Wo will ich hin, was macht mir am meisten Spaß? Und dann bin ich ganz schnell auf reden gekommen, auf Bier trinken und Leute treffen. Und glücklicherweise kenne ich sehr viele interessante Menschen.“ Daran ist Ninas großer Bruder „König Boris“ Lauterbach Schuld. „Fettes Brot gibt es, seit ich 14 oder 15 bin, und ich war oft dabei, bei Auftritten, Tourneen und anderem.“ Schon deshalb überwiegen bei „Lauterbach – Essen Trinken Geile Leute“ die Musiker auf der anderen Seite des schmalen Küchentisches. Nach den drei Pilotfolgen steckt sie aktuell mitten in der ersten Staffel. Sechs Folgen soll die einmal haben, vier sind produziert, drei stehen auch schon online. Die Küche ist mittlerweile eine andere, die feste Rubrik „Verhörraum“, in der Gäste zehn Fragen ganz spontan beantworten müssen, ist neu dazugekommen. Genau wie ein selbst aus Pappmaschee gebasteltes Maskottchen, eine Ziege namens Toddy Collins. Was geblieben ist, ist die Seele des No-Budget-Projekts: Lauterbach geht mit augenscheinlichem Interesse auf ihre Gäste ein, fragt nicht nach den schlagzeilenträchtigsten Dingen, sondern nach denen, die sie persönlich interessieren. Außerdem versucht sie stets – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – ihren Küchenbesuch zum gemeinsamen Umtrunk zu ermutigen. Als Zuschauer kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Zaungast bei einem Gespräch unter Freunden zu sein. Oder bei einer kleinen Geburtstagsparty: Ihr Bruder und seine zwei Bandkollegen haben ihr zum Geburtstag einen Kuchen gebacken, dem man deutlich ansieht, warum keiner der Herren im Bäckerhandwerk tätig ist. Den eigenen Bruder zu interviewen, das sei „lustig“ gewesen. „Fettes Brot hätte ich auch eingeladen, wenn es keine verwandtschaftliche Verbindung geben würde.“

Trotz des augenscheinlichen Spaßes, den nicht nur das Team um die Moderatorin und die Gäste haben, sondern auch der Zuschauer, hat sie für „Lauterbach – Essen Trinken Geile Leute“ noch nicht den angestrebten Platz im Fernsehen gefunden. Denn von YouTube-Klicks kann sie weder leben noch ihr Team bezahlen. Aufgeben will sie trotzdem nicht: Diese Sendung sei das denkbar Beste, was sie machen könne.

ZDFneo beharrt darauf, dass man zu dem Zeitpunkt, zu dem das Konzept beim Sender vorgestellt wurde, bereits in der Planung von „Kuttner plus zwei“ gewesen sei, dieser Sendung, die sich Lauterbach „nicht frei ansehen kann“. Beleidigt sei sie aber nicht, „bloß überrascht“. Und statt einen Rechtsstreit mit wenig Aussicht auf Erfolg zu führen, hat sie sich zusammen mit ihrem Team und den Facebook-Fans der Sendung etwas anderes überlegt: Sie haben ZDFneo Hilfe angeboten, „weil es ja so aussieht, als ob ihnen die eigenen Ideen ausgehen würden“. Auf ihrer Facebook-Seite macht Lauterbach verschiedene Verbesserungsvorschläge: Die Moderatorin dürfe zum Beispiel auch selber Alkohol trinken, nicht bloß ihre Gäste zum Trinken animieren. Die Reaktion auf das Nothilfe-Paket fasst Lauterbach mit einem Grinsen zusammen: „Ich vermute, die wollen unsere Hilfe nicht.“ Und dann lacht sie.

Die Show im Internet:

www.essentrinkengeileleute.de

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.