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Ein Vollblutjournalist: Zum Tod von Claus Jacobi

Für seinen Beruf ging er sogar ins Gefängnis. Mit 86 Jahren ist der Hamburger Autor und Journalist Claus Jacobi gestorben. Er war unter anderem Chefredakteur des „Spiegel“ und der „Welt am Sonntag“.

Hamburg/Berlin. Wer für seinen Beruf und seine Berufung ins Gefängnis geht, ist ein Überzeugungstäter. Claus Jacobi war einer. Ein Vollblutjournalist, der berichtete, der erzählte, der kommentierte, der bewegte. Der frühere Chefredakteur des „Spiegel“, der „Welt am Sonntag“ und der „Wirtschaftswoche“, ist in der Nacht zu Sonnabend im Alter von 86 Jahren in Hamburg gestorben.

Vor eineinhalb Jahren starb seine Frau Heike, eine Malerin, die sich für Kinder engagierte, die von schwersten Krankheiten gezeichnet waren. Jacobi und seine Frau liebten ihre Heimat Hamburg, und sie liebten Sylt.

Claus Jacobi ging mit Rudolf Augstein ins Gefängnis, als die Behörden in der sogenannten „Spiegel“-Affäre die Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins in Hamburg durchsuchten und besetzten. Es ging um eine Geschichte über die Bundeswehr (“Bedingt abwehrbereit“), die Jacobi verantwortete.

Am Ende bekamen Augstein und Jacobi recht, der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß trat zurück. Denn es war kein „Spiegel“-, sondern eine Strauß-Affäre.

Jacobi war Jahrzehnte mit dem Medienhaus Axel Springer eng verbunden. 1946 hatte seine journalistische Karriere begonnen: als Volontär und Redakteur beim „Spiegel“ in Bonn und Washington. Von 1962 bis 1968 führte er das Magazin als Chefredakteur gemeinsam mit Johannes K. Engel.

Nach einem Ausflug zum „Stern“ fing der Sohn eines Kaufmanns 1970 bei der „Welt am Sonntag“ an. 1973 kam er zur Chefredaktion der „Wirtschaftswoche“. Von dort aus ging er 1974 erneut zu Axel Springer, wo er an der Redaktionsspitze von „Welt“ und „Welt am Sonntag“ stand. Zuletzt schrieb er als Kolumnist für die „Bild“-Zeitung.

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