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Gustl Mollath attackiert bayerische Justizministerin

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Christoph Rybarczyk

In der Talksendung „Beckmann“ sagt der Hamburger Anwalt Gerhard Strate: „Herr Mollath ist seit siebeneinhalb Jahren freigesprochen.“ Einer neuen psychiatrischen Untersuchung würde Gustl Mollath zustimmen – unter Bedingungen.

Hamburg. Der aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath hat schwere Vorwürfe gegen die bayerische Justiz erhoben und sich gleichzeitig zu einer neuen psychiatrischen Begutachtung bereit erklärt.

In der Sendung „Beckmann“, die die ARD am Donnerstag ausstrahlte, sagt Mollath über die bayerische Justizminsterin Beate Merk (CSU): „Ich sag’ es, wie es ist, auch wenn das jetzt unverschämt klingt: Da ist Hopfen und Malz verloren. Die Statements, die sie vor über einem Jahr abgegeben hat über meine Person und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt.“

Justizministerin Merk hatte Mollath als gefährlich bezeichnet und sich in einer Kehrtwende zuletzt für dessen Freilassung aus der Psychiatrie ausgesprochen. „Grundsätzlich glaube ich, sprach und spricht Frau Merk – im wahrsten Sinne des Wortes – für sich.“

Die Sendung hatte eine überdurchschnittlich hohe Einschaltquote. 1,93 Millionen Zuschauer sahen zu später Stunde zu, was Reinhold Beckmann einen Marktanteil von 14,6 Prozent brachte. Das ist deutlich über ARD-Schnitt. Zum Vergleich: Die Tagesschau am selben Abend hatte einen Marktanteil von 15,7 Prozent.

Mollaths Hamburger Anwalt Gerhard Strate sagte: „Das ist ja das Absurde an dem Fall: Herr Mollath ist schon seit siebeneinhalb Jahren freigesprochen.“ Die Freisprüche wegen „nicht ausschließbarer Schuldunfähigkeit“ seien rechtskräftig. „Es kann sich nichts verändern, dass Herr Mollath jetzt plötzlich schuldig gesprochen wird“, so Strate in der ARD-Talksendung „Beckmann“.

Strate glaubt, dass es bis Ende des Jahres zu einem neuen Verfahren kommen werde. „Ich glaube, die bayerische Justiz wird sich auf dem kürzesten und leisesten Wege aus dem Staub machen.“

Mollath sagte bei „Beckmann“, er schließe nicht aus, sich möglicherweise vor dem Wiederaufnahmeverfahren psychiatrisch untersuchen zu lassen. Dafür gebe es aber Bedingungen. „Wenn überhaupt, dann muss ich mir sicher sein können, dass jemand auf wissenschaftlicher Basis objektiv und wahrheitsgemäß tätig sein kann. Dass er sich keinen Beeinflussungen beugt und die Wahrheit feststellt. Und darüber hinaus möchte ich grundsätzlich drum bitten, dass eine Person meines Vertrauens dabei wäre und eine Aufzeichnung in Wort und Bild ermöglicht wird, die auch mir uneingeschränkt zur Verfügung steht, damit ich jedem zeigen kann, wie ich mich in dieser Situation verhalten habe.“

Unterdessen hat der Filmproduzent Oliver Berben, Sohn von Schauspielerin Iris Berben, Interesse an einer Verfilmung des Falls Gustl Mollath gezeigt. „Ich halte den Stoff für wahnsinnig interessant und auch für verfilmungswert“, sagte der Geschäftsführer der Produktionsfirma Constantin Film zu „Focus Online“. Mollaths Geschichte sei nicht nur „sehr stark“ wegen dessen Persönlichkeit. Sie spiegele auch ein Bild der Gesellschaft wider, weil sie „einen so starken Einfluss über sein Privatleben hinaus genommen hat, nämlich bis in die höchsten Ebenen der Politik“.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) war unter Beschuss geraten, weil die Opposition ihr Fehlverhalten vorgeworfen hatte. Der Fall hatte Auswirkungen bis in den bayerischen Landtagswahlkampf.

Zwischenzeitlich war Gustl Mollath sogar Werbefigur für den Autovermieter Sixt. Doch der Unternehmer Erich Sixt hat sich nach massiver Kritik an einer Werbeanzeige mit Mollath entschuldigt. Sixt stehe seit jeher für eine provokante und polarisierende Werbung, die aktuelle Sachverhalte in satirischer Form aufgreift, teilte Sixt mit. Grundsatz dabei sei jedoch, dass die Betroffenen nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt würden. Diesem Grundsatz sei die in der „Süddeutschen Zeitung“ abgedruckte Werbeanzeige mit dem Porträt Mollaths nicht gerecht geworden. Die Anzeige werde nicht weiterverbreitet.

In der Anzeige hieß es unter einem Porträt Mollaths: „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Mollaths Anwalt Gerhard Strate hatte sich ebenso wie sein Mandant von der Anzeige überrascht gezeigt und presserechtliche Schritte gegen den Autovermieter angekündigt. Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ging auf Distanz zu der Sixt-Anzeige.

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