Dritte Mottoshow

DSDS verliert jetzt auch sein junges Publikum

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Ausgerechnet in der Party-Show sinken Quote und Stimmung weiter in den Keller: RTL muss sich mit einem immer lauter werdenden Abgesang auf das Format „Deutschland sucht den Superstar“ anfreunden.

Hamburg/Köln/Baden-Baden. „Da simmer dabei, dat es prima“ – die karnevalistischen Zeilen, die Kandidat Timo Tiggeler mühsam unter das Partyvölkchen in den Kölner RTL-Studios brachte, können spätestens seit Sonnabend nicht nur in Bezug auf den Gesangsbewerber ins Präteritum verkehrt werden, sondern auch auf „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) selbst. Denn während der 20-jährige Timo (Dieter Bohlen: „Viele singen mit sechs Promille noch besser“) im Anschluss an seinen Auftritt die Koffer in der DSDS-Kandidatenvilla packen musste, scheint auch für den deutschen Vorreiter des TV-Musikcastings die Zeit endgültig abgelaufen.

Mehr denn je kämpfen Vorzeige-Juror Dieter Bohlen und die DSDS-Macher um akzeptable Quoten, denn auch in der als Wiederauferstehung eingeplanten Jubiläumsstaffel wenden sich die Zuschauer in Scharen dem einstigen RTL-Flaggschiff ab. Gerade einmal 3,58 Millionen Zuschauer wagten in der dritten Mottoshow noch einen Blick auf die DSDS-Bühne – mit einem Marktanteil von 12,1 Prozent stand die Castingshow damit bei den Quoten am Sonnabend deutlich hinten an. Zum Vergleich: Die ZDF-Beweihräucherung zum 50-jährigen Senderjubiläum sahen 6,01 Millionen Zuschauer (20,4 Prozent Marktanteil).

Bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen verzeichnete der Kölner Privatsender sogar einen Tiefstwert in zehn Jahren DSDS. Nie sahen weniger junge Menschen Bohlen & Co als die 1,94 Millionen vom Sonnabend. Erstmals war die Castingshow drei Wochen zuvor unter die Zwei-Millionenmarke gerutscht.

Timo Tiggelers Sängerstreich steht letztlich exemplarisch für den Abgesang auf das gesamte „Superstar“-Format. Die „Tokio Hotel“-Zwillinge Bill und Tom – mit denen übrigens, wie auch mit der Hamburger Trash-Queen Olivia Jones als Kandidaten-Mutti, der Versuch gestartet wurde, junges Publikum zurückzuholen – fühlten sich als Juroren bei der Interpretation von „Viva Colonia“ an eine Dorfdisco erinnert. „In Berlin ist Karneval natürlich ne Nullnummer“, klagte Jury-Kollege Mateo in seinem Urteil. Am treffendsten formulierte schließlich Bohlen Timos Problem: „Mit Gesang hat das wenig zu tun“, befand der „Pop-Titan“. Was sich getrost auf das Gesamtkonstrukt „Deutschland sucht den Superstar“ übertragen ließe.