Münster-“Tatort“

Auch "Summ, Summ, Summ" setzt auf Knallchargentum

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Karolin Jacquemain

Von Monsterspinnen und Tulpen-Tattoos: Der gewohnt launige "Tatort" mit Thiel und Boerne blickt am Sonntag ins Schlagermilieu.

Hamburg. In Münster hat man sich von der Verabredung verabschiedet, der "Tatort" sei ein Krimi. Gefragt sind Persiflagen auf das Krimigenre. Geschichten, in denen die Kommissare knietief im Kuhdünger stecken, ohne Hose zum Verhör antanzen und Undercover auf dem Spargelfeld ermitteln. Hübsch harmlos, aber manchmal ganz hübsch anzusehen. Immer sensationell erfolgreich (zuletzt mit 12,11 Millionen Zuschauern) und garniert mit hoher Schenkelklopferdichte.

Auch "Summ, Summ, Summ" setzt auf Knallchargentum und die gewohnten Kabbeleien des Komikerduos Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl). Darüber hinaus erzählt der Film eine ins schrill-melancholisch gebürstete Stalkergeschichte um einen alternden Schlaggerfuzzi und seine weiblichen Hardcorefans. Der Branchendienst "meedia" fühlte sich dabei gar an den Fall Jörg Kachelmann erinnert - was "Tatort"-Autor Jan Hinter sichtlich überraschte: "Wir nehmen uns jedenfalls keine realen Fälle zum Vorbild. Das haben wir noch nie getan."

In der Tat ist der Kachelmann-Bezug ziemlich weit hergeholt - auch wenn das Opfer Claudia S. heißt, und Schnulzengott Roman König (gespielt von Schnulzengott Roland Kaiser) ein ausgefuchstes System ersonnen hat, sich die Konzertstrapazen von wechselnden Geliebten versüßen zu lassen. Fritzi Haberlandt spielt in dem Affärensumpf die wohl tragischste Figur - einen mühsam aufgerüschten Vollzeitfan, der im Wohnmobil der Tour hinterherkurvt und mit leicht irrem Grinsen jeden Wimpernschlag Königs verfolgt. Wie alle Frauen aus dem inneren Zirkel der Königgespielinnen hat auch sie eine blaue Tulpe am Knöchel tätowiert, ebenso wie das Opfer, eine Journalistin mit Investigativambitionen.

Pathologe Boerne muss unterdessen die eigenen vier Wände gegen eine dominikanische (giftige!) Wanderspinne verteidigen. Mietet sich samt Seidenpyjama in die Honeymoonsuite des Stadthotels ein. Zimmernachbar ist nicht von ungefähr der Schlagerbarde. Für Ermittlungen bleibt allerdings keine Zeit - Boerne muss den Zimmerpreis abliegen, die Rechnung beläuft sich auf exakt 1,58 Cent pro Liegeminute. Aber Ermittlungen sind in Münster ja ohnehin bestenfalls drittrangig.

"Tatort: Summ, Summ, Summ" So 24.3., 20.15 Uhr, ARD

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