TV-Kritik

„BlitzBlank“: Ein Unternehmer lernt das Putzen

Der ARD-Film mit Jörg Schüttauf als Besitzer einer Reinigungsfirma versucht sich vergeblich in spielerischer Gesellschaftskritik.

Zunehmende Armut und schlechte Arbeitsbedingungen in Niedriglohnjobs sind wichtige Themen. Mit dem Fernsehfilm "BlitzBlank", der am Mittwoch ab 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist, versuchen Drehbuchautor Daniel Atzorn und Regisseur Ingo Rasper sich dieses gesellschaftlichen Komplexes spielerisch anzunehmen. Das Problem ist nur: Wie das Ganze ausgeht, liegt schon nach kurzer Zeit auf der Hand.

Torsten Blank (Jörg Schüttauf) ist Besitzer einer Reinigungsfirma, die, wie sollte es anders sein, BlitzBlank heißt. Er zahlt seinen Angestellten den ausgehandelten Tariflohn und muss sich doch mit großem Unmut in der Belegschaft auseinandersetzen. Das Gehalt reicht offenbar nicht zum Leben nicht aus, die Überstunden werden nicht bezahlt und die Arbeitskleidung ist unzumutbar. Ein Streik der Mitarbeiter ist die logische Folge.

Da Blank bezweifelt, dass es Armut in Deutschland gibt ("Uns geht's schon allen ganz gut"), die Leute lediglich lernen müssten, richtig und vorausschauend einzukaufen, geht er mit der Belegschaft eine Wette ein: Einen Monat lang wird er als Putzmann arbeiten, seine Villa und seine Familie verlassen und mit 1000 Euro brutto in der Wohngemeinschaft eines Angestellten leben.

Ob Torsten Blank die Wette nun gewinnt, soll natürlich nicht verraten werden. Nur so viel: Er gibt sich große Mühe und ist sich auch für einigermaßen geschmacksneutralen Haferflockenbrei zum Frühstück nicht zu schade. Interessanter als der Wettausgang jedoch ist, wie der Film von Regisseur Ingo Rasper zahlreiche Phänomene, die als Folge von Armut auch in Deutschland entstanden sind, mit erfrischendem Blick auf den Alltag beleuchtet. Denn das "Containern", also der Diebstahl von noch genießbaren Lebensmitteln aus den Abfällen von Supermärkten, der Besuch in einer Obdachlosenküche oder das Sammeln von Pfandflaschen sind mittlerweile auch für viele arbeitende Menschen keine Besonderheiten mehr, sondern Alltag. Die kleine Freude, wenn man im Müllcontainer ein paar Glücksgriffe landet, inklusive.

Diese Welt lernt Blank eindringlich kennen, ohne dass er allerdings die Distanz zu ihr verliert - und in Gefahr gerät, sein früheres Leben zu vergessen. In vielen kleinen Szenen brechen seine einstigen Gewohnheiten durch - und so wird er zu einer Art Versuchskaninchen, eingesperrt in einer WG statt in seiner Villa. Es ist wenig verwunderlich, dass Blank da die Sehnsucht nach seiner "alten Welt" plagt, in der Geld für private Vergnügungen reichlich vorhanden war. Doch er steht das WG-Leben durch, gemäß seinem Lieblingslied "You Win Again" von den Bee Gees - ein musikalisches Motto, das ihn auch zum erfolgreichen Firmenbesitzer werden ließ: "There's no fight you can't fight", es gibt keinen Kampf, den du nicht gewinnen kannst, heißt es in dem Song.

Insgesamt wird das spannende Thema Armut nicht angemessen behandelt. Das Drehbuchdebüt von Robert Atzorns Sohn Daniel ist eine im Ansatz lustige Geschichte, die aber zu ulkig und albern daherkommt. Auch wenn eine "leichte, unterhaltsame Komödie" das erklärte Ziel von Regisseur Rasper war und man "nicht den großen moralischen Zeigefinger" heben wollte: Ein solch gesellschaftlich relevantes Thema muss ernsthafter angegangen werden.

"BlitzBlank", Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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