Diskussion um „Wetten, dass..?“

Warum Schleichwerbung gerade jetzt zum Thema wird

Kai-Hinrich Renner

Jahrelang wurde in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ geworben, was das Zeug hielt. Doch die Öffentlichkeit wird erst jetzt sensibilisiert.

Hamburg. Niemand kann sagen, er hätte nichts gewusst. Die Sache geschah in aller Öffentlichkeit. Ganz Fernsehdeutschland war Zeuge, als Thomas Gottschalk in der ZDF-Show "Wetten, dass ..?" seine Gäste mit Gummibärchen der Marke Haribo abfüllte. Es blieb niemandem verborgen, dass er im Stil eines Autoverkäufers zunächst Wagen der Marke Mercedes-Benz und später Vehikel des Wettbewerbers Audi anpries. Jahrelang galt "Wetten, dass ..?" als Schleichwerbesendung. Und dass diese Schleichwerbung von der Firma Dolce Vita des Moderatoren-Bruders Christoph Gottschalk vermittelt wurde, war auch bekannt.

Insofern überrascht es, dass der "Spiegel" am Montag mit der "Wetten, dass ..?"-Schleichwerbung aufmachte, nur weil er zwei Verträge zu den Vorgängen ausfindig gemacht hatte, von denen einer nie in Kraft getreten war. Noch verwunderlicher ist aber, dass das ZDF jahrelang mit dieser Schleichwerbepraxis durchgekommen ist. Das gelang auch deshalb, weil das ZDF nicht direkt mit der Schleichwerbung zu tun hatte. Die lief ja über Dolce Media.

Und dennoch: Dass die Öffentlichkeit es zuließ, dass man beim ZDF so tat, als gingen den Sender die anrüchigen Dolce-Media-Praktiken nichts an, ist kaum nachzuvollziehen. Und deshalb ist es keineswegs erstaunlich, dass der "Wetten, dass ..?"-Schleichwerbe-Komplex gerade jetzt wieder hochkommt. Denn im Zuge der Umstellung der Rundfunkgebühr auf die umstrittene Haushaltsabgabe ist das Bewusstsein für die mangelhafte Transparenz bei ARD und ZDF gestiegen. Und das hat Folgen: Am Dienstag grub das "Handelsblatt" den nächsten "Wetten, dass ..?"-Schleichwerbevertrag aus: Er betraf die Platzierung des mittlerweile insolventen Stromanbieters TelDaFax in der ZDF-Show.

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