TV-Moderator im Porträt

Alexander Bommes ist die moderierende Allzweckwaffe

Der Hamburger präsentiert die Nachrichten im "Hamburg Journal" des NDR und ist außerdem auch für die ARD als Sportreporter im Einsatz.

Hamburg. Es ist gut, dass Alexander Bommes den Job beim NDR bekommen hat. Denn ein guter Verlierer ist der frühere Handballprofi noch nie gewesen. Das „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel, erinnert sich der 36-Jährige, habe er als Kind schon mal wutentbrannt durchs Zimmer gepfeffert. Der drahtige Mann sitzt im weißen Hemd unterm blauen Blazer und in Turnschuhen im Hamburger Schanzenviertel auf einer Sonnenterasse. „Der Drang, zu gewinnen, war bei mir schon immer sehr ausgeprägt“, sagt er.

Deshalb ist es auch gut, dass Bommes seine neue Quizshow nur moderiert, und nicht selbst mitspielt. In „Gefragt – Gejagt“ treten Prominente wie Esther Schweins, Ingolf Lück und Lilo Wanders gegen das Hamburger Superhirn Holger Waldenberger an. Die erste Folge wird am Sonntag (8. Juli, 22.30 Uhr) im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt. Die Kandidaten sollen Preisgeld für einen guten Zweck wie Hamburger Tafel, Kinder- und Welthungerhilfe gewinnen.

+++ NDR-Moderator Bommes wird neues Gesicht der "Sportschau" +++

Bommes ist eine moderierende Allzweckwaffe. Der gebürtige Kieler präsentiert seit 2008 die Nachrichten im „Hamburg Journal“ des NDR, ist auch für die ARD als Sportreporter im Einsatz und wurde im vergangenen Jahr in den Kreis der „Sportschau“-Moderatoren aufgenommen. Er lacht gerne. Davon zeugen viele kleinen Fältchen auf seinem jungenhaften Gesicht, die in der Mittagssonne deutlich hervortreten. Aus seinem Ehrgeiz macht der Ex-Profisportler keinen Hehl: „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, was meine Karriereziele angeht.“

Dabei hat er gerade mal vor vier Jahren sein Volontariat beim NDR abgeschlossen. Und eigentlich war Journalismus für ihn nur dritte Wahl. „Für mich war klar“, sagt Bommes, „dass ich Anwalt werden wollte wie mein Vater.“ Als junger Mann begann er ein Jurastudium in seiner Heimatstadt Kiel, spielte nebenbei und bald nur noch Handball. Was zuerst da war, der Sport oder der Ehrgeiz, ist im Nachhinein schwer zu sagen. Auf jeden Fall sollte Bommes bald seine bis dahin größte Niederlage einstecken müssen.

Bis in die Erste Bundesliga hatte sich der Linksaußen gekämpft, spielte im Rheinland für die Traditionsvereine TSV Bayer Dormagen und VFL Gummersbach. Wenn ihm ein „super Angebot“ gemacht worden wäre, sagt Bommes, dann wäre er im Sport geblieben. Doch dieses Angebot blieb aus. Er war nicht gut genug. Bommes lacht jetzt nicht mehr. Die Niederlage tut immer noch weh. „Plötzlich bist du nicht mehr der tolle Handballprofi, sitzt wieder an der Uni und weißt mit 27 Jahren nicht, wie es weitergehen soll“, sagt er.

Er beschloss, zurück nach Kiel zu gehen, sich wieder dem Jurastudium zu widmen und schaffte das erste Staatsexamen. Handball spielte Bommes jetzt nur noch in der zweiten Liga, wo er 2006 mit dem TSV Altenholz Torschützenkönig wurde. Praktizierender Anwalt wie sein Vater wurde er doch nicht. Teils, weil er sich das zweite Examen nicht zutraute, teils, weil er seine Passion für den Journalismus entdeckte und Sportbeiträge fürs Radio machte. Beim nächsten Satz kehrt das Lachen in sein Gesicht zurück.

„Auch mein Vater war 17 Jahre lang nebenbei Radiomoderator in Kiel.“ Bommes schaffte das Auswahlverfahren für ein Volontariat beim NDR, so begann seine TV-Karriere. Im Nachhinein ist er froh darüber, dass er im Leben auch mal verloren hat. Selbst wenn es seiner Natur widerspricht, möchte er dankbarer werden: „Ich arbeite gerade hart an mir, um anzuerkennen, dass alles super gelaufen ist in den vergangenen Jahren.“ Der Moderator lebt mit seiner Freundin in Hamburg, das Paar hat einen dreijährigen Sohn. „Sie hofft“, sagt Bommes und lacht, „dass der Junge nicht so übertrieben ehrgeizig wie sein Vater wird.“

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