Zeitschriften für Kinder

Kindermagazine - Die Erben von "Yps"

Foto: Ingo Röhrbein

Sie liegen eingeschweißt am Bahnhofskiosk und lassen Kinderherzen höher schlagen: bunte Heftchen mit beigelegtem Spielzeug.

Hamburg. Nein, zugegeben: Für die Dame aus dem Buchhandel im Altonaer Bahnhof sind dieses Magazine nichts. "Wie die Wilden stehen die Kinder davor, ziehen raus, was nicht niet- und nagelfest ist", sagt sie und sieht nicht glücklich dabei aus. "Jeden Abend dürfen wir sie wieder einsortieren." In der Tat, da beneidet man sie nicht. Fensterputzen im Chilehaus dürfte ähnlichen Spaß bereiten.

Eine unüberschaubare Anzahl von Kindermagazinen flutet Monat für Monat die Regale der Zeitungskioske an deutschen Bahnhöfen. Sie heißen "Sooo Süss ...", "Kleine Prinzessin" oder "Wow! Wow! Wubbzy! - Dein Wimmelmagazin" (ja, tatsächlich). Aber gefallen sollen diese Titel auch nicht uns, sondern dem Zielpublikum, Kindern zwischen drei und 13 Jahren. Die, so berichteten uns betroffene Eltern, manchmal wochenlang auf ein Exemplar ihres Lieblingshefts sparen. "Was mit ,Yps' begann, ist heute beinahe Standard", sagt Elke Schickedanz, Sprecherin des Berliner Egmont Ehapa Verlags, einem der größten Verlage für Kindermagazine. "Fast alle Kinder- und Jugendmagazine aus unserem Haus sind mit einem Extra ausgestattet." Nur große Klassiker wie das Lustige Taschenbuch kommen noch ohne aus.

Zwischen 2,70 Euro ("Spongebob") und 3,50 Euro ("Barbie Fantasie") kostet das eingeschweißte Kinderglück, die meisten Hefte bestehen aus 34 Seiten.

"Yps", die Mutter aller Urzeitkrebse, gibt es übrigens nicht mehr. eine Feststellung, die so tragisch ist wie bedauerlich. Denn mitunter sollten sich die "Yps"-Enkel ein Beispiel nehmen am Wesen ihres Großvaters: weniger Trash und ein wenig mehr Tiefe.

"Frag doch mal ..." Wie funktioniert eine Isolierflasche? Kann man im Weltall wohnen? Warum haben Katzen Schnurrhaare? Die Maus (aus "Die Sendung mit ...") weiß auf jede Frage eine kindgerechte Antwort. Klar in Sprache und Layout steht hier auf 36 Seiten die unterhaltsame Infovermittlung im Mittelpunkt, und sogar ein wenig Englischunterricht gibt's. Ein Heft, das Eltern guten Gewissens kaufen können - auch wenn der integrierte "Playmobil"-Katalog beim Nachwuchs natürlich Begehrlichkeiten weckt.

"Käpt'n Sharky" Aus der Reihe "Dialoge, die man im Feuilleton eher selten hört" möchten wir an dieser Stelle ein aktuelles Beispiel aus unserem Haus präsentieren.

Kollegin A: "Sag mal, steht das Kokosnusskatapult schon?"

Kollege B: "Ja, steht."

Kollegin A: "Und?"

Kollege B: "Ich brauchte die Anleitung."

Kollegin A: "Aha. Und sonst?"

Kollege B: "Spitzenteil."

Mehr muss man nicht wissen.

"Bakugan" Das Gefühl, für diese Welt zu alt und langsam zu sein, stellt sich schon beim ersten Durchblättern des Magazins ein, das sich an alle Fans der japanischen TV-Serie bzw. des gleichnamigen Spiels wendet. In der Regel also an Jungs zwischen acht und zwölf. Wirre Comics, martialische Poster, für Außenstehende völlig unverständliche Infos zu Spielkarten und Serienfolgen: Eltern sind erschüttert, die lieben Kleinen hingegen begeistert. Immerhin: die beigefügte Taschenlampe funktioniert und leuchtet sogar recht hell.

"Fix und Foxi" Zwar liegt die große Zeit der "Fix und Foxi"-Hefte schon mehr als zwei Jahrzehnte zurück, doch die nach Umsatzeinbrüchen zwangsläufige Modernisierung ist gelungen. Zum Auftakt gibt's im aktuellen Heft eine 15-seitige, klar strukturierte Comic-Geschichte, es folgen ein Special zum Zoo Hannover und zur Geschichte der Wikinger - prall gefüllt mit Infos und trotzdem nicht überfrachtet. Stark auch das Basilikum-Petersilienpesto-Rezept, das zudem mit dem Hinweis "Alle verwendeten Zutaten sollten Bioprodukte sein" punktet. "Fix und Foxi" gehört zur Spitzenklasse der Taschengeldräuber in Heftform. Das Gimmick, ein Hartplastik-Eisbär, passt thematisch zu den Geschichten und ist völlig unverwüstlich.

"Prinzessin Lillifee" Ein Traum in Rosa - und sooo süß! Zwar dürften Jungs dieses Heft kaum mit spitzen Fingern anfassen, kleine Mädchen lieben es dafür um so mehr. Da gibt es die leicht verständliche Bastelanleitung für ein (rosa) Seepferdchen aus Handtuchstoff, ein niedliches Glühwürmchenspiel, Ausmalbilder und das Rezept für süße Kuchenleckereien. Ein paar Infos und viele bunte Bilder zur heimischen Vogelwelt, eine kuschelige Kurzgeschichte zum Thema Laternelaufen - allerliebst. Und die Gimmicks sind auch prima: der Klebebandabroller mit Lillifee-Motiven ebenso wie die Packung Badewasserfarbe - natürlich rosa.

"Shaun das Schaf" Im Grunde ist das Furzkissen ja so etwas wie die Hochzeitstorte unter den Kinderheft-Gimmicks - jeder schaut drauf, da darf nichts schiefgehen. Dass es das Furzkissen vom Shaun-das-Schaf-Magazin nicht geschafft hat, ist vor allem deshalb tragisch, weil der Heftinhalt ansonsten ganz gelungen ist: unterhaltsame Comics (Alarm auf der Farm!), wenig nervige Werbung, dafür die Bastelanleitung für eine grandiose Shaun-das-Schaf-Laterne. Die hätte man selbst gern gehabt.

Aber zurück zum Furzkissen. Denn da muss man ein niederschmetterndes Fazit ziehen: leider total vergeigt. Kaum hat es die durchsichtige Plastikhülle verlassen, füllt sie den gesamten Raum mit einem widerlich chemischen Geruch - das kann nicht gesund sein. Über das Furzgeräusch ist nur so viel zu sagen, dass es leider nicht klingt wie ein Furz. Doch vor allem der penetrante Gestank wirft die Frage auf, wo und unter welchen Bedingungen diese ganzen billigen Spielzeuge hergestellt werden. "Made in China", stand auf den meisten von ihnen. Was auch sonst.