Handball: HSV siegt souverän 30:23 (16:12) gegen Göppingen

Bertrand Gille fällt verletzt aus

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17 Tage hatten die Handballer des HSV Hamburg nicht in der Color-Line-Arena gespielt. Doch die Mannschaft, die am Sonnabend anlässlich des Bundesligaspiels gegen Frisch-Auf Göppingen in ihr Wohnzimmer zurückkehrte, erinnerte nur noch den Namen nach an die, die es zweieinhalb Wochen zuvor nach einem 34:34-Unentschieden gegen die Füchse Berlin wie ein Rudel geprügelter Hunde verlassen hatte.

Beim 30:23 (16:12) bekamen die 9043 Fans vielmehr einen HSV zu sehen, der in vielen Phasen seine besten Momente der vergangenen beiden Jahre wiederaufleben ließ: kombinationssicheres Tempospiel nach vorn, stellungssicheres Deckungsspiel nach hinten und dazu ein Torwart Johannes Bitter, der mit 21 Paraden, darunter drei Siebenmeter, zeigte, warum er auch in Deutschland die unumstrittene Nummer eins ist.

"Nicht auszudenken, wo wir mit einer vernünftigen Saisonvorbereitung stünden", haderte Sportchef Christian Fitzek mit dem widrigen Umstand, dass nach den Olympischen Spielen keine Zeit zum Einspielen geblieben war. Das neue Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Es ist gewachsen in vier Auswärtsspielen, die der HSV letztlich allesamt souverän gewonnen hatte. Insofern kam diese Verwandlung nicht überraschend. Und all jene unter den Zuschauern, die noch das ungute Gefühl des Berlin-Spiels im Bauch hatten, konnten sich am Sonnabend spätestens nach acht Minuten entspannt zurücklehnen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Hamburger, von einem 1:2-Rückstand kommend, auf 7:2 davongezogen.

Solche guten Phasen hatte es auch schon zu Saisonbeginn immer wieder gegeben. Doch gegen die aufstrebenden Schwaben ließen die Hamburger ihr Können nicht nur aufblitzen, sie rückten es gleich ins rechte Licht. Am Ende stand der erste Heimsieg der Saison auf den Statistikbögen, den man souverän nennen darf.

Ein Beleg dafür: Nach der Führung zur Halbzeit der ersten überhaupt im fünften Heimspiel dieser Saison nahm die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb nicht etwa das Tempo heraus, sondern enteilte innerhalb von viereinhalb Minuten auf 22:14. Ein weiterer: die Erfolgsquote aus dem Rückraum. Marcin Lijewski und Blazenko Lackovic, die hoch gelobten Neueinkäufe aus Flensburg, sind nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten längst auch auf dem Spielfeld in Hamburg angekommen.

Es ist ein gutes Gefühl, das der HSV nun in seine zehntägige Spielpause nehmen darf. Und es ist nicht zu befürchten, dass sich die Mannschaft am 5. November im Champions-League-Spiel gegen den FC Kopenhagen wieder von ihrer anderen, von Selbstzweifeln gequälten Seite zeigt.

Daran wird wohl nicht einmal die Verletzung von Olympiasieger Bertrand Gille etwas ändern können. Der 30 Jahre alte französische Kreisläufer im Abschlusstraining am Freitag umgeknickt, hat sich das Syndesmoseband am rechten Fuß gerissen und droht acht Wochen auszufallen. Am Sonntag soll entschieden werden, ob sich Gille einer Operation unterziehen muss oder ob er konservativ behandelt wird. Mehr Glück hatte der HSV bei der Auslosung der Achtelfinalpaarungen im DHB-Pokal. Am 17. Dezember ist der ASV Hamm voraussichtlich in der Sporthalle Hamburg zu Gast. Der Zweitligavertreter hatte sich mit einem überraschenden Erfolg gegen den SC Magdeburg für die Runde der letzten 16 qualifiziert.
Tore, Hamburg: M. Lijewski 7, Lindberg 7 (6 Siebenmeter), Lackovic 5, Schröder 3, K. Lijewski 2, Jansen 1, Grimm 1, G. Gille 1, Grundsten 1, Niemeyer 1; Göppingen: Oprea 8 (6), Kneule 3, Schöne 3, Anusic 2, Jurca 2, Horak 2, Garcia 1, Späth 1, Niemeyer 1. Schiedsrichter: Damian/Wenz (Mainz/Bingen). Zuschauer: 9043. Zeitstrafen: 3; 4.

( leo/rg )

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