Schüler machen Zeitung
Geschwister

So seltsam ist das Leben als Zwilling

Lesedauer: 4 Minuten
Die Zwillinge Nele und
Jana Brüning sind nur
zu unterscheiden, weil
sie sich unterschiedlich
kleiden,
schminken und
frisieren

Die Zwillinge Nele und Jana Brüning sind nur zu unterscheiden, weil sie sich unterschiedlich kleiden, schminken und frisieren

Foto: Privat

Das doppelte Lottchen wollen Nele und Jana nicht sein. Sie kleiden und frisieren sich unterschiedlich.

Nele Brüning, Klasse WP10, Irena-Sendler-Schule

Hamburg.  „Ihr solltet euch eure Namen auf die Stirn schreiben“, hören wir fast jedes Mal, wenn wir neue Leute kennenlernen. Ob es Lehrer, Klassenkameraden oder Freunde von unseren Eltern sind. Ich kann sie verstehen, denn es ist bei eineiigen Zwillingen wirklich nicht immer leicht, sie aus­einanderzuhalten. Aber seien wir mal ehrlich, wer würde sich freiwillig seinen Namen auf die Stirn schreiben?

Lehrer sagen öfter mal: „Ihr habt erstaunlicherweise gar nicht die gleiche Note.“ Erstaunlicherweise? So würde ich das aber nicht ausdrücken, denn nur, weil wir Zwillinge sind, heißt das doch noch lange nicht, dass wir in allem, was wir tun, gleich gut oder gleich schlecht sind. Damit meine ich nicht nur schulische Angelegenheiten. Klar, es gibt Zwillinge, die in so ziemlich allem gleich sind, aber bei den meisten – und auch bei uns – ist es nicht so.

Nie die gleichen Klamotten

Meine Schwester und ich tragen nie die gleichen Klamotten, Frisuren und sonstiges Zeugs, ganz einfach aus dem Grund, weil wir sonst häufiger verwechselt werden würden. Die meisten Leute erkennen uns nur an den Klamotten und an der Frisur. Würden wir uns gleich kleiden, gäbe es noch mehr Probleme, uns auseinanderzuhalten.

Wir hätten Probleme, weil wir auf die Frage, wie man uns auseinanderhalten kann, keine Antwort haben. Wir wissen ja, wer wir sind. Wir sind Jana und Nele. Manchmal kann es auch ziemlich unterhaltsam sein, wenn jemand nach mehr als fünf Jahren immer noch nicht weiß, wer von uns wer ist. Auch Verwandte, die wir nicht oft sehen, verwechseln uns. Zu sehen, wie peinlich es den Leuten ist, ist immer wieder lustig.

Jana und Nele. Uns gibt es meistens nur als Doppelpack. Wir sind, was bei vielen anderen Zwillingen nicht so ist, seit der Einschulung immer in derselben Klasse und machen generell fast alles zusammen. Wir sind so etwas wie beste Freundinnen, nur haben wir dieselbe Familie.

Kennen uns vielleicht ein bisschen zu gut

Viele Leute sagen, dass wir Glück haben, dass wir uns so gut verstehen, aber letztendlich ist es doch sowieso immer die eigene Entscheidung, ob man sich gut versteht oder nicht. Wir sind gleich alt, haben fast dieselben Interessen und kennen uns vielleicht ein bisschen zu gut. Ob man dadurch automatisch zu besten Freundinnen wird, weiß ich nicht, aber es ist einfach leichter, mit den Geschwistern befreundet zu sein, als sich andauernd zu streiten.

Meine Schwester Jana hat ein paar Fragen beantwortet, die uns oft gestellt werden.

„Ist es schön einen Zwilling zu haben?“, lautet eine dieser Fragen. Die Antwort: „ Ja, es ist schön.“

„Nervt ihr euch nicht auch manchmal?“, wollen die Leute wissen. „Natürlich. Alle Geschwister nerven manchmal.“ Noch eine Frage: „Streitet ihr euch oft?“ Jetzt kommt eine schöne Antwort: „Nein nicht wirklich. Wir streiten uns komischerweise fast nie.“

Manchmal beenden wir gegenseitig unsere Sätze

Und noch etwas werden wir gefragt: „Beendet ihr gegenseitig eure Sätze?“ Darauf sagt Jana: „Naja. Das kommt darauf an. Wir sind nicht so, wie viele Zwillinge in Filmen dargestellt werden, die ihre Sätze gegenseitig beenden, wenn sie mit anderen reden. Aber da wir uns so gut kennen und deshalb oft wissen, was der andere gerade sagen will, beenden wir unsere Sätze manchmal, wenn wir alleine sind und mir oder meiner Schwester mal wieder ein Wort nicht einfällt. Zählt das zu ,Sätze beenden‘?

Jetzt mal eine Frage an Sie: Haben Sie, wenn Sie Zwillinge kennen, den beiden jemals eine dieser Fragen gestellt?