Schüler machen Zeitung
Leidenschaft

Ich kann nicht aufhören zu tanzen, tanzen, tanzen!

Lasse Graubner-Caballero, Abdruck einmalig für Schüler machen Zeitung im Hamburger Abendblatt

Lasse Graubner-Caballero, Abdruck einmalig für Schüler machen Zeitung im Hamburger Abendblatt

Foto: Hamburg Ballett Schule

Lasse will Tänzer werden. Seit einem Jahr ist er Schüler der renommierten Ballettschule des Hamburg Ballett.

Hamburg.  Tänzer zu werden ist mein großer Traum, und diesem Traum bin ich in diesem Jahr schon um Einiges nähergekommen. Mit der Aufnahme als Tanzschüler an der Ballettschule des Hamburg Ballett, einer der berühmtesten und renommiertesten Schulen Deutschlands und anerkannt in der ganzen Welt, entstehen für mich ganz neue Perspektiven.

Das Tanzen war schon immer in mir

Die Aufnahmeprüfungen für die Ballettschule finden jedes Jahr im Frühling statt. Das Aufnahmealter für die Vorschule ist sieben bis neun Jahre, für die Ausbildungsklassen zehn bis 16 Jahre und für die letzten beiden Theaterklassen 16 bis 18 Jahre. Man muss die körperlichen Voraussetzungen haben, tänzerisch und technisch begabt sein, ein gutes Gefühl für Rhythmus haben und auch improvisieren können. Bis zur Aufnahme an der Ballettschule des Hamburg Ballett war es ein langer Weg, und ein sehr großes Stück des Wegs liegt noch vor mir.

Ich möchte gern erzählen, wie ich mit dem Tanzen anfing, doch das kann ich eigentlich gar nicht, denn das Tanzen war schon immer in mir. Schon als kleines Kind waren Musik und Bewegung meine große Leidenschaften, und ich liebte es, mich zur Musik zu bewegen. Ehrlich gesagt hätte ich von allein nie den Mut gehabt zu fragen, ob ich Ballett tanzen darf. Ich habe es einer Menge Leuten zu verdanken, dass ich da bin, wo ich jetzt stehe.

Sechsmal die Woche trainiere ich, und das ist wirklich sehr anstrengend. Denn um meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, gab es auch einige Umstellungen in meinem Leben, zum Beispiel die Entfernung von meinen Freunden außerhalb der Ballettschule. Ich will nicht sagen, dass ich meine Freunde verloren habe, doch seit meiner Entscheidung, das Tanzen zu meinem Beruf zu machen, ist es nicht leicht, so häufig wie vorher mit den Freunden zusammenzusitzen oder etwas gemeinsam zu unternehmen. Dafür habe ich aber durch das Ballett viele neue Freunde gewonnen.

Ein normaler Tag sieht bei mir so aus: Von morgens bis nachmittags gehe ich zur Schule, meist bis 15 Uhr. Dann fahre ich schnell nach Hause zum Essen, und nach einer kurzen Pause geht es direkt zum Training. Der Unterricht findet statt im Ballettzen­trum Hamburg John Neumeier. In den Räumen an der Caspar-Voght-Straße in Hamm gibt es neun Ballettsäle. Dort arbeiten die Compagnien des Hamburg Ballett und des Bundesjugendballetts wie auch die Ballettschule. Auch das Internat ist dort untergebracht.

Zum Ballettzentrum brauche ich 45 Minuten, da bleibt etwas Zeit, die Hausaufgaben in der Bahn zu machen. Nach dem Aufwärmen beginnt das anderthalbstündige Training. In der Regel bin ich nicht vor 21 Uhr zu Hause. Die Tage sind lang, und oft bin ich abends erschöpft. Manchmal überkommen mich auch Selbstzweifel. Wenn ich mich dann im Spiegel anschaue, sehe ich oft nur einen Arm, der besser gehalten werden muss, oder eine Hüfte, die mehr auswärts oder einen Fuß, der gestreckter sein sollte.

Man neigt manchmal dazu, den Blick für das Ganze zu verlieren. Doch meine Lehrer an der Schule möchten nicht nur die Technik sehen, sondern auch die Leidenschaft und den Willen. Deshalb helfen sie mir immer wieder, zurück zu mir selbst zu finden, damit ich den Spaß und die Leidenschaft für das Ballett behalte.

Und es gibt den entscheidenden Moment, wo ich ganz genau weiß, dass ich Tänzer werden will. Es ist dieser Moment, wenn ich auf der Bühne stehe, wenn ich tanze und die Zuschauer auf mich blicken. Ich fühle mich dann, als könnte ich bis zum Himmel springen und 1000 Pirouetten drehen. Ich spüre, wie die Leidenschaft und die Energie durch alle meine Muskeln strömen und ich nicht aufhören kann zu tanzen, zu tanzen, zu tanzen!

In diesen Momenten wird mir bewusst, warum ich tanzen möchte. Tief in mir spüre ich den Willen, der mich anspornt, noch härter zu trainieren, um irgendwann wieder auf die Bühne zu dürfen und um meinen Traum vom Tänzerdasein Wirklichkeit werden zu lassen.