Schüler machen Zeitung
Interview

Starke Vereine – starkes Engagement

Alessio Baumann (von links), Gabriele Wöhlke, Magdalena Benjamin, Sabine Tesche, Sarah Venice Yurdakan und Melissa Panek

Alessio Baumann (von links), Gabriele Wöhlke, Magdalena Benjamin, Sabine Tesche, Sarah Venice Yurdakan und Melissa Panek

Foto: Marcelo Hernandez

Der Verein „Kinder helfen Kindern e.V.“ und die Budnianer-Hilfe unterstützen Bedürftige in Hamburg. Interview mit zwei Chefinnen.

Hamburg.  Wer verbirgt sich hinter den „Budinanern“? Was ist „Von Mensch zu Mensch“, und wie ist der Verein „Kinder helfen Kindern“ entstanden?

Wir – fünf Schülerinnen und Schüler des Niels-Stensen-Gymnasiums – hatten Gelegenheit, Sabine Tesche, Leiterin des Abendblatt-Ressorts „Von Mensch zu Mensch/Kinder helfen Kindern“ und Gabriele Wöhlke vom Vorstand der Budnianer-Hilfe für das Hamburger Abendblatt zu ihrer Vereins- und Redaktionsarbeit zu interviewen.

Hamburger Abendblatt: Könnten Sie uns Ihre Vereine vorstellen?

Sabine Tesche: Der Verein „Kinder helfen Kindern“ wurde 1975 gegründet. Grund dafür war, dass Polizeireporter immer wieder über unfallgeschädigte Kinder berichteten und diesen helfen wollten. Die Redaktion bat die Kinder der Stadt, Geschenke zu basteln, die bei Weihnachtsbasaren verkauft wurden. So entstand der Vereinsname. Ziel des Vereins ist heute, benachteiligten, kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen in der Metropolregion Hamburg zu helfen.

Gabriele Wöhlke: Unseren Verein, die Budnianer-Hilfe, gibt es seit 1997, und er wird von allen Budni-Mitarbeitern getragen. Entstanden ist unser Verein auf einer Mitarbeiterfeier, als eine Kollegin einen Hut rumgehen ließ und Spenden für einen guten Zweck sammelte. Zuerst haben wir pädagogische Mittagstische unterstützt, inzwischen fördern wir Kinder und Jugendliche in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur und Gesundheit, ebenfalls in der Metro­polregion Hamburg.

Wie arbeiten Sie in Ihrem Verein? Wonach entscheiden Sie, wer unterstützt wird?

Wöhlke : Wir sammeln Geld und unterstützen dann die sozialen Projekte, die bei uns Anträge stellen. Diese Einrichtungen müssen gemeinnützig anerkannt sein.

Wie macht es das Hamburger Abendblatt?

Tesche : Wir sind ein kleines Team, das die Anträge von Projekten und Vereinen überprüft. Viele Projekte schaue ich mir persönlich an. Manchmal veröffentliche ich auch einen Spendenaufruf für Einzelschicksale. Uns unterscheidet stark von anderen Vereinen, dass wir auch Einzelhilfe leisten können.

Wer wird unterstützt? Könnten Sie konkrete Projekte nennen?

Tesche : Wir haben eigene Sachen initiiert, zum Beispiel „Kids in die Clubs“, eine Initiative, die sicherstellt, dass Kinder und Jugendliche im Verein Sport treiben können. Ein Schwerpunkt ist die Förderung von Jugendlichen und Migrantenkindern. Wir unterstützen Kinder- und Jugendreisen und Nachhilfeprojekte. Toll finde ich zum Beispiel die Arbeit der Dollen Deerns, der Lenzsiedlung und der HipHop-Academy.

Wöhlke: Am Anfang unserer Arbeit gab es einen Bericht über das Kennedy-Haus im Phoenix-Viertel in Harburg. Dort werden die Kinder aus dem sozial schwierigen Stadtteil mit gesunden Mahlzeiten und Hausaufgabenbetreuung versorgt. Das fand ich ganz toll, und seitdem unterstützen wir genau solche Projekte, die sich der täglichen und direkten Betreuung von Kindern widmen. Wichtig ist uns auch die frühe Förderung des Lesens und Schreibens, zum Beispiel in Projekten wie Buchstart. Das ist eine Leseförderung von Kleinkindern. Auch die von Sabine Tesche genannten Projekte kennen und fördern wir.

Und wer wird abgelehnt?

Tesche : Ein Ablehnungsgrund ist zum Beispiel, wenn es aussichtslos ist, dass die Finanzierung des Projekts funktioniert oder es bei dem Projekt keine konkreten Ziele gibt.

Wöhlke: Bei uns gibt es ein paar Kriterien. Bauliche Maßnahmen und Reisen unterstützen wir nicht. Ansonsten prüfen wir natürlich jeden Fall einzeln. Wir kennen inzwischen auch viele Projekte, die wir über Jahre unterstützen, von denen wir wissen, dass sie gute Arbeit leisten.

Wie sind Sie dazu gekommen, in Ihren Vereinen zu arbeiten?

Tesche : Der Verein „Kinder helfen Kindern“ ist angeschlossen an das Abendblatt-Ressort „Von Mensch zu Mensch“. Als ich die Möglichkeit bekam, dieses Ressort 2012 zu übernehmen, war ich unheimlich dankbar. Die Arbeit dort ist besonders, es gibt kaum ein Ressort, in dem man seinen Mitmenschen so helfen kann, und ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, wie dankbar die Leute uns dafür sind. Möglich ist das allerdings nur durch die Spenden der Abendblatt-Leser.

Was bewegt Sie weiterzumachen?“

Wöhlke : Ich liebe Kinder über alles, und wenn man sieht, dass es Kindern nicht gut geht und sie sich nicht selbst helfen können, muss man etwas tun. Wenn es mir selbst gut geht, möchte ich etwas davon abgeben.

Tesche: Die Möglichkeit, etwas zu bewegen und helfen zu können, finde ich so großartig an diesem Job, egal ob jungen oder alten Menschen.

Wöhlke: Es ist, glaube ich, das Allerschönste, die glücklichen Kinderaugen zu sehen.

Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus? Geben Sie häufig Interviews?

Wöhlke : Interviews gebe ich nicht oft. Aber zum Alltag gehört es, Post und E-Mails zu lesen, in die Projekte zu gehen, Gespräche zu führen und sich mit anderen helfenden Menschen zu vernetzen.

Tesche: Anträge lesen, E-Mails lesen, viele Anrufe beantworten, Texte schreiben. Ich habe mich mittlerweile schon daran gewöhnt, ab und zu mal Interviews zu geben. Es ist immer eine Mischung aus ganz vielen Dingen, die es zu tun gibt.

Im Moment steht das Thema Flüchtlingshilfe im Mittelpunkt. Wie gehen Ihre Vereine damit um?

Tesche : Bei uns steht diese Hilfe bewusst nicht im Vordergrund, es gibt auch noch viele andere Bedürftige in der Stadt. Dennoch unterstützen wir schon seit Jahren Jugendwohnungen für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge.

Wöhlke: Wir haben einen speziellen Fonds gegründet, der über die Bürgerstiftung verteilt wird. Was wir außerdem geben, sind Sachspenden wie Hygieneartikel. Es ist aber auch wichtig, dass die anderen Bedürftigen in Hamburg nicht vernachlässigt werden.

Haben Sie ein Vereinsmotto?

Wöhlke : Kinder brauchen Zuwendung, Anerkennung und Liebe, damit sie eine Zukunft haben.

Tesche: Das Wichtigste bei uns ist, dass die Hilfe buchstäblich von Mensch zu Mensch funktioniert. Wir tun mehr, als nur Geld zu geben, wir vernetzen Menschen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Wöhlke und Frau Tesche.